Afghanistan Nato tötet Dutzende Taliban bei Angriff auf Tanklastwagen

Bei einem Angriff auf einen von den Taliban entführten Tanklaster hat die Nato nach Angaben der Bundeswehr mehr als fünfzig Aufständische getötet. Die Extremisten hatten den Wagen zuvor in ihre Gewalt gebracht. Unklar ist, ob auch Zivilisten unter den Opfern sind.


Kunduz - In der nordafghanischen Provinz Kunduz sind bei Kämpfen zwischen der Afghanistan-Schutztruppe Isaf und Taliban nach Angaben der Bundeswehr 56 Aufständische getötet worden. Die Berichte über zivile Opfer unterscheiden sich: Die Bundeswehr erklärte, Zivilisten und deutsche Soldaten seien nicht verletzt worden. Nach Angaben der afghanischen Polizei sind indes 40 Zivilisten bei dem Angriff getötet worden.

Der Sprecher der Provinzregierung in Kunduz, Mahbuhullah Sajedi, sagte, unter den Opfern sei "eine kleine Zahl" von Zivilisten, darunter Kinder, die aus den in einem Fluss festgefahrenen Lastern Benzin abzapfen wollten. Ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums sagte, "zwischen 200 und 250" Dorfbewohner hätten sich um die Laster geschart. Daher sei eine "große Zahl" von Zivilisten unter den Toten und Verletzten zu befürchten.Die Nato teilte derweil mit, es werde noch untersucht, ob es auch zivile Opfer gebe.

Nach Berichten der Bundeswehr haben die Taliban nachts gegen 1.50 Uhr Ortszeit in der Nähe von Kunduz an einem vorgetäuschten Checkpoint zwei beladene Tanklastzüge gekapert. Sie hätten den Treibstoff in den Unruhedistrikt Char Darah bringen und selbst nutzen wollen, teilte das Einsatzführungskommando am Freitag auf seiner Internetseite mit. Die Extremisten seien dabei entdeckt und gegen 2.30 Uhr Ortszeit erfolgreich bekämpft worden.

Der Gouverneur der Provinz, Mohammed Omar, erklärte, die Explosion habe sich ereignet, als die Taliban gerade dabei waren, Benzin an die Bevölkerung zu verteilen. Seinen Angaben zufolge sind auch ein ranghoher Taliban-Kommandeur sowie vier tschetschenische Kämpfer unter den Toten.

In der Vergangenheit gab es mehrere Fälle, wo Nato-Schläge zu zivilen Opfern führten. Unlängst hatte der Oberkommandierende der US- und Nato-Truppe, General Stanley McChrystal, gemahnt, die Einsatzführer sollten "die Fälle taktischer Erfolge - aber strategischer Verluste - durch zivile Opfer und hohe Schäden" vermeiden. Allein zwischen Januar und Mai sind nach Uno-Angaben bei Luftangriffen etwa 800 Zivilisten ums Leben gekommen, was einer Zunahme von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

anr/dpa/AFP/Reuters/AP

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