Afghanistan: Fünf Kinder und eine Frau sterben durch Luftangriff

Bei einem Luftangriff der Isaf-Schutztruppe sind nach Angaben des Gouverneurs im Süden Afghanistans fünf Kinder und eine Frau getötet worden. Ein Wohnhaus sei versehentlich getroffen worden.

Kabul - Drei Mädchen, zwei Jungen und eine Frau sind bei einem Luftangriff der Isaf in der Provinz Helmand im Süden von Afghanistan ums Leben gekommen. Die Schutztruppe habe Aufständische angegriffen, teilte die Provinzregierung mit. Die Extremisten hätten bereits am Freitag im Distrikt Sangin ausländische und einheimische Sicherheitskräfte angegriffen. Bei dem Angriff der Isaf sei versehentlich auch ein Wohnhaus getroffen worden, in dem sechs Angehörige einer Familie ums Leben gekommen seien.

Bei einem Sprengstoffanschlag in Ostafghanistan wurden am Montag drei Isaf-Soldaten getötet. Die Nato-geführte Schutztruppe machte wie üblich keine Angaben zur Nationalität der Opfer oder zum genauen Ort des Anschlags. Nach Angaben des unabhängigen Internetportals icasualties.org kostete der Afghanistan-Einsatz in diesem Jahr bislang knapp 150 ausländischen Soldaten das Leben. Die meisten Opfer waren Amerikaner, die auch die meisten Truppen stellen.

USA ließen Spitzen-Aufständische frei

Die "Washington Post" berichtet unterdessen, dass die USA in Afghanistan jahrelang hochrangige Aufständische freiließen, um die Gewalt im Land einzudämmen. Es seien bis zu 20 Häftlinge aus dem US-Armeegefängnis Parwan nahe dem Luftwaffenstützpunkt Bagram entlassen worden, bestätigte die US-Botschaft in Kabul am Montag den Zeitungsbericht. Die Haftanstalt ist wegen angeblicher Misshandlungen heftig umstritten.

Die aus dem Gefängnis entlassenen Häftlinge mussten demnach im Gegenzug für ihre Freilassung zusagen, der Gewalt abzuschwören. "Alle sind sich darüber einig, dass es sich um gefährliche Menschen handelt, aber der Nutzen ist größer als die Risiken", zitierte die Zeitung einen Informanten. Demnach musste jede Freilassung von der Spitze des US-Militärs in Afghanistan abgesegnet werden.

Dem Bericht zufolge wurden stets zunächst Gespräche mit Stammesältesten oder Anführern von Aufständischen über die Freilassung bestimmter Gefangener geführt. Sie mussten versprechen, gegen Gewalt in ihren Bereichen vorzugehen. "Wir haben Häftlinge ausgewählt, die Einfluss auf andere Aufständische hatten und deren Freilassung einen beruhigenden Effekt auf eine gesamte Region haben könnte", sagte ein US-Beamter der Zeitung.

Ein Sprecher der US-Botschaft in Kabul sagte, die Freilassungen seien "im Rahmen eines zwei Jahre alten, selten genutzten Programms" erfolgt. Vor jeder Entscheidung sei geprüft worden, ob von den Freigelassenen weitere Gefahr ausgehe. In dem rund 60 Kilometer nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul gelegenen umstrittenen Parwan-Gefängnis hält die US-Armee Aufständische fest, die bei Militäreinsätzen ergriffen wurden.

