Afghanistan-Einsatz Geheimer Nato-Bericht wirft Deutschen Fehler vor

Die Bundeswehr gerät unter Druck: Am Karfreitag töteten deutsche Soldaten in Kunduz sechs Afghanen - angeblich aus Versehen. Doch die Erschießung hätte verhindert werden können. Nach SPIEGEL-Informationen hält ein geheimer Nato-Bericht den Deutschen eklatante Fehler vor.

REUTERS

Berlin/Kabul - Der Tod der sechs afghanischen Soldaten durch Bundeswehrsoldaten nahe Kunduz am 2. April hätte verhindert werden können. Zu diesem Ergebnis kommt nach SPIEGEL-Informationen der geheime Untersuchungsbericht der Nato. Die Deutschen hätten demnach taktische Informationen nicht ordnungsgemäß verarbeitet.

So hatten sich die afghanischen Soldaten, die dem Konvoi einer deutschen Infanteriekompanie aus dem Feldlager Kunduz mit einem Geländewagen vom Typ Humvee und einem Ford Ranger entgegenkamen, ordnungsgemäß über ihren belgischen Ausbildungsoffizier beim Operationszentrum in Kunduz angemeldet. Die Meldung ist aber laut dem Isaf-Bericht dort hängengeblieben.

Die von Isaf-Chef Stanley McChrystal beauftragten Ermittler der Nato monieren in dem geheimen Bericht zudem, dass die Deutschen gemäß den Einsatzregeln den Unglücksort hätten sichern müssen, bis lokale Sicherheitskräfte eingetroffen wären. Was nicht geschah.

Die Bundeswehr rechtfertigt dies damit, dass die Soldaten für die toten Afghanen nichts mehr hätten tun können und ihre deutschen Kameraden im Gefecht hätten unterstützen müssen. Über den Ablauf des Geschehens gibt es widersprüchliche Aussagen.

Die Bundeswehr, deren Feldjäger eine eigenständige Untersuchung des Vorfalls durchführten, sieht trotz der Kritik der Nato kein Fehlverhalten bei den deutschen Soldaten.

In einer vertraulichen Unterrichtung für das Parlament teilte die Truppe mit, es sei "kein Dienstvergehen der an dem Zwischenfall beteiligten deutschen Soldaten festzustellen". Unabhängig von der Bewertung der Bundeswehr prüft mittlerweile die Bundesanwaltschaft, ob es einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt.

Scharfe Kritik an US-Offizieren wegen Tod von 23 afghanischer Zivilisten

Auch die US-Truppen stehen wegen eines Einsatzes mit vielen Toten in der Kritik: Demnach ist der Tod von 23 Zivilisten bei einem US-Luftangriff in Afghanistan im Februar auf unzureichende Informationen und Fehlschlüsse zurückzuführen. Schwere Vorwürfe erhebt der am Samstag veröffentlichte Bericht gegen Luftwaffenoffiziere, die das Geschehen in Afghanistan mit Hilfe von Aufnahmen eines unbemannten Flugzeugs aus den USA beobachteten. Die Crew auf dem Luftwaffenstützpunkt in Nevada habe Hinweise darauf, dass der bombardierte Konvoi ungefährlich sein könnte, ignoriert.

Der Luftangriff am 21. Februar richtete sich gegen einen Fahrzeugkonvoi in der Nähe des Dorfes Chod in der Provinz Urusgan, wo sich zu diesem Zeitpunkt US-Spezialkräfte schwere Gefechte mit Aufständischen lieferten. Der Angriff wurde in der Annahme befohlen, dass in dem Konvoi weitere Aufständische zur Verstärkung anrückten.

Dem Untersuchungsbericht zufolge beruhte diese Annahme indes auf ungenauen Informationen. Weder die Gefechtsstände vor Ort noch die Luftwaffenoffiziere in Nevada hätten dem zuständigen Kommandeur Hinweise darauf übermittelt, dass die Fahrzeuge möglicherweise keine Bedrohung darstellten. Dem Team in Nevada sei "ungenaue und unprofessionelle Berichterstattung" vorzuwerfen.

Der Oberbefehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, rügte aufgrund des Berichts sechs Offiziere in Afghanistan. Zudem forderte er die Luftwaffe auf, die Vorwürfe gegen die Offiziere in Nevada zu prüfen. Der Angriff vom 21. Februar war von der afghanischen Regierung scharf kritisiert worden. Mit 23 zivilen Opfern war es der folgenschwerste Zwischenfall seit dem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff auf zwei Tanklaster in Kunduz am 4. September 2009. Bei dem Angriff in Kunduz kamen 142 Menschen ums Leben, darunter zahlreiche Zivilisten.

