Afghanistan Koran-Demonstranten köpfen Uno-Mitarbeiter

Sie protestierten gegen die Verbrennung eines Koran-Buchs in den USA und stürmten eine Filiale der Vereinten Nationen: Ein Mob wütender Demonstranten hat das Uno-Büro im nordafghanischen Masar-i-Scharif angegriffen. Mehrere Mitarbeiter wurden getötet - zwei von ihnen offenbar enthauptet. 

AP

Kabul - Bei einem Sturm gewalttätiger Demonstranten auf das Uno-Büro im nordafghanischen Masar-i-Scharif sind mehrere Mitarbeiter getötet worden. Der Agentur AP zufolge starben sieben Menschen, als ein Mob religiöser Fanatiker das Quartier der Vereinten Nationen stürmte. Der Agentur AFP zufolge gab es zehn Todesopfer. Die Uno bestätigte mehrere Tote unter ihren Mitarbeitern.

Die Demonstranten gingen offenbar äußerst brutal vor: Zwei der Mitarbeiter wurden einem Provinzsprecher zufolge bei den Krawallen enthauptet.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde der Provinz wurden außerdem fünf Demonstranten getötet und 20 weitere verletzt. Die Toten und die Verletzten seien ins Krankenhaus gebracht worden, sagte der Chef der Behörde, Mirwais Rabeh. Die Opfer seien erschossen worden.

Die Nationalität der getöteten Uno-Mitarbeiter war zunächst unklar. Masar-i-Scharif liegt im Einsatzgebiet der Bundeswehr. Dort befindet sich auch das Hauptquartier des Isaf-Regionalkommandos Nord, das unter deutscher Führung den internationalen Einsatz in neun nördlichen Provinzen Afghanistans leitet.

Der Sprecher der Regierung der Provinz Balch, Munir Ahmad Farhad, sagte, die Proteste hätten an einer Moschee in der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif begonnen und seien gewalttätig geworden, als der Mob das Uno-Büro erreichte. Demonstranten hätten das Gebäude in Brand gesteckt und Wachmänner und Polizisten, die das Gelände sicherten, mit Steinen beworfen.

Die Demonstranten protestierten gegen die vor knapp zwei Wochen erfolgte öffentliche Verbrennung eines Koran-Exemplars in einer Kirche in Florida. Der Sprecher der Uno-Mission in Afghanistan, Don McNorton, sagte in Kabul, es habe "einen Vorfall in unserem Büro in Masar-i-Scharif" gegeben. "Wir sind dabei, die Fakten zu überprüfen", sagte McNorton.

Krawalle in Kabul

Hintergrund der Proteste: Vor knapp zwei Wochen hatte ein Pastor in Gainesville einen "Prozess" gegen die Heilige Schrift des Islam inszeniert, in dessen Verlauf eine "Jury" den Koran für "schuldig" befand und zur "Hinrichtung" durch Verbrennung verurteilte. Daraufhin wurde ein mit Kerosin getränktes Exemplar im Zentrum der Kirche angezündet.

Der Aktion wohnte auch der fundamentalistische Pastor Terry Jones bei. Jones hatte im Herbst mit seiner Ankündigung, am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 öffentlich Ausgaben des Koran verbrennen zu wollen, weltweit Empörung ausgelöst. In muslimischen Ländern kam es zu teils gewaltsamen Protesten. Der Pastor sagte die Aktion schließlich ab.

Im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York wurde der Angriff in Masar-i-Scharif "mit Entsetzen" aufgenommen. Generalsekretär Ban Ki Moon sei bestürzt über die Gewalt gegenüber den Menschen, die beim Aufbau des Landes helfen wollten, sagte Uno-Sprecher Farhan Haq.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul zogen zeitgleich rund 200 Protestierende nach dem Freitagsgebet zur US-Botschaft. Sie zündeten dabei eine US-Flagge an und riefen "Tod Amerika", berichteten Reporter. "Die Rede eines Mullahs hat die Leute zur Demonstration ermutigt wegen der Verbrennung eines Korans in den USA", sagte einer der Demonstranten. Die Proteste richteten sich auch gegen die Pläne der USA, langfristig Stützpunkte in Afghanistan zu unterhalten.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hatte am Freitagnachmittag seinen viertägigen Afghanistan-Besuch beendet, der ihn auch nach Masar-i-Scharif und Faisabad sowie in die Hauptstadt Kabul geführt hatte.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Meldung vom Donnerstagnachmittag lagen Agenturmeldungen zugrunde, wonach zwei Uno-Mitarbeiter enthauptet worden seien. Diesen Darstellungen widersprach später ein Polizeigeneral: Die Opfer hätten Kopfschüsse erlitten und seien nicht enthauptet worden.

amz/AP/AFP

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