Afghanistan: Mehrere Todesopfer bei Selbstmordanschlägen

Explosionen in Kandahar und in der Chost-Provinz: Bei Anschlägen in Afghanistan sind mehrere Menschen getötet worden. In der Kunduz-Provinz konnte das afghanische Militär mehrere Taliban-Kämpfer festnehmen - an dem Einsatz waren auch deutsche Soldaten beteiligt.

Kabul - Bei neuen Terroranschlägen in Afghanistan sind am Wochenende insgesamt zwölf Menschen ums Leben gekommen. Wie die Polizei mitteilte, starben am Samstag in der Stadt Kandahar im Süden des Landes fünf Polizisten, als drei Selbstmordattentäter das Büro des Provinzgouverneurs angriffen. Ebenfalls in Kandahar erschossen Unbekannte am Sonntag nach Angaben des Innenministeriums den Regionalchef eines staatlichen Transportunternehmens. In der südöstlichen Provinz Chost starben drei Grenzpolizisten bei der Explosion eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes.

Nach Angaben der Polizei wurden bei dem Selbstmordanschlag in Kandahar acht weitere Menschen verletzt. Einer der Attentäter habe den an seinem Körper befestigten Sprengsatz vor dem Eingang des Gebäudekomplexes gezündet. Die beiden anderen seien von Sicherheitskräften erschossen worden. Erst Anfang April hatte ein Selbstmordkommando der Taliban in Kandahar eine Versammlung von Regionalpolitikern gestürmt und zehn Menschen mit in den Tod gerissen. Zu den jüngsten Anschlägen bekannte sich bislang niemand. Der Süden und Osten Afghanistans gelten als Hochburgen der Aufständischen.

Unterdessen erlitten die Taliban nach afghanischen Angaben schwere Verluste bei Gefechten mit Regierungssoldaten und Nato-geführten Einheiten der Internationalen Schutztruppe ISAF. Bei den seit Freitag andauernden Kämpfen in der südwestlich der Hauptstadt Kabul gelegenen Provinz Wardak seien mindestens 50 Aufständische getötet oder verletzt worden, sagte ein Sprecher des Provinzgouverneurs am Samstag.

Ein Sprecher der Taliban erklärte dagegen, bei den Gefechten seien 17 afghanische oder ausländische Soldaten getötet worden. Angaben der Aufständischen gelten jedoch als übertrieben und haben sich oftmals als gänzlich falsch herausgestellt.

Festnahmen mit Hilfe deutscher Soldaten

In der Kunduz-Provinz konnten afghanische Soldaten in Zusammenarbeit mit deutschen Truppen etwa 40 Aufständische festnehmen. Die Militäroperation, bei der sechs Menschen ums Leben kamen, hat sich bereits vor zehn Tagen abgespielt, wurde jedoch erst am Sonntag publik gemacht.

Die Aufständischen wurden bei Kontrollen in ihren Häusern sowie an Kriegsschauplätzen gestellt. "Bei diesen 40 Aufrührern haben wir mehrere kleine Waffen sowie einige ferngesteuerte Minen gefunden", sagte Mohammad Omar, der Gouverneur der Kunduz-Provinz. Die Personen seien nun im Gefängnis, zehn weitere Verdächtige seien nach einer polizeilichen Untersuchung wieder freigelassen worden. Die Sicherung der Region ist militärisch von hoher Wichtigkeit, weil Logistik-Konvois der Nato auf dem Weg von Tadschikistan nach Afghanistan die Kunduz-Region passieren.

Der deutsche Oberst George Klein sprach von einem Erfolg des afghanischen Militärs. "Die Rolle der deutschen Soldaten bestand darin, die afghanischen Truppen zu unterstützen." Bei der Militäroperation seien vier Anhänger der radikal-islamischen Taliban getötet worden und zwei weitere verletzt worden, sagte General Adbul Rahman, Leiter der afghanischen Truppen. Ein afghanischer Soldat und ein Polizist seien ebenfalls ums Leben gekommen.

Die Taliban widersprachen dieser Darstellung: "Bei der Operation der afghanischen und ausländischen Truppen in der Char-Dara-Region wurde kein Taliban getötet oder verwundet. Stattdessen gab es zehn Tote und Verletzte auf der Seite der afghanischen Armee und der Polizei", sagte Taliban-Sprecher Zabiullah Mojaheed SPIEGEL ONLINE.

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