als/dpa/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
ritotschka 07.05.2012
Jeden Tag die gleichen traurigen Meldungen. ISAF-Truppen oder einzelne Soldaten töten, Drohnen fliegen durch die ganze Welt - Pakistan, Jemen, Irak, Afghanistan. Und immer gibt es Opfer - meistens sind es unbeteiligte, auch [...]
Jeden Tag die gleichen traurigen Meldungen. ISAF-Truppen oder einzelne Soldaten töten, Drohnen fliegen durch die ganze Welt - Pakistan, Jemen, Irak, Afghanistan. Und immer gibt es Opfer - meistens sind es unbeteiligte, auch Frauen und Kinder. Kinder?!?! Hallo Herr Friedensnobelpreisträger - man führt doch keinen Krieg gegen Kinder.
Heinz-und-Kunz 07.05.2012
Wieviel Zivilisten sind bei gezielten Angriffen von AQ und Taliban umgekommen? Wenn es so wie immer war, dann ein Vielfaches, aber das sind ja Opfer zweiter Klasse.
Wieviel Zivilisten sind bei gezielten Angriffen von AQ und Taliban umgekommen? Wenn es so wie immer war, dann ein Vielfaches, aber das sind ja Opfer zweiter Klasse.
In diesem Zusammenhang noch den Begriff "Schutztruppe" zu benutzen ist besonders perfide.
In diesem Zusammenhang noch den Begriff "Schutztruppe" zu benutzen ist besonders perfide.
denkdochmal 07.05.2012
Ich trauere um jedes Opfer dieses Krieges. Dennoch mache ich einen Unterschied zwischen den bedauernswerten Opfern, die versehentlich ums Leben kommen und jenen, die von den "Gotteskriegern" zur Erlangung das [...]
Zitat von Celestine TrueheartIn diesem Zusammenhang noch den Begriff "Schutztruppe" zu benutzen ist besonders perfide.
Ich trauere um jedes Opfer dieses Krieges. Dennoch mache ich einen Unterschied zwischen den bedauernswerten Opfern, die versehentlich ums Leben kommen und jenen, die von den "Gotteskriegern" zur Erlangung das "Märtyrer"-Status und zur Erlangung der Macht, gewollt und gezielt in Moscheen, auf Marktplätzen, in Straßen und Häusern durch terroristische Akte umgebracht werden. Ich trauere auch um die Kinder, die teilweise ahnungslos als lebende Bombe von diesen Mörderbanden in den Selbstmord getrieben werden. Ebenso trauere ich um die Soldaten, die verwundet oder getötet werden, weil sie die Macht der Steinzeit-Islamisten bekämpfen (müssen).
ritotschka 07.05.2012
Krieg und Tote und Verletzte sind für mich überall abscheulich. Bin selbst ein Kriegskind und weiß um die Greuel. Doch wer hat denn angefangen, sich in der Welt umzuschauen, um "Schurkenstaaten" zu finden? Man [...]
Zitat von Heinz-und-KunzWieviel Zivilisten sind bei gezielten Angriffen von AQ und Taliban umgekommen? Wenn es so wie immer war, dann ein Vielfaches, aber das sind ja Opfer zweiter Klasse.
Krieg und Tote und Verletzte sind für mich überall abscheulich. Bin selbst ein Kriegskind und weiß um die Greuel. Doch wer hat denn angefangen, sich in der Welt umzuschauen, um "Schurkenstaaten" zu finden? Man muss die Augen in alle Richtungen weit öffnen. Auch bei uns ist man ja schnell mal mit einer definitiven Meinung auf dem Plan. Ich erinnere an die "Döner-Morde" (was für ein hässliches Wort).
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  • Montag, 07.05.2012 – 15:44 Uhr
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Beschlüsse der Kabuler Afghanistan-Konferenz
Die afghanische Regierung will spätestens 2014 die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land von den ausländischen Truppen übernehmen. Mitte 2011 will Deutschland beginnen, seine Truppen abzuziehen. Derzeit sind in Afghanistan unter dem Kommando der Nato rund 85.000 Soldaten aus mehr als 40 Ländern stationiert. Um den Abzug zu ermöglichen, werden derzeit afghanische Soldaten und Polizisten ausgebildet. Die internationale Gemeinschaft rechnet damit, dass Afghanistan bis zum Herbst 2011 171.600 Soldaten und 134.000 Polizisten benötigt. Deutschland beteiligt sich an dem Aufbau der afghanischen Armee und bildet zudem mit gut 200 Polizeibeamten die örtlichen Polizisten in bilateralen Programmen aus.

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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Die Positionen der Parteien zum Afghanistan-Einsatz
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Für die Union ist klar, dass der Einsatz der Bundeswehr fortgeführt werden soll. "Dieses Mandat ist über jeden vernünftigen völkerrechtlichen oder verfassungsrechtlichen Zweifel erhaben", erklärte CDU-Chefin Angela Merkel. Forderungen nach einem sofortigen Rückzug aus Afghanistan nannte sie "unverantwortlich".

Sie warnte vor "unabsehbaren" Folgen für die Sicherheit der Deutschen und ihrer Verbündeten; Folgen, die "weit verheerender wären" als jene der Anschläge vom 11. September 2001. Zudem würde Afghanistan "in Chaos und Anarchie versinken".

Mit Blick auf den deutschen Einsatz betont die Union, es könne "keinen zivilen Aufbau ohne eine militärische Absicherung geben". Die Union will den Afghanistan-Einsatz zeitlich nicht konkret begrenzen. "Die internationale Gemeinschaft wird ihre militärische Präsenz so lange aufrechterhalten, wie es nötig ist, nicht länger, aber auch nicht kürzer", erklärte Merkel. Es müsse mit der afghanischen Regierung eine "Übergabe in Verantwortung" geben.

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