Afghanistan Menschenrechtler werfen Nato-Verbündeten Verbrechen vor

Folter, Verstümmelungen, Morde: Human Rights Watch wirft Politikern und Amtsträgern in Afghanistan schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Die Beschuldigten sind wichtige Nato-Verbündete.

Hauptgefängnis in Kandahar, Afghanistan: Der Polizeichef von Kandahar, Abdul Rasik, soll gefoltert haben.
AP

Hauptgefängnis in Kandahar, Afghanistan: Der Polizeichef von Kandahar, Abdul Rasik, soll gefoltert haben.


Kabul - Acht afghanische Namen werden in dem zwölfseitigen Bericht "Heute sollen wir alle sterben" der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) aufgelistet. Es sind einflussreiche Politiker und Amtsträger. HRW zufolge haben die Verbündeten der Nato-Truppen schwere Menschrechtsverletzungen begangen.

Einige Beispiele:

  • In Kunduz sollen die Milizen Zivilisten ermordet und illegale Steuern eingetrieben haben. Mir Alam, ein ehemaliger Extremisten-Anführer, soll dafür verantwortlich sein.
  • Der ehemalige Geheimdienstchef Asadullah Chalid wird bezichtigt, bei einer Reihe von Verbrechen wie Folter, Morden und Vergewaltigung von Frauen und Mädchen Beihilfe geleistet zu haben.

General Atta Mohammed Noor: Er soll ein Netzwerk von Milizen unterhalten haben
DPA

General Atta Mohammed Noor: Er soll ein Netzwerk von Milizen unterhalten haben

  • Der Gouverneur der Provinz Balkh, Atta Mohammed Noor, soll ein Netzwerk von Milizen unterhalten haben, die für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. HRW bezieht sich auf einen vertraulichen Nato-Bericht aus dem Jahr 2011.
  • Dem Polizeichef von Kandahar und wichtigem Verbündeten der USA, Abdul Rasik, wirft HRW ebenfalls unter anderem Folter, Verstümmelung und Tötungsdelikte vor.

Der Bericht basiert auf 125 Interviews. HRW-Mitarbeiter führten sie überwiegend in Afghanistan unter anderem mit Opfern, deren Familien, Zeugen, Regierungsvertretern, Journalisten, Menschenrechtlern, Uno-Mitarbeitern und afghanischen und internationalen Sicherheitskräften.

Für ihre Vergehen würden die Beschuldigten nicht bestraft, es gebe keine Ermittlungen, die Opfer würden keine Gerechtigkeit erfahren, kritisieren die HRW-Menschenrechtler. Der ehemalige Präsident Hamid Karzai habe es versäumt, die Täter vor Gericht zu bringen.

Die Menschenrechtsaktivisten forderten die neue afghanische Regierung auf, dies nun zu tun. Die USA sollten Präsident Aschraf Ghani dabei unterstützen.

heb/dpa

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