Der Mann war groß, trug ein wallendes Gewand. Seine Gefolgsleute hielten respektvollen Abstand: Das waren die Bilder, die eine ferngesteuerte Aufklärungsdrohne vom Typ Predator aus einem afghanischen Tal an die Kommando-Zentrale der CIA lieferte. Für die Geheimdienstler war der Fall klar: Sie hatten einen hochrangigen al-Qaida-Anführer vor sich, möglicherweise sogar den Terroristenführer bin Laden. Kurze Zeit später feuerte die Drohne eine Rakete auf die Gruppe ab, mehrere Menschen waren auf der Stelle tot.
Wer die Männer wirklich waren, die die CIA vergangenen Montag ferngesteuert abschoss, ist bisher ein Rätsel. Seit heute Morgen durchkämmen 50 US-Elite-Soldaten die abgelegene Berggegend an der Grenze zu Pakistan, wo der Zwischenfall stattfand. Sie befragen Dorfbewohner und Reisende. Doch die Antworten, die sie bekommen, sind offenbar wenig hilfreich.
Laut der afghanischen Nachrichtenagentur AIP waren die Getöteten Zivilisten. Auch an einem nahe gelegenen pakistanischen Grenzposten sprechen aus Afghanistan anreisende Zivilisten von einer tödlichen Verwechslung: "Nein, wer immer gesagt hat, dass sie von der al-Qaida waren, lügt", sagte ein aufgebrachter Afghane mit dem Namen Mohammad Din der Nachrichtenagentur Reuters. "All drei stammten aus meinem Dorf."
Ein anderer Dorfbewohner, Chan Mari, sagte: "Unser Dorf war zerstört worden, also fuhren sie nur zurück, um es sich anzuschauen." Beide Männer sagten, sie hätten den Angriff der CIA-Drohne am Montag mit eigenen Augen gesehen
"Es gab eine Menge Diskussionen zwischen dem Oberkommando und anderen Soldaten, die das Ziel beobachteten", sagte der US-General Richard B. Myers am Freitag: "Sie kamen zu dem Schluss, dass es ein Ziel war, und es wurde getroffen." Die USA hatten am Mittwoch erklärt, bei der Gruppe habe es sich vermutlich um führende al-Qaida-Mitglieder gehandelt.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH