Neues Sicherheitsabkommen Karzai beklagt fehlendes Vertrauen zu den USA

Die USA und Afghanistan stehen kurz vor der Unterzeichnung eines Sicherheitsabkommens, doch das Verhältnis zwischen den Regierungen gilt als zerrüttet. "Ich vertraue ihnen nicht, und sie vertrauen mir nicht", sagte der afghanische Präsident Karzai über die Machthaber in Washington.

Afghanischer Präsident Hamid Karzai: "Propaganda gegen mich"
DPA

Afghanischer Präsident Hamid Karzai: "Propaganda gegen mich"


Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat zwar vor der Ratsversammlung Loya Jirga um Unterstützung für ein neues Sicherheitsabkommen mit den USA geworben. Zugleich räumte er vor den Stammesältesten und führenden Politikern ein, zwischen den beiden Ländern gebe es keine vertrauensvolle Beziehung.

"Ich vertraue ihnen nicht, und sie vertrauen mir nicht", sagte er über sich und den Verbündeten USA. "Während der vergangenen zehn Jahre habe ich mit ihnen gekämpft, und sie haben Propaganda gegen mich betrieben."

Die Loya Jirga, an der rund 2500 Delegierte teilnehmen, berät vier Tage lang in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Am Ende muss die Ratsversammlung darüber entscheiden, ob auch nach 2014 US-Truppen im Land bleiben sollen, um die afghanischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban zu unterstützen.

Doch das Verhältnis zwischen der Regierung in Kabul und dem Westen könnte besser sein. Karzai hat in der Vergangenheit immer wieder mit harscher Kritik an den USA innenpolitisch punkten können.

"Viel Leid, keine Vorteile"

Anfang Oktober äußerte sich der afghanische Präsident in einem BBC-Interview sehr abfällig über den Nato-Einsatz in seinem Land. Der Einsatz habe "viel Leid gebracht, den Verlust zahlreicher Leben und keine Vorteile, denn das Land ist nicht sicher".

Die US-Truppen waren kurz nach den Anschlägen der al-Qaida vom 11. September 2001 in New York und Washington entsandt worden. Unter ihrer militärischen Führung wurde die damalige Taliban-Regierung gestürzt.

Zehn Jahre später bescheinigte Karzai der internationalen Schutztruppe Isaf gegenüber einem BBC-Reporter aber "komplettes Versagen" bei der Verbesserung der Sicherheitslage. "Es reicht", hatte auch ein enger Mitarbeiter Karzais gegenüber SPIEGEL ONLINE betont: "Wir müssen feststellen, dass die Anwesenheit der Nato in Afghanistan inzwischen mehr Schaden anrichtet als zur Verbesserung der Lage beiträgt."

Ende 2014 werden die meisten ausländischen Truppen abgezogen sein. Doch dem Abkommen zufolge könnten internationale Truppen bis 2024 - und darüber hinaus - in Afghanistan stationiert sein, um bei der Ausbildung von Sicherheitskräften und bei Anti-Terror-Missionen zu helfen. Karzai zufolge könnten bis zu 15.000 ausländische Soldaten am Hindukusch tätig sein.

