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Afghanistan Obamas Kriegsende auf Raten

Einsatz in Afghanistan: Abzug aus einem geschundenen Land
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AFP

Die USA sind kriegsmüde: In einer TV-Rede will Barack Obama einen spürbaren Truppenabzug aus Afghanistan verkünden. Es ist der Anfang vom Ende des Einsatzes, ein Drittel der Soldaten soll schon bis Ende 2012 heimkehren - rechtzeitig zur Präsidentschaftswahl.

Nur eines war zunächst klar: Barack Obama wird diese Rede nicht im Oval Office halten. Zu pompös, zu dramatisch, zu staatstragend für einen unpopulären Krieg, den der US-Präsident lieber still aus dem Bewusstsein des Volkes tilgen will.

Also wird ein anderer Saal im Weißen Haus herhalten müssen, wenn Obama in der Nacht zum Donnerstag, immerhin zur US-Primetime, den Anfang vom Ende des Afghanistan-Kriegs in die Wege leitet - neun Jahre, acht Monate und zwei Wochen, nachdem Vorgänger George W. Bush sich im Schatten der 9/11-Anschläge an die Nation gewandt hatte: "Die Taliban werden einen Preis zahlen."

Einen Preis haben seither wohl alle Seiten gezahlt in diesem Konflikt, der schon jetzt mehr als doppelt so lange dauert wie das Engagement Amerikas im zweiten Weltkrieg. Rund 100.000 Soldaten haben die USA heute noch in Afghanistan. Ein Drittel davon soll nun bis Ende kommenden Jahres abgezogen werden - rechtzeitig zur nächsten US-Präsidentschaftswahl, bei der Obama sich bei den kriegsmüden Landsleuten und der pazifistischen Basis um eine zweite Amtszeit bewirbt.

"Es ist Zeit, Afghanistan aufzugeben"

Viel mehr stand denn auch bis Dienstagabend noch nicht fest: Rund 33.000 US-Soldaten sollen heimkehren oder anderswo zum Einsatz kommen - die gesamte "Surge", jene Anfang 2010 entsandte Truppenschwemme, die die Taliban-Kämpfer und Qaida-Terroristen endgültig aus ihren Verstecken treiben sollte. Trotzdem würden anschließend noch doppelt so viele Soldaten in Afghanistan verbleiben wie bei Obamas Amtsantritt im Januar 2009.

Auf welche Weise sich dieses Kriegsende auf Raten aber vollziehen soll, ob gestaffelt oder geballt, das wurde intern bis zuletzt heiß debattiert.

"Es ist Zeit, Afghanistan aufzugeben", schrieb Kolumnist Richard Cohen in der "Washington Post". "Von Anfang an ist die enorme US-Investition in Afghanistan ein Fehler gewesen." Doch die ersten Reaktionen zeigten, dass es Obama keinem recht machen kann - den einen wird es zu langsam gehen, den anderen zu schnell.

Nur das Enddatum des Einsatzes war ja sowieso schon bekannt: Ende 2014 soll Afghanistan die Verantwortung für seine eigene Sicherheit übernehmen, assistiert von einem Rest aus schätzungsweise 25.000 US-Soldaten. Doch es fehlte noch ein genauer Plan für den Abzug, vor allem angesichts der Wahl im November 2012.

"Menschenleben, Verletzungen, Finanzen"

Die Bevölkerung hat sich längst vom Krieg verabschiedet. In einer CBS-Umfrage sprachen sich kürzlich 51 Prozent gegen ein weiteres US-Engagement aus, 64 Prozent forderten einen Abzug. "Sie sind eines Jahrzehnts des Kriegs müde", sagte Verteidigungsminister Robert Gates am Dienstag vor Journalisten. Hinzu kommt, dass nicht mehr der Afghanistan-Krieg zum Wahlkampfthema Nummer eins werden dürfte, sondern der mickrige Wirtschaftsaufschwung in den USA.

