Zahlen der Uno Knapp 350.000 Menschen in Afghanistan auf der Flucht

Der Krieg gegen die Taliban hat allein in diesem Jahr Hunderttausende Afghanen in die Flucht getrieben. Ein US-General fordert, die Gefechte auf weitere Teile des Landes auszudehnen.

Afghanische Flüchtlinge in Peshawar, Pakistan
AFP

Afghanische Flüchtlinge in Peshawar, Pakistan


Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes im Dezember 2014 drastisch verschlechtert. 2017 sind bislang knapp 350.000 Menschen vor Gefechten zwischen radikalislamischen Taliban und Sicherheitskräften aus ihren Heimatorten geflohen. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) hervor. Zwischen dem 1. Januar und dem 19. November sind demnach 343.958 Afghanen heimatlos geworden.

Im früher als eher ruhig geltenden Norden und Nordosten, wo die Bundeswehr bis 2013 Schutzmacht war und wo sie immer noch ein großes Feldlager führt, würden mittlerweile 32 Prozent aller Kriegsvertriebenen registriert, melden die Vereinten Nationen. Der regelmäßig veröffentlichte Bericht, der auch detaillierte Schilderungen von Kampfhandlungen enthält, verzeichnet zum Beispiel für die schwer umkämpfte Provinz Kundus allein in der vergangenen Woche fast 16.000 Binnenflüchtlinge.

Im vergangenen Jahr waren mehr als 660.000 Afghanen aus ihren Dörfern geflohen. Für 2017 hatte die Uno zu Jahresbeginn mindestens 450.000 weitere Zwangsvertriebene erwartet.

US-General: Müssen 80 Prozent des Landes kontrollieren

Indes forderte der oberste US-General in Afghanistan, John Nicholson, das von den Regierungstruppen kontrollierte Gebiet auf 80 Prozent auszuweiten: ""Das ist die kritische Masse, um den Feind irrelevant zu machen, dass er also entweder in entlegenen Gebieten lebt, aufgibt oder stirbt", sagte Nicholson in einer Video-Konferenz, die ins Pentagon übertragen wurde. Er ist Oberbefehlshaber der Nato- und der US-Streitkräfte im Land.

Allerdings kontrollieren oder beeinflussen Regierungstruppen heute laut einem US-Bericht von Ende Oktober nur knapp 57 Prozent des Landes. 30 Prozent Afghanistans sind umkämpft.

Die radikalislamischen Taliban kontrollieren oder beeinflussen mittlerweile mehr als 13 Prozent des Landes. Das sind 54 der 407 Bezirke des Landes und neun mehr als noch vor sechs Monaten.

Der Einsatz in Afghanistan ist mit fast 16 Jahren der längste Krieg der USA. Zuletzt setzte die US-Regierung wieder auf eine Ausweitung ihres Truppenkontingents.

cte/dpa



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