kgp/vek/Reuters/Mitarbeit: Shoib Najafizada

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seneca55 21.11.2013
1. Karzai ist doch der einzige Garant des Westens, oder?
Warum stößt ihm plötzlich die Praxis Afghanistans und die Rolle der USA/NATO dabei so bitter auf? Moralische Bedenken zum Verlauf der "Demokratisierung Afghanistans" auch in der Zukunft wird man ihm wohl kaum abnehmen. Aber wen außer Karzai hat der Westen dann überhaupt noch in Afghanistan oder muss der Westen sprich USA am Ende ein Protektorat Afghanistan ausrufen mit allen häßlichen Konseqenzen für alle Beteiligten einschließlich unserer BW.
ulisoz 21.11.2013
2. Good Guys and Bad Guys
Zitat aus dem Artikel: "Die US-Truppen waren kurz nach den Anschlägen der al-Qaida vom 11. September 2001 in New York und Washington entsandt worden. Unter ihrer militärischen Führung wurde die damalige Taliban-Regierung gestürzt." - Ansonsten ist im Text von NATO Truppen und ISAF die Rede. Zur Aufklärung: ISAF war ursprünglich eine 5000 Mann internationale starke Schutztruppe, deren Geltungsbereich im Umkreis von 50 Km um Kabul festgelegt war. Sie sollte humanitäre Hilfe schützen. Im November 2001 befürchtete man eine Flüchtlingskatastrophe. Die Amerikaner haben die Operation "Enduring Freedom" erklärt und haben mit Kampftruppen unter dem Kommando einer Combined Joint Task Force (CJTF 82, später CJTF 101) nach Afghanistan verlegt. Ihr Auftrag: Bin Laden und Al Qaida jagen und zur Strecke bringen. Es gab also vom Auftrag her "Good Guys and Bad Guys". Als dann ISAF offiziell von der NATO übernommen wurde, wurden aus den Good Guys auch Bad Guys. Mission Creep nennt man so etwas. Wenn ich die, denen ich zu helfen versprochen hatte, umbringe ("Kolateralschäden") - in 2010 sind allein durch NATO Kampfhandlungen über 700 Kinder ums Leben gekommen - dann wird der NATO Einsatz zu einer unmoralischen Farce. Wenn Deutschland und Europa sich nicht endlich auf ihre Werte besinnen und dem Amerikaner weiterhin blindlings folgen, werden wir einen "Perpetuum Bellum" erleben. Wir sind auf dem "besten" Weg. Ich empfehle das Buch "Geheimer Krieg", die Serie dazu in der Sueddeutschen Zeitung und Beckmann´s Sendung nächste Woche.
hugahuga 21.11.2013
3. Auf den Punkt gebracht -
Zitat von sysopDPADie USA und Afghanistan stehen kurz vor der Unterzeichnung eines Sicherheitsabkommens, doch das Verhältnis zwischen den Regierungen gilt als zerrüttet. "Ich vertraue ihnen nicht, und sie vertrauen mir nicht", sagte der afghanische Präsident Karzai über die Machthaber in Washington. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-karzai-beklagt-fehlendes-vertrauen-zu-den-usa-a-934866.html
hat Karzai die Situation mit seiner Aussage. Sie linken sich gegenseitig und argwöhnen einander, wie Hütchenspieler auf dem Basar. Afghanistan als ein von Krieg, Willkür einzelner Stammesfürsten und vor allem der Gier ausländischer Mächte gezeichnetes Land, hat wie kein anderes Land Frieden und Wohlstand - soweit je machbar - verdient. Karzai hat längst erkannt, dass dieses nicht die Intention des Westens ist, dem es hauptsächlich darum geht, sowohl gegen Russland als auch vor allem gegen China diese arme Land als Mittel zum Zweck zu missbrauchen. Sie haben kein Öl - aber jede Menge ,seltene Erden'. Es mag die Zeit kommen, wo der Westen - allen voran unsere ,amerikanischen Freunde' - es noch bedauern werden, mit den Bewohnern dieses Landes so umgegangen zu sein.
hugahuga 21.11.2013
4. In Ergänzung dieses aufschlussreichen Beitrages
Zitat von ulisozZitat aus dem Artikel: "Die US-Truppen waren kurz nach den Anschlägen der al-Qaida vom 11. September 2001 in New York und Washington entsandt worden. Unter ihrer militärischen Führung wurde die damalige Taliban-Regierung gestürzt." - Ansonsten ist im Text von NATO Truppen und ISAF die Rede. Zur Aufklärung: ISAF war ursprünglich eine 5000 Mann internationale starke Schutztruppe, deren Geltungsbereich im Umkreis von 50 Km um Kabul festgelegt war. Sie sollte humanitäre Hilfe schützen. Im November 2001 befürchtete man eine Flüchtlingskatastrophe. Die Amerikaner haben die Operation "Enduring Freedom" erklärt und haben mit Kampftruppen unter dem Kommando einer Combined Joint Task Force (CJTF 82, später CJTF 101) nach Afghanistan verlegt. Ihr Auftrag: Bin Laden und Al Qaida jagen und zur Strecke bringen. Es gab also vom Auftrag her "Good Guys and Bad Guys". Als dann ISAF offiziell von der NATO übernommen wurde, wurden aus den Good Guys auch Bad Guys. Mission Creep nennt man so etwas. Wenn ich die, denen ich zu helfen versprochen hatte, umbringe ("Kolateralschäden") - in 2010 sind allein durch NATO Kampfhandlungen über 700 Kinder ums Leben gekommen - dann wird der NATO Einsatz zu einer unmoralischen Farce. Wenn Deutschland und Europa sich nicht endlich auf ihre Werte besinnen und dem Amerikaner weiterhin blindlings folgen, werden wir einen "Perpetuum Bellum" erleben. Wir sind auf dem "besten" Weg. Ich empfehle das Buch "Geheimer Krieg", die Serie dazu in der Sueddeutschen Zeitung und Beckmann´s Sendung nächste Woche.
möchte ich anmerken, dass kaum etwas so deutlich die moralisch politische Einstellung unserer ,amerikanischen Freunde' belegt, als das Buch: ,Schmutzige Kriege' (Amerikas geheime Kommandoaktionen) von Jeremy Scahill erschienen im Kunstmann Verlag ISBN 978-3-88897-868-5 ,amerikanischen Freunde' Man fragt sich danach, welche Geisterfahrt unsere Politiker mit uns vorhaben
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