Aus dem Grund verabschiedeten die Bürgermeister der größten US-Städte auch am Montag auf ihrer Jahrestagung eine Resolution, die das rasche Ende der Kriege im Irak und in Afghanistan forderte. Die Kosten - rund 112 Milliarden Dollar in diesem Jahr allein in Afghanistan - müssten stattdessen der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Ankurbelung der schleppenden Konjunktur zugute kommen.

Diesen Appell unterstrichen 14 Bürgermeister dann auch noch mal bei einem Treffen mit Obama im Weißen Haus, kurz vor dessen Entscheidung. Der Präsident sei sich der laufenden Kriegskosten - "Menschenleben, Verletzungen und Finanzen" - durchaus bewusst, sagte sein Sprecher Jay Carney anschließend.

Beide Parteien im Kongress, Demokraten wie Republikaner, drängen auf Abzug. "Die Höhe der US-Truppenreduzierung in Afghanistan muss bedeutsam sein", erklärte Carl Levin, der demokratische Chef des Streitkräfteausschusses im Senat, am Dienstag nach Bekanntwerden der Redepläne Obamas. Die Bedingungen am Boden erlaubten, bis Ende dieses Jahres 15.000 Soldaten heimzubringen.

Auch die meisten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner haben sich für einen raschen, steilen Abzug ausgesprochen. Andere warnen dagegen vor Eile: John McCain, der Top-Republikaner im Streitkräfteausschuss, will zunächst nur 3000 Soldaten zurückholen, er kritisierte den "Isolationismus" seiner Parteifreunde scharf.

Heftige Diskussionen im Weißen Haus

"Das ist eine fragile Sache", sagte auch Analyst Bruce Reidel von der Brookings Institution dem TV-Sender MSNBC über die heutige Sicherheitslage in Afghanistan. "Die verantwortliche Position wäre es, das schrittweise zu machen."

In der Tat hatte das Weiße Haus gehofft, den Abzug an eine Erfolgsmeldung koppeln zu können. Doch die Friedensverhandlungen der USA mit den Taliban stecken noch im Frühstadium: Angeblich gab es Vorgespräche, aber bisher noch keine offiziellen Treffen.

So fanden im Weißen Haus denn auch am Dienstag noch heftige Diskussionen über den Umfang des Abzugs statt. US-Regierungskreise streuten, dass die eine Seite auf den Tod Osama Bin Ladens verwiesen habe - der sich nicht in Afghanistan versteckt hatte, sondern in Pakistan - sowie auf US-Erfolge bei der Zerschlagung seines Terrornetzwerks: Das seien Argumente für einen schnelleren Abzug.

Vor allem die Militärs hätten jedoch für einen vorsichtigeren Weg plädiert. General David Petraeus, Obamas Afghanistan-Kommandeur, reiste am Donnerstag voriger Woche nach Washington, um Obama zu briefen. Petraeus war seinerzeit im Irak für den dortigen Erfolg maßgeblich mitverantwortlich.

Mehrere konkurrierende Optionen wurden lanciert: Das Pentagon will dieses Jahr nur rund 5000 Soldaten abziehen, in etwa eine Brigade, um noch zwei sommerliche "Gefechtssaisons" bestreiten zu können. Andere - darunter US-Vizepräsident Joe Biden - wollen alle 33.000 Truppen binnen zwölf Monaten zurückholen. Ein Kompromiss sähe einen Abzug von 15.000 Mann in diesem Jahr und den Rest 2012 vor. Doch bisher bleibt das alles Spekulation.

Auch gäbe es die Möglichkeit, dass Obama eine fixe Endmarke bekanntgibt und die Details dann seinen Militärs überlässt. So wurde damals auch der Irak-Abzug vollzogen, unter General Ray Odierno, den Obama jetzt zum Stabschef der gesamten Armee befördern will.

Inszenierter "Rollout"

"Welche Entscheidung auch immer er trifft", sagte der scheidende US-Verteidigungsminister Robert Gates am Sonntag auf CNN, Obamas Rede vorwegnehmend, "wir werden eine bedeutende Zahl von Soldaten in Afghanistan halten."

