Kabul - Die afghanische Regierung hat eingestanden, dass in den Gefängnissen des Landes Folter und Misshandlungen weit verbreitet sind. Zu diesem Ergebnis sei eine von Präsident Hamid Karzai eingesetzte Untersuchungskommission gekommen, erklärte die Präsidentschaft am Sonntag. "Laut dem Bericht der Kommission beklagte sich die Hälfte der befragten Häftlinge über schlechte Behandlung, Misshandlung und sogar Folter." Zudem sei der Zugang von Gefangenen zu ihren Anwälten "problematisch". Mögliche Schlussfolgerungen aus dem Bericht wurden in der Erklärung der Präsidentschaft nicht angekündigt.
Karzai hatte die Untersuchungskommission eingesetzt, nachdem die Uno-Mission in Afghanistan im Januar einen schockierenden Bericht vorgelegt hatte. Demnach foltern Polizei und Geheimdienst in Afghanistan weiter - obwohl es seit Jahren Bemühungen gibt, diese Praxis einzudämmen. Der 139 Seiten starke Uno-Bericht listete schreckliche Vergehen an Häftlingen auf.
Die Uno hatte 635 Gefangene in 89 Einrichtungen der afghanischen Sicherheitskräfte und des afghanischen Geheimdienstes NDS zwischen Oktober 2011 und Oktober 2012 befragt. Mehr als die Hälfte von ihnen sei gefoltert oder misshandelt worden, heißt es in dem Bericht.
Afghanistan will volle Verantwortung für Häftlinge
Dazu zählten das Schlagen mit Rohren oder Holzstöcken, Elektroschocks, Vergewaltigung, das Herausreißen von Fingernägeln oder die Androhung einer Exekution. Einige Gefangene wurden demnach auch an ihren Handgelenken an der Decke aufgehängt. Solche Vorwürfe hatte es in Afghanistan schon mehrfach gegeben. Zeitweilig überstellte die Nato-Truppe Isaf zumindest an gewisse Haftanstalten keine Gefangenen mehr.
Derzeit schicken sich die afghanischen Behörden an, von der Isaf die volle Verantwortung für Gefängnisse und deren Insassen zu übernehmen. Vor allem Präsident Karzai dringt auf die volle Verantwortung für die Häftlinge. Er bezeichnet dies als eine Frage der Souveränität Afghanistans angesichts des für 2014 geplanten Abzugs der Nato-Truppen.
ler/AFP
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