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Afghanistan-Einsatz: Deutschland verärgert über Kritik von Präsident Karzai

Verteidigungsminister de Maizière in Kunduz (Archiv): "Diese spezielle Äußerung hat mich befremdet" Zur Großansicht
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Verteidigungsminister de Maizière in Kunduz (Archiv): "Diese spezielle Äußerung hat mich befremdet"

"Viel Leid", "Verlust zahlreicher Leben", "keine Vorteile": Afghanistans Präsident Karzai übte heftige Kritik am Nato-Militäreinsatz in seinem Land - sehr zum Unmut der Deutschen. Verteidigungsminister de Maizière reagiert ungehalten.

Brüssel/Kabul - Die heftige Kritik des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai am internationalen Militäreinsatz in seinem Land stößt auf Unverständnis. "Diese spezielle Äußerung hat mich befremdet", sagte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch bei einem Treffen mit seinen Nato-Kollegen.

Dies entspreche nicht dem, "was die afghanische Bevölkerung uns jeden Tag sagt", kritisierte de Maizière. Die Afghanen hätten bedeutend von dem internationalen Militäreinsatz profitiert, fügte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond hinzu. "Natürlich wird es sich in Afghanistan niemals wie in der Schweiz anfühlen, aber das ist auch nicht das, was wir zu erreichen erwarten."

Die Nato-Verteidigungsminister beraten in Brüssel mit ihrem afghanischen Kollegen Bismillah Khan Mohammadi und den Nicht-Nato-Staaten, die am Afghanistan-Einsatz teilnehmen, über die 2015 beginnende Ausbildungsmission "Resolute Support" ("Entschiedene Unterstützung"). Diesen Einsatz will die Allianz einschränken.

Bis Ende 2014 will die Nato ihre Kampftruppen aus Afghanistan abziehen, die afghanischen Sicherheitskräfte im Rahmen einer neuen Mission aber auch anschließend weiter beraten und trainieren. Damit es aber überhaupt dazu kommt, besteht die Allianz aber auf Abkommen mit der afghanischen Regierung über den rechtlichen Status ihrer Truppen.

Bisher sträubt sich Afghanistans Präsident Karzai aber dagegen. Anfang Oktober hatte er sich sehr abfällig in einem BBC-Interview über den Nato-Einsatz in seinem Land geäußert. Dieser habe "viel Leid gebracht, den Verlust zahlreicher Leben und keine Vorteile, denn das Land ist nicht sicher".

Die US-Regierung verhandelt seit Monaten mit Afghanistan über ein neues Truppenstatut, das die Blaupause für Vereinbarungen der anderen Staaten sein soll. Es wird erwartet, dass die USA nach einem erfolgreichen Abschluss der Gespräche ihre künftige Truppenstärke verkünden. Diese beiden Entscheidungen würden "dringend" erwartet, sagte de Maizière am Mittwoch. Er hoffe, dass Karzai das Abkommen über ein US-Truppenstatut der afghanischen Stammesversammlung Loya Jirga am 23. November vorlege.

Die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Monaten am Hindukusch verschlechtert. In der ersten Jahreshälfte wurden nach Uno-Angaben mehr als tausend Zivilisten bei Kämpfen und Anschlägen getötet - das sind deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. "Die Sicherheitslage (in Afghanistan) ist nicht so gut wie wir sie für dieses Jahr erhofft haben, nicht so schlecht wie sie oft beschrieben wird", sagte de Maizière.

heb/dpa/AFP

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insgesamt 66 Beiträge
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1. Karsai
Octavio 23.10.2013
Wieso wundert sich die deutsche Regierung über diesen korrupten afghanischen Präsidenten.Mit unseren Steuergeldern hat Deutschland diesen Herrn doch a, Leben gehalten und ihm geholfen seine materielle Sicherheit zu schützen.
2. Karzai wird bald abhauen
spiekr 23.10.2013
und von seinem im Ausland gebunkerten Geld leben. Anderenfalls werden ihm die Taliban das Geld weitgehend abnehmen und exekutieren nach korrektem Scharia Prozess.
3.
Artgarfunkel 23.10.2013
Nun, dann soll unser Kriegsminister doch einmal genau erläutern, wo denn in diesem unsäglichen Einsatz die Vorteile für Afghanistan liegen? Als auswärtiger Beobachter fällt es tatsächlich sehr schwer, solche zu erkennen, ausser vielleicht die zig Milliarden, die uns dieser Unsinn kostet und die die Kriegswirtschaft antreiben.
4. Schafsmäßige Geduld
Europa! 23.10.2013
Zitat von sysopREUTERS"Viel Leid", "Verlust zahlreicher Leben", "keine Vorteile": Afghanistans Präsident Karzai übte heftige Kritik am Nato-Militäreinsatz in seinem Land - sehr zum Unmut der Deutschen. Verteidigungsminister de Maizière reagiert ungehalten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-einsatz-deutschland-veraergert-ueber-karzais-kritik-a-929492.html
Nach den Äußerungen von Karzai konnte es doch eigentlich nur eine Antwort geben: Sofortigen, bedingungslosen Rückzug aus AFG. Stattdessen soll jetzt über den "Status" von verbleibenden Truppen diskutiert werden. Was soll das? Raus, und Schluss!
5. Der Bürger versteht das !
magoan 23.10.2013
Raus aus Afghanistan und der Fall ist erledigt für uns. Lehrgeld haben unsere Soldaten wirklich genug bezahlt ! Möchte nicht wissen wie viel Geld in die Kuroptionsregierung von Präsident Karzai geflossen sind. Wir haben Grundsätzlich nichts am Hindukusch zu suchen, der Bürger versteht das, die Politiker anscheinend nicht!
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