Obama hielt seine Karten bis zum Schluss bedeckt. Er selbst hat den Afghanistan-Krieg immer mit spürbarer Zurückhaltung propagiert. Die "Surge", die er in der Militärakademie West Point verkündete, war ein Versuch, es beiden Seiten recht zu machen - den Militärs und den Kriegsgegnern. Das gleiche gilt nun wohl für den Abzugsbefehl.

In seiner Rede dürfte Obama auch daran erinnern, warum die USA in wirtschaftlichen Krisenzeiten überhaupt noch Kriege führen, und dabei auf die Terrorakte vom 11. September 2001 verweisen. Das Weißen Haus streckt den inszenierten "Rollout" der Entscheidung über zwei Tage. Am Donnerstagnachmittag will Obama den Armeestützpunkt Fort Drum an der kanadischen Grenze besuchen, wo die 10th Mountain Division stationiert ist, eine der am häufigsten nach Afghanistan geschickten US-Einheiten.

Gleichzeitig muss Außenministerin Hillary Clinton vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats aussagen. Petraeus, der neuer CIA-Direktor werden soll, tritt zur gleichen Zeit vor den Geheimdienstausschuss.

Die Rede wird aber dennoch kleiner gefahren als Bushs dramatischer Oval-Office-Auftritt vom 7. Oktober 2001. "Wir sehen das nicht als einen großen Wendepunkt", wiegelte ein Berater Obamas am Dienstag ab, "aber es ist ein wichtiger Moment, mit dem amerikanischen Volk über Afghanistan zu kommunizieren."

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insgesamt 41 Beiträge
Dunedin 22.06.2011
Die USA sind kriegsmüde = besser, die USA sind pleite Amerika wird niemals kriegsmüde werden, das war wohl eher als Witz gemeint
Die USA sind kriegsmüde = besser, die USA sind pleite Amerika wird niemals kriegsmüde werden, das war wohl eher als Witz gemeint
7days 22.06.2011
Ist heute Weihnachten? Ich fuerchte nein. Man zieht die Truppen ab, zur Freude der Afghanen, um sie dann erneut auf Reisen zu schicken, zum Leid von ... wohin geht die Reise? Pakistan?
Zitat von sysopDie USA sind kriegsmüde.
Ist heute Weihnachten? Ich fuerchte nein. Man zieht die Truppen ab, zur Freude der Afghanen, um sie dann erneut auf Reisen zu schicken, zum Leid von ... wohin geht die Reise? Pakistan?
Rübezahl 22.06.2011
Wir allerdings bleiben als millitärische Nachhut, um den Amerikanern beim Abzug den Rücken feizuhalten. Ich fasse zusammen: In Afghanistan wird und wurde die Bundeswehr mißbraucht! Aber die nächsten Einsätze sind ja schon in [...]
Wir allerdings bleiben als millitärische Nachhut, um den Amerikanern beim Abzug den Rücken feizuhalten. Ich fasse zusammen: In Afghanistan wird und wurde die Bundeswehr mißbraucht! Aber die nächsten Einsätze sind ja schon in der Planung. Und das die Bundeswehr ausländische Offiziere aller Herren Länder an der Führungsakademie ausbildet, ist auch kein Geheimnis. Sogar Offiziuer aus China habe ich da schon beobachtet.
guertelr 22.06.2011
"Sie sind eines Jahrzehnts des Krieges müde" Mensch dieses arme gescholtene Land, immerzu unermüdlich im Einsatz für Menschenrechte, Demokratie und Frieden... Die armen Amerikaner... wer konnte ihnen das nur [...]
"Sie sind eines Jahrzehnts des Krieges müde" Mensch dieses arme gescholtene Land, immerzu unermüdlich im Einsatz für Menschenrechte, Demokratie und Frieden... Die armen Amerikaner... wer konnte ihnen das nur aufbürden... ahh ich habs... wie meinte Bush junior das ungefähr... "Gott hat mir was ins Ohr geflüstert" haha schätze sein Gott tankt bei Exxon und kauft bei Walmart ein...
Meckerliese 22.06.2011
Was hat der ganze Scheiss nun gebracht????
Was hat der ganze Scheiss nun gebracht????
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