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Nach Insider-Attacke: Nato setzt Ausbildung von Afghanen aus

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Soldat der afghanischen Armee: Vorerst keine Zusammenarbeit mit der Nato Zur Großansicht
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Soldat der afghanischen Armee: Vorerst keine Zusammenarbeit mit der Nato

Der Schock bei der Schutztruppe Isaf sitzt tief: Nach dem tödlichen Angriff eines afghanischen Soldaten auf Top-Militärs sollen die Nato-Berater und Trainer in ihren Lagern bleiben - das sogenannte Partnering ist vorerst gestoppt.

Berlin - Die tödlichen Schüsse eines afghanischen Soldaten auf eine Gruppe hochrangiger Isaf-Militärs haben Folgen. Die Schutztruppe setzt ihre Zusammenarbeit mit der Afghan National Army (ANA) aus. Aus dem Hauptquartier der Nato-Truppe in Kabul erfuhr SPIEGEL ONLINE, dass Kommandeur Joseph Dunford schon am Dienstag eine klare Anweisung gegeben hatte: Alle internationalen Berater und Trainer bleiben bis Freitag in den Lagern. Ihre Missionen zur Unterstützung der Afghanen sind damit faktisch vorerst gestoppt.

In den kommenden Tagen wollen Dunford und seine Militärs entscheiden, welche längerfristigen Konsequenzen die Nato-Einheiten aus dem Attentat ziehen müssen. Bei der Attacke am Dienstagmittag (Ortszeit) war der US-Zwei-Sterne-General Harold J. Greene getötet und der deutsche Brigadegeneral Michael Bartscher verletzt worden. Zudem trugen elf weitere Isaf-Soldaten und Offiziere teils schwer Verletzungen davon. Aus der Militärführung hieß es, der Angriff könne nicht folgenlos bleiben, die Zusammenarbeit mit den Afghanen müsse überdacht werden.

Offiziell äußerte sich die Nato-Truppe nicht zu den laufenden Ermittlungen. Erste Details aber deuten auf eine geplante Tat des afghanischen Soldaten hin. Demnach befanden sich die Isaf-Offiziere am Dienstagmittag gemeinsam mit afghanischen Top-Militärs auf einer Art Rundgang durch das Camp Qargha bei Kabul. Das Lager auf einem Hochplateau gilt als eins der modernsten der afghanischen Armee, hier befindet sich auch die gut ausgerüstete Offiziersschule.

Täter wartete - und schoss aus dem Fenster

Nach ersten Erkenntnissen hatte der Täter den Rundgang der Delegation gezielt abgewartet. So soll er sich mit seiner Waffe in einem Gebäude versteckt gehalten haben. Als die größere Gruppe der Offiziere an einer Wasserreinigungsanlage anhielt und sich die Technik erklären ließ, eröffnete er aus einem Fenster heraus das Feuer. Danach wurde der Angreifer von den Personenschützern der Isaf-Delegation erschossen.

Über die Motive des Mannes ist noch nichts bekannt. Ein Sprecher der Bundeswehr teilte am Mittwoch lediglich mit, der mutmaßliche Täter sei seit zwei Jahren bei der ANA gewesen. Die Nachrichtenagentur AP berichtete unter Berufung auf afghanische Quellen, der Mann mit dem weit verbreiteten afghanischen Namen Rafiqullah stamme aus der Provinz Paktia im Osten Afghanistans. Er sei erst am Tag des Anschlags von einer längeren Patrouillenfahrt zurückgekehrt.

Der Schock bei der Isaf sitzt tief

Innerhalb der Isaf herrschen nach der folgenschwersten Insider-Attacke seit Beginn der Mission am Hindukusch noch immer Schock und Bestürzung. Zwar waren sich alle Kommandeure der Gefahr sogenannter Insider-Attacken bewusst. Dass aber ein afghanischer Angreifer in Uniform einen hochrangigen US-General treffen konnte und mehrere andere Top-Militärs nur durch Glück überlebten, sorgt noch immer für Ratlosigkeit. Auch die Frage, ob die Sicherheitsbestimmungen ausreichend waren, muss beantwortet werden.

Grundsätzlich gelten seit Jahren strenge Schutzprotokolle für die Kooperation der Nato-Truppen mit den Afghanen. Bei Besuchen von hochrangigen Delegationen oder gar Ministern aus dem Ausland werden diese penibel kontrolliert. So mussten selbst afghanische Generäle ihre Waffen abgeben, bevor sie an einer Zeremonie mit dem damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle im Feldlager Kunduz teilnehmen durften.

Angriffe dieser Art lassen sich kaum verhindern

Nach ersten Ermittlungen trugen die Isaf-Offiziere bei ihrem Rundgang keine schusssicheren Westen oder Helme. Dies ist aber bei solchen Besuchen, die meist von den Personenschützern lange vorbereitet werden, durchaus üblich. "Dass sich ein Täter gezielt mit der Waffe versteckt und auf seine Chance wartet, kann man kaum verhindern", sagte ein Offizier der Nato am Mittwoch.

