Afghanistan-Einsatz Obama gehen die Verbündeten von der Fahne

US-Präsident Barack Obama fordert von seinen Alliierten, bis zu 10.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Doch das Engagement für den Einsatz am Hindukusch nimmt bei den Nato-Staaten rapide ab. SPIEGEL ONLINE analysiert die Stimmung in den wichtigsten Partnerländern.

Von , Michael Braun, , , , und

Royal Marines in der Provinz Helmand: Unterstützung für Einsatz dramatisch eingebrochen
REUTERS

Royal Marines in der Provinz Helmand: Unterstützung für Einsatz dramatisch eingebrochen


Wenn Barack Obama am Dienstagabend Ortszeit in der US-Kaderschmiede Westpoint die lang erwartete Truppenaufstockung für Afghanistan verkündet, wird er nicht nur dem als korrupt geltenden afghanischen Präsidenten Hamid Karzai ins Gewissen reden. Auch seine westlichen Alliierten wird der US-Präsident dann noch einmal ins Gebet nehmen: Bis zu 10.000 zusätzliche Soldaten will er von den anderen Mitgliedern der Isaf-Schutztruppe fordern - zusätzlich zu den 30.000 Mann Verstärkung, die die USA selbst schicken wollen. Schon für Freitag erwarte er, dass die Nato eine "signifikante Zahl" neuer Truppen für Afghanistan ankündigt, sagte ein hochrangiges Mitglied der US-Administration noch am Dienstag.

Besonders Europa hat das Weiße Haus dabei im Blick. Doch schnellen auf dieser Seite des Atlantiks die Finger der Freiwilligen nicht gerade in die Höhe. Der inzwischen ins neunte Jahr gehende Afghanistan-Einsatz ist in den meisten Ländern zutiefst unpopulär. Die Mehrheit der Europäer will nicht noch mehr Soldaten an den Hindukusch schicken, sondern sehnt sich nach Abzug. Selbst die militärverliebten Briten würden Umfragen zufolge ihre Truppen am liebsten bald heimholen. Das dämpft die Bereitschaft der europäischen Regierungschefs, sich für die neue US-Strategie zu engagieren.

Diplomaten halten Obamas Wunsch nach bis zu 10.000 zusätzlichen Mann daher für reichlich ambitioniert. Bislang sieht es so aus, als komme mit Glück die Hälfte davon zusammen. Selbst der britische Premierminister Gordon Brown, der mit gutem Beispiel voranging, hat bloß 500 Soldaten angeboten. Zu den weiteren Willigen zählen Spanien, Italien, Polen, die Slowakei, die Türkei, Georgien sowie außerhalb Europas Südkorea.

Es handelt sich jedoch in der Regel eher um kleinere Beiträge, addiert ergeben sie nicht mehr als ein paar tausend - eine magere Ausbeute neben den 30.000 GIs. Obama dürfte das kaum reichen, denn er steht daheim unter starkem Druck. Es könne nicht angehen, dass die Welt zuschaue, wie das amerikanische Militär in Afghanistan die ganze Arbeit mache, schimpfte der unabhängige Senator Bernie Sanders noch am Wochenende. Derzeit stehen in Afghanistan 68.000 Amerikaner und 42.000 Soldaten der übrigen 42 Isaf-Nationen.

Viele Politiker sind nicht bereit, den hohen innenpolitischen Preis für die Ausweitung der ungeliebten Auslandsmission zu zahlen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy winkt bislang ab, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hält sich bedeckt. Die Niederländer denken sogar bereits über den Abzug nach - ebenso wie die Kanadier, deren Premier Stephen Harper am Wochenende das angepeilte Abzugsdatum 2011 noch einmal bekräftigte.

Zum Leidwesen der Nato-Partner wird das Thema nicht von allein verschwinden: Am Donnerstag beraten die Nato-Außenminister in Brüssel über Afghanistan. Dort werden die USA, unterstützt von Großbritannien, ihren Appell wiederholen. Spätestens bis zur Truppenstellerkonferenz in London am 28. Januar sollen die Angebote stehen. Die Berliner Koalition wird dann auch Farbe bekennen müssen. Intern wird bereits eine deutliche Ausweitung des Bundeswehr-Mandats erwogen - auch wenn Merkel eine Zusage so lange wie möglich hinauszögern möchte.

SPIEGEL ONLINE analysiert, wie Obamas Truppenforderung bei den Nato-Partnern aufgenommen wird:

Forum - Was ist die richtige Strategie für Afghanistan?
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SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden „Sie “ diesen Krieg auch gewinnen, „wir “ Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
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