Bis Ende 2015 USA lassen vorerst 10.000 Soldaten in Afghanistan

Der Fahrplan für den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan steht: Zunächst sollen knapp 10.000 Soldaten am Hindukusch bleiben - Ende 2015 tritt dann noch einmal eine große Gruppe die Heimreise an.

US-Präsident Obama: Bis 2016 schrittweiser Abzug
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US-Präsident Obama: Bis 2016 schrittweiser Abzug


Washington/Kabul - Lange war gerätselt worden, wie die US-Armee ihre Präsenz in Afghanistan organisieren will. Nun sind die ersten Zahlen und Ablaufpläne bekannt. Die USA wollen nach dem Ende des Afghanistan-Kampfeinsatzes zunächst 9800 Soldaten in dem Land lassen, kündigte Präsident Barack Obama am Dienstag in Washington an. Die Angabe entspricht den bisherigen Schätzungen von Militärexperten. Derzeit sind noch etwa 32.800 US-Soldaten im Einsatz.

Der weitere Ablauf: Ende 2015 solle das Resttruppenkontingent halbiert und ein Jahr später fast vollständig abgebaut sein. Nur noch Personal zum Schutz der Botschaft und für ein Sicherheitsbüro soll dann offiziell am Hindukusch bleiben.

Die Amerikaner sollten afghanische Sicherheitstruppen ausbilden und den Kampf gegen das Terrornetzwerk unterstützen, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Caitlin Hayden.

Als Voraussetzung für die Umsetzung des Plans nannte Obama das Inkrafttreten eines Sicherheitsabkommens mit Afghanistan. Das zwischen Washington und Kabul mühsam ausgehandelte, aber noch nicht unterzeichnete Abkommen ist in Afghanistan umstritten, weil es unter anderem vorsieht, dass sich US-Soldaten bei Vergehen nur in der Heimat vor Gericht verantworten müssen.

Afghanistan soll selbst über seine Zukunft entscheiden

Obama sagte, Afghanistan werde nach dem Abzug der internationalen Truppen "kein perfekter Ort" sein. Es sei aber auch "nicht Amerikas Verantwortung", das Land zu einem solchen zu machen. "Über die Zukunft Afghanistans muss von den Afghanen entschieden werden", sagte Obama. Die USA wollten dem Land aber die "Möglichkeit geben, nach einem lange überfälligen und hart erkämpften Frieden zu streben

Die Nato bewertete es als positiv, dass die USA bis Ende 2016 Truppen in Afghanistan belassen wollen. "Wir begrüßen den bedeutenden Beitrag, den die USA zu der Nato-geführten Mission zur Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte nach 2014 machen wollen", erklärte Nato-Sprecherin Oana Lungescu am Dienstagabend in Brüssel. "Das entspricht unseren Planungen und zeigt das Engagement der Nato-Verbündeten, auf den Fortschritten aufzubauen, die wir in Afghanistan erreicht haben."

Am Sonntag war Obama zu einem Blitzbesuch in Afghanistan eingetroffen. Er dankte den Soldaten für ihren Einsatz während des 13 Jahre dauernden Afghanistankrieges und für die Vorbereitung ihres baldigen Abzugs.

Abkommen auch von Präsidentschaftswahl abhängig

Mit dem Abzug endet für die USA ein mehr als ein Jahrzehnt dauerndes Engagement in dem zentralasiatischen Land. Über Monate hatte die Obama-Regierung mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai um ein Abkommen über die weitere Truppenpräsenz der Amerikaner in der Krisenregion gefeilscht.

Zwischenzeitlich hatte Obama ob der äußerst zähen Verhandlungen sogar mit einem raschen Komplettabzug gedroht. Ob der Einsatz in der nun umrissenen Form zustande kommt, hängt daher auch vom neuen afghanischen Präsidenten ab, der in einer Stichwahl im Juni bestimmt werden soll.

Einsätze wie den in Afghanistan, begonnen nach den Terroranschlägen vom 11. September, soll es nach den Vorstellungen Obamas auch künftig geben. Der US-Präsident kündigte aber an, er wolle seine Außenpolitik "breiter" anlegen und dies in der kommenden Woche in einer Rede erläutern.

jok/sun/dpa/Reuters/AFP



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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
rus13 27.05.2014
1.
"Einsätze wie den in Afghanistan, begonnen nach den Terroranschlägen vom 11. September, soll es nach den Vorstellungen Obamas auch künftig geben. Der US-Präsident kündigte aber an, er wolle seine Außenpolitik "breiter" anlegen und dies in der kommenden Woche in einer Rede erläutern." Tja eine neue Form des Kolonialismus. Da wird in dem Irak das Öl an die westlichen Konzerne verteilt. In der Ukraine ist der Sohn des us-Vizepräsidenten ja bereits auch schon Chef im Gaskonzern... Aber bestimmt nur Zufälle.
eaglereno 27.05.2014
2.
Was haben die westlichen Soldaten in Afghanistan eigentlich erreicht? Sie wären besser gleich zuhause geblieben.
kantundco 27.05.2014
3. Blöd nur, dass das Material im Land bleiben muss!
Über Russland geht nämlich kein Konvoi und keine Zwischenlandung. Das wird teuer.
Sam_Dicamillo 27.05.2014
4. Authenticjazzman
Ihr Deutschen haben alle gejubelt und sind in extase gewesen als er gewählt wurde.
moelln56 27.05.2014
5. Auch diesen Krieg
haben die USA verloren. Was wollen sie also noch dort ?
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