Afghanistan: Fünf einheimische Soldaten bei Nato-Luftangriff getötet

Im Osten Afghanistans hat die Nato einen Luftangriff geflogen und dabei fünf afghanische Soldaten getötet. Acht weitere sind nach offiziellen Angaben verletzt worden. Der Vorfall könnte die angespannten Beziehungen zwischen Kabul und dem Westen weiter belasten.

Kabul - Fünf afghanische Soldaten sind nach Angaben der Regierung in Kabul am Donnerstag bei einem Luftangriff getötet worden. Verantwortlich für die Attacke war demnach die Nato-Schutztruppe Isaf. Acht Soldaten seien verletzt worden, sagte der Gouverneur der Provinz Logar im Osten des Landes, wo sich der Vorfall ereignete. Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums bestätigte die Angaben bei Twitter.

Bezirksgouverneur Chalilullah Kamal sagte der Agentur AFP, er habe den Angriffsort besichtigt und der Posten der Soldaten sei "vollkommen zerstört". Demnach geschah der offenbar versehentliche Angriff durch US-Drohnen.

Die Nato-Schutztruppe in Afghanistan erklärte, man sei über die Angaben informiert, könne sich jedoch dazu derzeit nicht äußern.

Der Vorfall könnte die angespannten Beziehungen zwischen der Regierung von Präsident Hamid Karzai und den USA, die den Nato-Einsatz anführen, weiter belasten dürfte.

Erst kürzlich hatte Karzai die US-Regierung scharf kritisiert. Die Mission in seinem Land diene inzwischen nicht mehr den Afghanen, sondern der Sicherheit der USA und westlichen Interessen. Afghanen seien in einem Krieg gestorben, "der nicht der unsere ist". Sein Hauptkritikpunkt: die zahlreichen zivilen Opfer bei ausländischen Militäroperationen der vergangenen Jahre.

In zehn Monaten soll der Nato-Kampfeinsatz in Afghanistan enden. Karzai bekräftigte nun, er werde das Sicherheitsabkommen mit den USA nicht vor der Präsidentenwahl am 5. April unterzeichnen, sollte bis dahin nicht ein Friedensprozess mit den Taliban beginnen. Karzai selbst darf bei der Wahl nicht mehr antreten.

Als Reaktion forderte US-Präsident Barack Obama das Verteidigungsministerium auf, einen vollständigen Abzug aller Truppen noch in diesem Jahr vorzubereiten. Das Abkommen ist Voraussetzung für einen internationalen Militäreinsatz ab 2015. Derzeit sind etwa 52.000 Nato-Soldaten in Afghanistan im Einsatz, davon sind mehr als 33.600 Amerikaner. Zwar haben die afghanischen Sicherheitskräfte Fortschritte in ihrer Ausbildung gemacht, es bleiben aber Zweifel, ob sie die Aufständischen gerade in abgelegenen Regionen kontrollieren können.

Der Ärger mit Karzai sorgte auch für Planänderungen beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in der vergangenen Woche. Eigentlich sollten dabei die Weichen für eine Trainingsmission in Afghanistan nach 2014 gestellt werden - stattdessen richtete man sich auch auf einen kompletten Abzug ein. Formal wurden die militärischen Dienststellen der Allianz laut einem internen Papier von Nato-Chef Anders Fogh Rasmussen angewiesen, "die Auswirkungen und Risiken, die mit einer weiteren Verzögerung" durch die fehlende Unterschrift Karzais einhergehen, zu evaluieren.

kgp/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Chuzpe
sgritheall 06.03.2014
Die Chuzpe, mit der "der Westen" Russland wegen etwas Säbelrasseln kritisiert, und gleichzeitig in Afghanistan mordet, wie Putin von Kerry der Lüge bezichtigt wird - und das nach der Mär über Massenvernichtungswaffen im Irak! - diese Chuzpe ist schon bewundernswert.
2.
MatthiasSchweiz 06.03.2014
Zitat von sgritheallDie Chuzpe, mit der "der Westen" Russland wegen etwas Säbelrasseln kritisiert, und gleichzeitig in Afghanistan mordet, wie Putin von Kerry der Lüge bezichtigt wird - und das nach der Mär über Massenvernichtungswaffen im Irak! - diese Chuzpe ist schon bewundernswert.
Würde es hier diese Daumen rauf geben, Sie hätten ein paar 10'000 verdient...
3.
ratzmatz 06.03.2014
Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Afghanistan-Krieg
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 3 Kommentare

Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon