Kabul Deutsche Botschaft bei Anschlag massiv beschädigt - Dutzende Tote

Bei der Explosion einer Autobombe ist die deutsche Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul schwer beschädigt worden. Dutzende Menschen sind tot, Hunderte verletzt, darunter auch Bedienstete der Botschaft.

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Im Diplomatenviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es am Mittwochmorgen eine heftige Explosion gegeben. Nach offiziellen Angaben ist die Zahl der Toten inzwischen auf mindestens 49 gestiegen. Zudem seien mindestens 319 Menschen als verletzt gemeldet worden, sagte Regierungssprecher Sedik Seddiki. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte dem SPIEGEL, es gebe mindestens 80 Opfer. Auch Bedienstete der deutschen Botschaft wurden verletzt.

Medienberichten zufolge soll sich die Detonation in der Nähe des Sanbak-Platzes ereignet haben - eines großen Verkehrskreisels in der Nähe vieler afghanischer Ministerien. "Unseren ersten Ermittlungen zufolge hat ein Selbstmordattentäter eine Autobombe gezündet", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, dem SPIEGEL. Nach ersten Ermittlungen befand sich die Bombe in einem Abwassertransporter.

Der Anschlag ereignete sich in unmittelbarer Nähe der deutschen Botschaft. Wie Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin mitteilte, wurden auch Bedienstete der deutschen Botschaft verletzt - offenbar durch herumfliegende Glassplitter. Mittlerweile befänden sich aber alle Mitarbeiter der Botschaft in Sicherheit. Ein afghanischer Wachmann, der das Gelände beschützte, wurde getötet.

Deutsche Botschaft in Kabul
DPA

Deutsche Botschaft in Kabul

Erste Bilder von der deutschen Botschaft zeigen eine massive Beschädigung - und das trotz sogenannter blast walls, die die Wucht von Explosionen abhalten sollen.

Die Detonation war so stark, dass noch in mehreren Hundert Meter Entfernung Häuser beschädigt wurden.

Nach SPIEGEL-Informationen sagte die Bundesregierung wegen des Anschlags einen für den Abend geplanten Rückführungsflug nach Afghanistan spontan ab. Vor Abgeordneten im Innenausschuss des Bundestags sagte Minister Thomas de Maizière, er habe die Rückführung der Afghanen zunächst gestoppt.

Grundsätzlich hatte die Bundesregierung vor allem die Großstädte wie Kabul als relativ sichere Zonen definiert in die abgelehnte afghanische Asyl-Bewerber zurück gebracht werden könnten.

Die afghanische Hauptstadt wird immer wieder Ziel von Anschlägen von radikalislamischen Rebellen. Anfang Mai waren bei einem Sprengstoffanschlag auf ausländische Soldaten mindestens acht Menschen getötet worden. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich.

Im März hatten Angreifer ein Militärkrankenhaus in Kabul gestürmt und mindestens 38 Menschen getötet. Mehr als 70 weitere Patienten, Ärzte und Pfleger wurden bei dem Angriff auf Afghanistans größtes Militärhospital verletzt.

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Afghanistan: Bombenanschlag in Kabul

vks/geb/mho/Reuters/dpa/AFP/AP Mitarbeit: Shoib Najafizada



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