jjc/apn

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
redpirate37 29.05.2010
1. Doch die Erschießung hätte verhindert werden können
Zitat von sysopDie Bundeswehr gerät unter Druck: Am Karfreitag töteten deutsche Soldaten in Kunduz sechs Afghanen - angeblich aus Versehen. Doch die Erschießung hätte verhindert werden können. Nach SPIEGEL-Informationen wirft ein geheimer Nato-Bericht den Deutschen eklatante Fehler vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,697503,00.html
Doch die Erschießung hätte verhindert werden können.... Sicher. Ganz einfach> erst gar nicht dort mitmachen ! Da wäre noch viel mehr mit verhindert. 6 ANA Soldaten , 47 tote BW Soldaten 47 Milliarden Kosten pro Jahr davon kann man ne Menge Arbeitsplätze schaffen.
wobbit 29.05.2010
2. Wer im Glashaus sitzt
Also ich muss zugeben, dass solche Vorwürfe ausgerechnet seitens der Amerikaner vorkommen schon verwunderlich ist! Ich habe zu meiner Zeit bei der Bundeswehr desöfteren Übungen mit Amerikanischen Soldaten gehabt! Auch die sog. VN Ausbildung! Die Amerikanische Taktik hierbei war grundsätzlich erst schiessen und dann fragen, was hier eigenlich los ist. Allerdings kann ich verstehen, dass die Bundeswehr die vage Möglichkeit jemand oder etwas könnte VIELLEICHT ungefährlich sein, etwas weniger beachtet! Weil in einem Land voller Terroristen und jeder Menge "Zivilisten" die mit diesen Terroristen kollaborieren es tödlich sein kann, zu guten Willen zu zeigen und zwar für unsere Soldaten. Ja, ich bin auch dafür, dass die Bundeswehr abzieht. Allerdings sollte man danach einen hohen Zaun um Afghanistan errichten!
toskana2 29.05.2010
3. weshalb
Zitat von sysopDie Bundeswehr gerät unter Druck: Am Karfreitag töteten deutsche Soldaten in Kunduz sechs Afghanen - angeblich aus Versehen. Doch die Erschießung hätte verhindert werden können. Nach SPIEGEL-Informationen wirft ein geheimer Nato-Bericht den Deutschen eklatante Fehler vor. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,697503,00.html
"Afghanistan-Einsatz: Geheimer Nato-Bericht wirft Deutschen Fehler vor" Im Umkehrschluß bedeutete es, es gäbe Kriege ohne "Fehler"! Welche denn?! Der Krieg an sich ist der größte Fehler. "Der Krieg ist der Vater aller Dinge", belehrt uns Heraklit. Man ist versucht zu behaupten, "Paranoia ist die Mutter aller Menschenkinder", weshalb es auch Kriege gibt.
carlo55 29.05.2010
4. Afganistan
Zitat von wobbitAlso ich muss zugeben, dass solche Vorwürfe ausgerechnet seitens der Amerikaner vorkommen schon verwunderlich ist! Ich habe zu meiner Zeit bei der Bundeswehr desöfteren Übungen mit Amerikanischen Soldaten gehabt! Auch die sog. VN Ausbildung! Die Amerikanische Taktik hierbei war grundsätzlich erst schiessen und dann fragen, was hier eigenlich los ist. Allerdings kann ich verstehen, dass die Bundeswehr die vage Möglichkeit jemand oder etwas könnte VIELLEICHT ungefährlich sein, etwas weniger beachtet! Weil in einem Land voller Terroristen und jeder Menge "Zivilisten" die mit diesen Terroristen kollaborieren es tödlich sein kann, zu guten Willen zu zeigen und zwar für unsere Soldaten. Ja, ich bin auch dafür, dass die Bundeswehr abzieht. Allerdings sollte man danach einen hohen Zaun um Afghanistan errichten!
Da stimme ich Ihnen zu vorallendingen Ihren letzten Satz Da wir in Berlin ewig rumgeeiert die Begriffe Krieg und/oder kriegsaehnlicheer zustand verwaessert als dase moechtegern Feldherren das deutsche Volk ist bnescheuert.Das ist es nicht das sind auch diejenigen die heuchelnd an Volkstrauertage den Gefalleneen in Weltkrieg 1 und 2 gedenken.Wenn dann muesste es diesen neunmalklugen Politikern doch klar sein wieviel Leid und elend beide Kriege fuer uns gebracht haben! Aber denken schent des Politikers sache nicht zu sein wenigstens nur bis zu naechsten Wahl.Raus aus Afganistan und diese korrupten Clans sollen ihr eigenes Sueppchen kochen
sol invictus 29.05.2010
5. ....
Da unten herrscht Krieg und solange deutsche Soldaten nicht vorsätzlich Zivilisten oder Bündnispartner töten, oder aufgrund von Missverständnissen in signifikanter Anzahl, sollte man solche Vorkommnisse als das abhaken was sie sind: Unfälle in Gefechtssituationen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.