Afghanistan-Einsatz Nato-General wirft Partnern Wortbruch vor

Es fehlt an Truppen, es fehlt an Geld - und die Taliban werden immer stärker. Mit harschen Worten hat Nato-General Craddock die Bündnispartner aufgefordert, endlich ihren Verpflichtungen in Afghanistan nachzukommen. "Ich bin frustriert", bekannte der Oberkommandierende.


Berlin/Hamburg - Der Oberkommandierende der Nato wirft den Staats- und Regierungschefs der Allianz Wortbruch vor. "Sobald wir anfangen, Truppen zu generieren, fallen wir auf die Nase", sagte General John Craddock der "Financial Times Deutschland" am Rande einer Inspektionsreise nach Afghanistan. Dabei hätten die Bündnisstaaten erst beim jüngsten Nato-Gipfel in Bukarest zugesagt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. "Ja, darüber bin ich frustriert", sagte Craddock.

Hubschrauber, britische Soldaten in Afghanistan: "Mit der Sammelbüchse unterwegs"
REUTERS

Hubschrauber, britische Soldaten in Afghanistan: "Mit der Sammelbüchse unterwegs"

Der amerikanische Vier-Sterne-General bezieht sich demnach mit seiner Kritik auf die Ausbildungseinheiten - 19 von 73 zugesagten fehlen noch. Diese Einheiten sollen den Aufbau der afghanischen Armee vorantreiben, um gemeinsam gegen die radikal-islamischen Taliban und das Terrornetzwerk al-Qaida zu kämpfen.

Weiter beklagte Craddock, dass die Nato-Staaten zu wenig bereit seien, sich finanziell zu engagieren. Tschechien hat beispielsweise Helikopter für den Afghanistan-Einsatz bereitgestellt, doch es fehlt Geld für den Transport. "Ich habe Ausrüstung und Material, das hier gebraucht wird. Aber es steckt fest", sagte Craddock dem Blatt weiter.

"Mein Budget, um das Material hier rüberzubringen, ist fast null, und ich brauche rund 4,5 Millionen Euro, um es pünktlich zu haben", sagte der General. "Und was ist: Jetzt bin ich schon wieder mit meiner Sammelbüchse unterwegs. Ich meine 4,5 Millionen Euro, was ist das? Das ist vielleicht so viel, wie die Klimaanlagen in den Gebäuden der Verteidigungsministerien in einem Sommer kosten", sagte Craddock.

Craddock zufolge haben die Taliban zuletzt ihre Strategie gewechselt - weg von militärischen Zielen, hin zu zivilen. Von der internationalen Gemeinschaft gebaute Straßen und öffentliche Gebäude seien jetzt häufiger Ziel von Anschlägen. "Die Rechnung, wo eine Straße ist, ist der Taliban nicht mehr, gilt nicht mehr. Inzwischen gilt: Wo wir bauen, greifen auch die Taliban an", sagte Craddock der "FTD".

phw/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.