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Afghanistan-Protokolle: Weißes Haus attackiert WikiLeaks

Zehntausende geheime Militärakten über den Afghanistan-Einsatz sind von SPIEGEL, "New York Times" und "Guardian" analysiert worden, WikiLeaks hat die Dokumente veröffentlicht: Sie zeigen das wahre Gesicht des Krieges - und bringen die USA in Erklärungsnot. Doch das Weiße Haus versucht, ihre Bedeutung herunterzuspielen.

Die Afghanistan-Protokolle: 91.731 Dokumente - fünf Probleme Fotos
REUTERS

Washington/Berlin - Die Wahrheit ist manchmal schwer zu ertragen - vor allem, wenn man lieber seine ganz eigene verbreiten möchte. Entsprechend verschnupft hat die US-Regierung am Montag auf die Veröffentlichung von mehr als 90.000 meist geheimen Dokumenten zum Afghanistan-Krieg auf der Internet-Plattform WikiLeaks reagiert. Der SPIEGEL, die "New York Times" und der britische "Guardian" hatten die Unterlagen zuvor gesichtet und analysiert.

"Die USA verurteilen aufs Schärfste die Veröffentlichung von Geheiminformationen durch Einzelne oder Organisationen (...)", empörte sich in einer ersten Reaktion James Jones, der Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama. Das könne das Leben von Amerikanern und deren Verbündeten gefährden sowie die nationale Sicherheit bedrohen.

WikiLeaks habe nichts unternommen, um mit der US-Regierung Kontakt aufzunehmen, beklagte Jones. Das "unverantwortliche Leck" werde aber keinen Einfluss auf das Engagement der USA in Afghanistan und Pakistan haben, "um unsere gemeinsamen Feinde zu besiegen".

Die Chefredakteure des SPIEGEL, der "New York Times" und des "Guardian" hatten vereinbart, besonders sensible Informationen aus dem Geheimmaterial - etwa die Namen von afghanischen Informanten des US-Militärs oder Informationen, welche die Soldaten in Afghanistan zusätzlichen Sicherheitsrisiken aussetzen könnten - nicht zu veröffentlichen.

Die Dokumente zeichnen ein in dieser Detailfülle bisher ungekanntes, ungefiltertes Bild des Krieges am Hindukusch. Sie liefern die unmittelbare Sicht der US-Soldaten. So geht es etwa um die Einsätze der Task Force 373, einer US-Eliteeinheit, die darauf spezialisiert ist, Top-Taliban gezielt auszuschalten, sei es durch Festnahme oder Tötung. Aus den Unterlagen geht auch hervor, dass bei den Kommandoaktionen Zivilisten starben.

In den Akten ist auch die US-Einschätzung nachzulesen, dass der pakistanische Geheimdienst der "vermutlich wichtigste außerafghanische Helfer der Taliban" ist. Abgesandte des pakistanischen Geheimdienstes seien dabei, wenn sich Aufständische zum Kriegsrat treffen und sollen auch präzise Mordbefehle erteilen, etwa gegen den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai.

Weißes Haus macht sich "Gedanken zu WikiLeaks"

Welche Unruhe die Veröffentlichung der Geheimakten in der US-Regierung auslöst, zeigt auch ein Memo, das das Weiße Haus per E-Mail am Sonntagabend (Ortszeit) an Journalisten verschickte und mit dem die Berichterstattung beeinflusst werden soll. "Thoughts on WikiLeaks" - "Gedanken zu WikiLeaks" ist die Mail überschrieben, darin wird versucht, die Bedeutung der Dokumente herunterzuspielen.

So heißt es unter anderem, dass niemand, der die Entwicklung des Afghanistan-Konfliktes verfolge, überrascht sein könne, dass sich die Amerikaner Sorgen über die Rolle des pakistanischen Geheimdienstes in der Region machten. Dies hätten Regierungsmitglieder des Öfteren offen gesagt. Zum Beleg wird eine Liste mit entsprechenden Zitaten beigefügt.

Zudem stammten die Akten aus der Zeit zwischen Januar 2004 und Dezember 2009. Inzwischen habe Präsident Obama eine neue Afghanistan-Strategie implementiert, und der Grund dafür habe eben zum Teil in den nun veröffentlichten Erkenntnissen gelegen. Auch den Urheber der Veröffentlichung nimmt die US-Regierung ins Visier: WikiLeaks sei nicht neutral, betont das Weiße Haus in seiner Mail, sondern eine Organisation, die gegen die US-Politik in Afghanistan opponiere.

Es gibt aber auch nachdenkliche Stimmen aus den Vereinigten Staaten. Senator John Kerry von den Demokraten kritisierte zwar indirekt die Veröffentlichung der Dokumente durch WikiLeaks, betonte aber zugleich, dass die Geheimakten hilfreich sein könnten. "Wie illegal auch immer diese Dokumente ans Licht gekommen sind, so werfen sie doch ernste Fragen zur US-Politik gegenüber Pakistan und Afghanistan auf", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses. Die Dokumente könnten die Herausforderungen des Einsatzes verdeutlichen, um die Politik entsprechend anzupassen.