Die Leiche des amerikanischen Generals soll nun rasch in die USA überführt werden. Dort wird das Militär mit einer Trauerfeier von dem Offizier Abschied nehmen. Der verletzte deutsche Brigadegeneral Michael Bartscher sollte noch am Mittwoch für eine weitere Operation ins deutsche Feldlager Masar-e-Scharif geflogen werden. Er hatte bei dem Angriff einen Steckschuss im Oberschenkel erlitten. Bartscher war erst im Juni in Kabul angekommen und hatte als Berater im afghanischen Verteidigungsministerium gearbeitet.

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1. Ein großer Irrtum !
urdemokrat 06.08.2014
Das gesamte Unternehmen Afghanistan war von Anfang bis zum (hoffentlich baldigen) Ende ein Vorhaben, dem abendländisches Denken zu Grunde lag. Man hätte es besser wissen können. Erfahrungen lagen eigentlich genug vor. Engländer am Khiberpass, die vormalige Sowjetunion mit ihrem totalen Scheitern. Das sind einfach Menschen, deren Mentalitäten nicht zu abendländischen Denk- und Moralvorstellungen passen. Traurig für die ums Leben gekommenen Soldaten
2. Wir verstehen ...
uvg 06.08.2014
dass wir in Afghanistan nicht willkommen sind. Freunde haben wir dort nicht gefunden. Also sollten wir das Land schnellstmöglich verlassen. Denn aufgrund seiner topographischen Gegebenheiten ist es militärisch ebensowenig unter Kontrolle zu bringen wie die Schweiz.
3. Schluss mit dem Afghanistanwahnsinn!! – Beginn der politischen Aufarbeitung!
derinvestigator 06.08.2014
Die Kriegsstrategen können es einfach nicht fassen, dass sie in Afghanistan unerwünscht sind und dass sie dort in einem mehr als 10-jährigen Krieg nichts, aber auch gar nichts bewirkt haben, was sich vorzeigen ließe. Gegen alle Vernunft wurde dieses korrupte Land gestützt und die Berliner „Strategen“, immer noch realitätsblind, wollen jährlich ca. 150 Mio € pro Jahr in diesem Land verbrennen, die zum größten Teil den Taliban zugute kommen. Es ist an der Zeit, den Krieg in Afghanistan komplett zu beenden und in der Heimat politisch und juristisch aufzuarbeiten mit entsprechenden personellen Konsequenzen für diejenigen, die dort vollmundig am Hindukusch unsere Freiheit verteidigen lassen wollten. Dieser Kampf wurde wohl in aller Stille eingestellt wie auch der Bau von Mädchenschulen und Brunnen.
4. Unsinniger Einsatz
Andi500 06.08.2014
Die Nato hat in Afghanistan genauso wenig verloren wie die Amerikaner im Irak.
5. Natürlich haben Kriege einen Sinn, nur nicht den, der gesagt wird.
prince62 07.08.2014
Zitat von derinvestigatorDie Kriegsstrategen können es einfach nicht fassen, dass sie in Afghanistan unerwünscht sind und dass sie dort in einem mehr als 10-jährigen Krieg nichts, aber auch gar nichts bewirkt haben, was sich vorzeigen ließe. Gegen alle Vernunft wurde dieses korrupte Land gestützt und die Berliner „Strategen“, immer noch realitätsblind, wollen jährlich ca. 150 Mio € pro Jahr in diesem Land verbrennen, die zum größten Teil den Taliban zugute kommen. Es ist an der Zeit, den Krieg in Afghanistan komplett zu beenden und in der Heimat politisch und juristisch aufzuarbeiten mit entsprechenden personellen Konsequenzen für diejenigen, die dort vollmundig am Hindukusch unsere Freiheit verteidigen lassen wollten. Dieser Kampf wurde wohl in aller Stille eingestellt wie auch der Bau von Mädchenschulen und Brunnen.
Kleine Korrektur, die Kriegsstrategen und ihre Auftraggeber aus Politik und Wirtschaft haben das wichtigste Ziel erreicht, die Umleitung Dutzender Milliarden Euros und Dollars aus der Staatskasse via Rüstungsindustrie auf private Bankkonten, denn nirgendwo können so fette legale Gewinne gemacht werden, wie durch Rüstungsgeschäfte. Siehe Haliburton im Irak, wenn man jetzt mal die gesamte Summe, also USA samt ihrer unterwürfigen Partner dann muß man wohl alleine von ca. 35% Gewinnmarge ausgehen, die ganzen Kriege der letzten Jahrzehnte sind nichts weiter als eine gigantische und gewollte Umverteilung von Volksvermögen auf privaten Konten. Alle anderen sogenannten ideeologischen Gründe wie westliche Werte und der andere Gedöns dienen nur dazu, das dumme Volk wieder einmal für dumm und dämlich zu verkaufen, und das funktioniert immer.
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Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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