Afghanistan Opiumproduktion wächst wegen Taliban-Erfolgen

Afghanistan ist der weltweit größte Produzent von Opium - dem Rohstoff, aus dem Heroin gewonnen wird. Der Vormarsch der Taliban sorgt für Rekordernten.

Mohnanbau in Afghanistan
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Mohnanbau in Afghanistan


Die Opiumernte in Afghanistan wird auch 2016 gigantisch ausgefallen. Wie die Vereinten Nationen mitteilten, wuchs die Fläche zum Anbau von Schlafmohn in dem Land im Jahr 2016 um zehn Prozent auf 201.000 Hektar. Das sei das dritthöchste Niveau seit mehr als 20 Jahren.

Die Ernte werde in diesem Jahr um 43 Prozent höher ausfallen als 2015, schätzte das Uno-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung. Die Regierung habe wegen der Erfolge der radikalislamischen Taliban einen deutlichen Rückschlag erlitten in ihren Bemühungen, Schlafmohnfelder zu vernichten. Opium ist der Rohstoff für Heroin. Die größten Mengen der Droge stammen aus Afghanistan.

Nur 2013 und 2014 gab es mehr Schlafmohnfelder in Afghanistan. Hauptlieferant ist nach wie vor die bitter umkämpfte Provinz Helmand. Aber auch im Norden, wo in vielen Provinzen lange die Bundeswehr stationiert war, explodiert der Anbau. Die Mohnfelder haben sich hier mehr als verdreifacht.

Seit Jahren ist der afghanische Opiumertrag, mit gelegentlichen Ausreißern nach unten, kontinuierlich gestiegen. 2015 war die Ernte stark eingebrochen, vor allem wegen Pflanzenkrankheiten. Das hat aber nur dazu beigetragen, in diesem Jahr Preise und Nachfrage nach oben zu treiben. Um die 4800 Tonnen Opium könnte die diesjährige Ernte bringen. Und möglicherweise sei das noch unterschätzt, heißt es in dem Bericht. Grund sei der mangelnde Zugang zu Provinzen.

"Natürliche Wahl für Bauern im Krieg"

Die Produktion wächst, seit die radikalislamischen Taliban 2006 ihr Comeback begonnen haben. Es gebe einen "gut dokumentierten Zusammenhang zwischen Unsicherheit und Mohnanbau", sagt Jelena Bjelica vom Rechercheinstitut Afghanistan Analysts Network. "Mohn hat wenige Risiken in einer Hochrisiko-Umgebung. Es ist eine natürliche Wahl für Bauern im Krieg."

Gleichzeitig scheinen die afghanische Regierung und ihre internationalen Unterstützer die Gegenwehr aufgegeben zu haben - gezwungenermaßen. Aus dem UNODC-Bericht geht hervor, dass 2016 gerade mal 355 Hektar Schlafmohn vernichtet wurden - ein Rückgang von 91 Prozent. Der Bericht erwähnt die "extrem schlechte Sicherheitssituation". Anti-Drogen-Polizist Bakhtiar klagt, dass "die UN und die anderen Internationalen" seinen Einheiten in den vergangenen Jahren immer weniger Geld gegeben hätten.

Das könnte daran liegen, dass Experten sich heute einig sind, dass das Abbrennen von Feldern sowieso kontraproduktiv ist. Denn für viele Hunderttausende Menschen in Afghanistan ist das Opium die einzige Einnahmequelle.

cte/Reuters/dpa



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