Pakistan wehrt sich gegen Vorwürfe

Die pakistanische Regierung wollte noch keine offizielle Bewertung abgeben. Der pakistanische Botschafter in den USA, Husain Haqqani, bezeichnete die Veröffentlichung der Geheimdokumente jedoch bereits als "unverantwortlich", da sie nicht die "tatsächlichen Gegebenheiten" widerspiegelten. Die USA, Afghanistan und Pakistan seien "strategische Partner", die militärisch wie politisch das Terrornetzwerk al-Qaida und dessen Verbündete der Taliban bekämpfen wollten.

Der britische Außenminister William Hague versuchte den Wert der Dokumente ebenfalls zu relativieren. "Wir verbringen unsere Zeit nicht damit, Enthüllungen anzuschauen, wir setzen die international abgestimmte Strategie fort", sagte Hague am Rande des EU-Außenministertreffens in Brüssel. "Ich hoffe, dass solche Veröffentlichungen nicht die Atmosphäre vergiften", fügte der Brite hinzu.

Die Bundesregierung reagierte am Montag zurückhaltender. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) will die Enthüllungen genau prüfen. Es müsse ausgewertet werden, was der Bericht möglicherweise an neuen Erkenntnissen biete, sagte Westerwelle. "Ich sehe mich jedenfalls in meiner Haltung bestärkt, dass ich die Lage in Afghanistan nie beschönigt habe, immer gesagt habe, das ist eine außerordentlich ernste Situation dort", erklärte der Vizekanzler. Dennoch sei der Einsatz notwendig, weil es um die Sicherheit in Europa und in Deutschland gehe.

Grüne wollen Aufklärung über US-Spezialeinheit

Die neu aufgetauchten Dokumente enthalten keine Informationen über Gewaltexzesse gegenüber Zivilisten oder illegale Geheimoperationen, an denen die deutschen Truppen in Afghanistan beteiligt gewesen wären. Dennoch sind sie für die Bundeswehr verheerend, weil der Eindruck entsteht, dass der Einsatz naiv geplant wurde. Auch ist detailliert von der Terroristenjagd der US-Spezialeinheit 373 im deutschen Einsatzgebiet im Norden Afghanistans die Rede.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bezeichnete die Veröffentlichung als "bemerkenswert". Nach einer ersten Einschätzung gebe es jedoch "nichts Neues im Sinne eines Nachrichtenwertes". Über die Einsätze der Task Force 373 im Kommandobereich der Bundeswehr sei das Parlament laufend unterrichtet worden, sagte der Sprecher.

Das allerdings sieht man in der Opposition anders. "Es ist nach der Lektüre der US-Dokumente aus unserer Sicht verstörend, wie wenig die Bundesregierung das Parlament über die Aktivitäten von amerikanischen Spezialkräften im deutschen Gebiet unterrichtet hat", sagte der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Omid Nouripour. "Wir fordern von der Bundesregierung umgehende Aufklärung, was sie über die Aktionen weiß, wir werden mit aller Kraft auf Antworten drängen".

phw/dpa/AFP

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Forum - Ist der Afghanistankrieg noch zu gewinnen?
insgesamt 4924 Beiträge
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1. Wie oft soll dieser Krieg
Gandhi, 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
denn noch gewonnen werden? Wie oft sollen wir uns denn noch anhoeren muessen, dass jetzt die entscheidenden 6 Monate kommen? Dass, wenn "wir" alles richtig machen, der Krieg dann gewonnen ist. Ich kann es schon gar nicht mehr hoeren. Das Einzige, was diesen Krieg beendet, ist ein Ereignis, bei dem eine grosse Menge Soeldner sich aus dieser Welt verabschieden. Dann wird der politische Druck so gross, dass das Gerede davon, dass Freiheit und Demokratie in Afghanistan die Opfer wert sind, untergeht im Protest. Die Afghanen sollen ihren eigenen Weg gehen, ihre eigenen Probleme loesen. Von aussen koennen deren Probleme auch nicht in 10 oder 20 Jahren geloest werden.
2. Titel
ayamo, 25.07.2010
Plain and simple? Ein militärischer Sieg? Auf gar keinen Fall. Irgendein schaler Verhandlungsfrieden mit den Taliban wäre allerdings auch nicht ideal, da diese sich nicht an solche Verträge/Vereinbarungen halten.
3.
kleenermann 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
Wie oft soll diese Frage noch gestellt werden? Nein, man kann ihn nicht gewinnen.
4. Wo ist der Aha-Effekt?
edgarzander 25.07.2010
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
Enthüllungen? Ich hätte mir da ein bischen mehr erwartet und war nach dem Durchlesen des Artikels irgendwie enttäuscht. Ist doch alles inzwischen mehr oder weniger bekannt...
5. red herring
machorka-muff 25.07.2010
der westen kann und braucht in afghanistan nicht zu gewinnen: abmarsch! die sache mit der enthüllung brisanter kriegsdokumente riecht faul - wahrscheinlich der nächste verarschungs coup der cia.
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  • - Die Rolle Pakistans

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Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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