Von Benjamin Bidder, Michael Braun, Matthias Gebauer, Jan Puhl, Gregor Peter Schmitz, Stefan Simons und Carsten Volkery
173 Mann hat der georgische Verteidigungsminister Batscho Alachaia im Morgengrauen auf dem Flugfeld der Militärbasis Wasiani antreten lassen. Ihre Kampfanzüge und Schirmmützen in Tarnfleck ähneln jenen von US-Einheiten. Kein Wunder: In den vergangenen Monaten sind die Georgier von US-Militärausbildern intensiv trainiert worden, Präsident Michail Saakaschwili sucht die Streitkräfte nach amerikanischem Vorbild zu reformieren.
Verteidigungsminister Alachaia hat es sich nicht nehmen lassen, die Kompanie der zweiten georgischen Infanterie-Brigade persönlich zu verabschieden. Mit Handschlag, schließlich geht es in einen Kampfeinsatz an den Hindukusch. Die Männer sollen französischem Kommando unterstellt werden und in Kabul Dienst tun. Bis zum kommenden Frühjahr will Verteidigungsminister Batscho Achalaia das Kontingent auf 800 Mann aufstocken. Teile der Kampftruppen sollen dann auch gemeinsam mit US-Einheiten an der Grenze zu Pakistan Taliban jagen. Alachaia gibt sich siegesgewiss: "Unsere Soldaten sind gut trainiert und instruiert, das gibt uns Zuversicht für einen erfolgreichen Abschluss der Mission."
Seit dem Jahr 2004 beteiligt sich das kleine Georgien regelmäßig an Militäroperationen der Nato, obwohl das Land selbst kein Mitglied der Allianz ist - es aber gleichwohl gern wäre. Wenn nun das westliche Militärbündnis seine Truppen in Afghanistan aufstocken will, kann es sich auf einen gewichtigen georgischen Beitrag verlassen. Zu gern sieht die Führung in Tiflis eigene Verbände Seit an Seit mit Nato-Truppen kämpfen - und sucht gleichzeitig so um die Gunst der USA und Europas zu buhlen. So dienten vor Jahren bereits georgische Abteilungen in Kabul und im Kosovo. In den Irak entsandte Georgien gar bis zu 2000 Mann - ein enormes Kontingent für einen Staat, dessen Landstreitkräfte gerade einmal 20.000 Soldaten unter Waffen haben.
Das Militärengagement wird in Russland mit großer Skepsis verfolgt. Moskau fürchtet, dass georgische Einheiten nicht nur im Antiterror-Kampf in Afghanistan von der Ausbildung durch US-Marines profitieren könnten, sondern auch im Falle einer möglichen erneuten Konfrontation mit Russland sowie Südossetien oder Abchasien. Solche Befürchtungen wurden zuletzt durch Äußerungen des US-Diplomaten Alexander Vershbow verstärkt, der im Oktober Georgien besuchte. Derzeit, so Vershbow, liege der amerikanische Fokus auf Training und Ausbildung der Georgier für den Einsatz in Afghanistan. In den kommenden Jahren aber werde "dies die Basis für eine Modernisierung von Georgiens Verteidigungsfähigkeiten legen".
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