Afghanistan Mindestens 50 Menschen sterben bei Taliban-Angriff

Taliban-Kämpfer haben im Norden Afghanistans einen Armeestützpunkt angegriffen. Dieser liegt nur wenige Kilometer vom Feldlager der Deutschen in Masar-i-Scharif entfernt. Dutzende Menschen starben.


Bei einer Attacke der radikalislamischen Taliban auf einen afghanischen Militärstützpunkt im Norden Afghanistans sind mindestens 50 Menschen getötet worden. Der Angriff soll mehrere Stunden gedauert haben. Mehr als 73 Menschen seien verletzt worden, als die Terroristen die Militärbasis in der nördlichen Provinz Balch stürmten. Das teilte ein Sprecher der US-Armee mit.

Bei dem Vorfall schaffte es eine Gruppe von Selbstmord-Attentätern in Armee-Fahrzeugen, das erste Sicherheitstor zu überwinden. Erst am zweiten Tor wurden die Wagen gestoppt, dann sprengte sich ein Angreifer in die Luft, sodass der Rest der Gruppe in die Basis eindringen konnte. Dort eröffneten die Taliban-Kämpfer das Feuer auf Soldaten, die gerade vom Gebet kamen oder auf dem Weg zum Mittagessen waren.

"Wir haben ein Armeefahrzeug mit drei bis fünf Leuten darin gesehen. Sie kamen heraus und feuerten mit Kalaschnikows auf uns", sagte ein nicht genannter Leibwächter der englischen Tageszeitung "The Guardian". Das US-amerikanische Militär verurteilte den Angriff in einer Stellungnahme: Die heutige Attacke auf die 209. Einheit zeigt die barbarische Natur der Taliban", hieß es darin.

Die Zahl der Toten könne noch weiter steigen. Afghanische Sicherheitskräfte suchten das Gelände nach dem Ende der Gefechte immer noch ab und könnten auf weitere Opfer stoßen, sagte der Sprecher.

Der Stützpunkt liegt nur wenige Kilometer von der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif entfernt, wo die Bundeswehr ein Feldlager hat.

Die Basis sei wieder unter Kontrolle der afghanischen Sicherheitskräfte, hieß es weiter. Einer der Angreifer sei mit einer Sprengstoffweste gefasst worden.

Taliban spricht von höheren Opferzahlen

Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sprach von mehr als 100 getöteten Soldaten. Die Taliban geben aber meist deutlich überhöhte Opferzahlen an.

Allein 2016 waren bis November laut Militärquellen 6785 Soldaten und Polizisten in Afghanistan getötet und weitere 11.777 verletzt worden - ein Vielfaches der Verluste aller internationalen Truppen in Afghanistan in 15 Jahren.

In Afghanistan bekämpfen die Taliban die Kabuler Regierung seit Langem. Immer wieder greifen sie in größeren Städten und auf dem Land Polizeiposten, militärische Ziele und Regierungsvertreter an.

Ihr Ziel ist die Wiedererrichtung eines islamischen Gottesstaats, der 2001 nach der Invasion der USA zusammengebrochen war. Seit Beginn des Abzugs internationaler Truppen der USA und der Nato 2012 hat sich die Sicherheitslage im Land stark verschlechtert. Die Taliban haben etliche, weniger dicht besiedelte Gebiete unter ihrer Kontrolle.

mho/dpa/AFP



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