Reiterturnier in Afghanistan Attentäter tötet mindestens sechs Zuschauer

Die Lage im Norden Afghanistans bleibt angespannt: Ein Selbstmordattentäter hat sich in der Provinz Kunduz auf einer traditionellen Reiterspiel-Veranstaltung in die Luft gesprengt. Der Anschlag mit mehreren Toten richtete sich gegen die Familie des einflussreichen Parlamentsprechers.

Von Shoib Najafizada, Kabul


Kabul/Kunduz - Bei einem Selbstmordanschlag während einer großen Sportveranstaltung in Nordafghanistan sind mehrere Mitglieder der Familie eines prominenten Politikers und der Polizeichef der Region getötet worden. Nach Angaben der lokalen Polizei hatte sich der Attentäter am frühen Abend unter die Zuschauer eines Buzkashi-Spiels, einer traditionellen Reiterveranstaltung, in der Stadt Imam Sahib gemischt. Als er in der Nähe der vielen hochrangigen afghanischen Gäste angekommen war, die sich nach Ende des Turniers um die Spieler scharrten, zündete er seine Bombe. Er riss mindestens sechs Menschen mit in den Tod. Mehrere Menschen erlitten Verletzungen.

Ein Augenzeuge sprach gegenüber SPIEGEL ONLINE von einer enormen Explosion. Offensichtlich richtete sich das Attentat gezielt gegen die Familie des prominenten afghanischen Politikers Abdul Rauf Ibrahimi, der den einflussreichen Posten des Parlamentsprechers ausübt.

Ein Sprecher der Polizei sagte, neben dem Vater des Politikers sei auch einer seiner Cousins getötet worden. Ebenfalls kamen offenbar der lokale Polizeipräsident Abdul Qayum und mehrere andere Menschen ums Leben. Bisher gibt die Polizei die Zahl der Toten mit insgesamt sieben an, andere Berichte sprechen aber bereits von zehn Toten.

Das Attentat nach dem Buzkashi Spiel, einer traditionellen Sportart im Norden Afghanistans, zeigt erneut die äußerst fragile Sicherheitslage in der Region. Beim Buzkashi kämpfen Reiter um eine tote Ziege. Das Reiterspiel war unter der Herrschaft der radikalislamischen Taliban verboten.

In der Stadt Kunduz südlich des Anschlagsorts betreibt die Bundeswehr ein großes Feldlager mit knapp 1000 Soldaten. Allerdings haben die Deutschen die sogenannte Sicherheitsverantwortung bereits vollständig an die afghanischen Kräfte übergeben und beraten diese nur noch.

Die Region Imam Sahib gilt seit jeher als Hochburg der Taliban. Dort sind aber auch schwer bewaffnete Drogenhändler und deren Milizen unterwegs. Die Taliban haben bereits eine Reihe von ähnlichen Attacken auf hochrangige Mitglieder der afghanischen Regierung verübt, unzählige Polizeichefs, Gouverneure und Regierungsvertreter starben.

Schon seit einigen Jahren greifen die Kämpfer der Radikalislamisten in sogenannten "high profile attacks" bevorzugt afghanische Würdenträger an, die später in Erklärungen meist als "Marionetten" der Kabuler Regierung verunglimpft werden.

In einer Erklärung der Präsidentschaft hieß es, Staatschef Hamid Karsai verurteile den Angriff auf das Schärfste. "Terroristen" hätten erneut unschuldige Menschen getötet und verletzt.

mgb



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egowehner 13.03.2013
1. Europas Geschichte...
der letzten 500 Jahre sollten wir zum Vergleich heranziehen. Noch mehr Blut und Traenen werden nirgenwo fliessen, auch nicht unter den Taliban. Jeder Staat muss sich von innen heraus selbst entwickeln. Die zahllosen Versuche, anderen Kulturen die Demokratie aufzupfropfen, geschehen doch nur, damit unsere `Haendler` aller Coleur gute Geschaefte machen koennen. Den anderen anders sein lassen, ist dem Menschen wohl icht gegeben.
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