Afghanistan Dutzende Tote bei IS-Anschlag in Kabul

Sie demonstrierten für den Bau einer Stromleitung: In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind Dutzende schiitische Hasara bei einem Anschlag des IS ums Leben gekommen, mehr als 200 wurden verletzt.


Bei einem Anschlag auf friedliche Demonstranten in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind nach Regierungsangaben mindestens 80 Menschen ums Leben gekommen und 231 verletzt worden. Sie hatten dafür demonstriert, dass der Verlauf einer Stromleitung geändert werden soll.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat sich zu der Tat bekannt. Nach vorläufigen Informationen wurde die Tat von drei Selbstmordattentätern begangen. Zwei IS-Anhänger sollen in der Menge ihre Sprengstoffwesten gezündet haben. "Der dritte Angreifer wurde von Sicherheitskräften niedergeschossen", hieß es.

Der Leiter des Isteqlal-Krankenhauses, Mohammad Sabir Nasib, sagte: "Viele der Verletzten, die zum Krankenhaus gebracht wurden, sind in schlechter Verfassung." Es gab Berichte, dass die Blutkonserven knapp geworden seien. In den sozialen Netzwerken wurden Bürger zum Blutspenden aufgerufen.

Die Detonationen ereigneten sich auf einem zentralen Platz, auf dem sich Tausende Angehörige der ethnischen Minderheit der Hasara versammelt hatten, um für die Umleitung einer geplanten Stromtrasse zu demonstrieren. Der Bau der Leitung wird von der Asian Development Bank finanziert. Sie soll zehn afghanische Provinzen mit Strom versorgen - aber nicht die Regionen Bamijan und Wardak, in der vor allem Hasara leben.

Die schiitischen Hasara machen neun Prozent der afghanischen Bevölkerung aus. Sie wurden während der Herrschaft der sunnitischen Taliban verfolgt und werden immer wieder von radikalen Islamisten und Qaida-Anhängern angegriffen.

Für die angemeldete Demonstration waren große Teile Kabuls abgesperrt worden, Helikopter überwachten den Protestmarsch aus der Luft. "Erst dachten wir, das sei eine Minenexplosion, aber als ich das Areal erreichte, wurde mir klar, dass es ein Selbstmordanschlag war", sagte ein Demonstrant, der sich in der Nähe aufgehalten hatte. Er veröffentlichte ein Video auf Facebook, das den Platz mit zahlreichen blutüberströmten Opfern zeigte.

Der afghanische Präsidentenpalast erklärte, dass unter den Toten auch Sicherheitskräfte seien, die die Demonstration bewacht hätten.

Das US-Präsidialamt verurteilte den Anschlag. Die USA wollten weiter mit Afghanistan im Bereich der Sicherheit arbeiten, hieß es in einer Mitteilung. Der russische Präsident Wladimir Putin bot Kabul seine Unterstützung im Kampf gegen den Extremismus an. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, die Bundesregierung teile den Schmerz der Angehörigen und Freunde der Opfer.

vet/Reuters/dpa



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