Drohnenangriff Afghanische Behörden geben Tod von IS-Rekrutierer bekannt

Er war Taliban-Kommandeur, saß sechs Jahre in Guantanamo und warb zuletzt Kämpfer für den "Islamischen Staat". Nun ist der Dschihadist Mullah Abdul Rauf offenbar bei einem Drohnenangriff in Afghanistan getötet worden.


Kabul - Bei einem Drohnenangriff in Afghanistan ist offenbar einer der berüchtigtsten militanten Islamisten des Landes getötet worden. Mullah Abdul Rauf sei gemeinsam mit fünf weiteren Kämpfern ums Leben gekommen, als eine Rakete ihr Auto traf. Das berichten Dorfälteste und Regierungsvertreter der Provinz Helmand.

Bei den anderen Opfern soll es sich um Abdul Raufs Schwager sowie um vier pakistanische Kämpfer handeln, sagte Polizeichef Nabi Jan Mullahkhel. Der stellvertretende Gouverneur von Helmand, Mohammad Jan Rasool Yar, sprach von drei Toten und mehreren Verletzten. Die US-geführte Koalition wollte zu den Berichten zunächst nicht Stellung nehmen.

Abdul Rauf galt seit etwa 15 Jahren als einer der einflussreichsten Dschihadisten Afghanistans. Er war Kommandeur einer Talibaneinheit und geriet nach dem Sturz der Islamisten Ende 2001 in US-Gefangenschaft. Die Amerikaner überstellten ihn in das Gefangenenlager Guantanamo. Als Häftling Nummer 108 saß er bis 2007 dort ein.

Die USA übergaben ihn afghanischen Behörden, die Abdul Rauf alsbald freiließen. Anschließend schloss er sich rasch wieder den Taliban an und wurde deren Schattengouverneur in der Provinz Uruzgan.

Vor einigen Monaten brach Abdul Rauf jedoch mit den Taliban. Stattdessen leistete er einen Treueeid auf Abu Bakr al-Baghdadi, den selbsternannten Kalifen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Seither galt Abdul Rauf als einer der wichtigsten Sympathisanten und Rekrutierer für den IS in Afghanistan.

Mehrfach soll es deshalb in den vergangenen Wochen zu Scharmützeln zwischen IS-Anhängern und Taliban in der Provinz Helmand gekommen sein. Die Taliban fühlen sich weiter an ihr Bündnis mit al-Qaida gebunden. Al-Qaida konkurriert mit dem IS international um die Vorherrschaft in der Dschihadistenszene.

syd/Reuters



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