Afghanistan Rüdiger D. starb durch Schüsse der Kidnapper

Die in Afghanistan getötete Geisel Rüdiger D. wurde durch zwei Schüsse ermordet: Das ergab jetzt die Obduktion in Deutschland. Nach einem Kreislaufkollaps ermordeten die Geiselnehmer den 50-Jährigen - und schossen nach seinem Tod noch viermal auf ihn.


Berlin - Rüdiger D. ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes nicht an den Strapazen des Marsches im Gebirge gestorben, wie es Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zunächst nahegelegt hatte. Zwar hatte er dem Obduktionsergebnis zufolge auf dem Gewaltmarsch einen Kreislaufkollaps - der aber nicht zum Tode führte, sagte Ministeriumssprecher Martin Jäger. Die Geiselnehmer entschlossen sich dann, kurzen Prozess zu machen.

Kidnapper der Deutschen (im Geiselvideo vom Dienstag): Zwei Schüsse auf den noch lebenden Rüdiger D.
al-Dschasira

Kidnapper der Deutschen (im Geiselvideo vom Dienstag): Zwei Schüsse auf den noch lebenden Rüdiger D.

Im Obduktionsbericht steht nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa: "Aufgrund der extremen Belastungssituationen während der Entführung kam es zunächst zu einem Kreislaufzusammenbruch." Dieser Kollaps habe aber "für sich genommen noch nicht zum Tod der Geisel" geführt. Weiterhin heißt es: "Auf das noch lebende Opfer wurde nach dessen Zusammenbruch zweimal geschossen. Erst nach dem daraufhin erfolgten Todeseintritt wurden noch vier weitere Schüsse auf den Körper des Opfers abgegeben."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte mit Erschütterung auf das Ergebnis der Obduktion. "Die letzten Stunden des Verstorbenen waren ein Martyrium. Seine Entführer haben ihn grausam in den Tod getrieben, seinem Leben schließlich in verbrecherischer Weise ein Ende bereitet", sagte er während einer Westafrika-Reise in Accra (Ghana). "Dieses Verbrechen darf nicht ungesühnt bleiben."

Leiche wurde im Institut für Rechtsmedizin in Köln obduziert

D.s Leiche wurde im Institut für Rechtsmedizin in Köln untersucht. Der Kollege des Getöteten, Rudolf B. aus Ottobrunn, ist weiter in der Hand der Entführer. Derzeit laufen schwierige Freilassungsverhandlungen. Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) und der Staatsminister in Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD) sagten heute erneut, die Bundesregierung sei nicht erpressbar.

Von B. war am Dienstag ein Video aufgetaucht. Nach Angaben des arabischen TV-Senders al-Dschasira fleht der Mann darin um sein Leben und ruft die Bundesregierung auf, die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen. Dies ist eine Forderung der Taliban. Sicherheitsexperten der Bundesregierung sind weiterhin mit der Analyse des Videos befasst.

In Afghanistan befinden sich auch 21 Südkoreaner in der Hand der Entführern, die sich den Taliban zurechnen. Sie erschossen bereits zwei Südkoreaner.

Der Bauingenieur D. aus Teterow (Mecklenburg-Vorpommern) war am 18. Juli zusammen mit seinem Kollegen B. verschleppt worden. Seine Leiche wurde am 22. Juli gefunden. D. soll an Diabetes gelitten haben.

Der Leichnam des Bauingenieurs war am 25. Juli an Bord einer Bundeswehrmaschine nach Köln transportiert worden. Nach einem Bericht des NDR wurde D. gestern im engsten Familienkreis in Neumünster (Schleswig-Holstein) beigesetzt. Er hinterlässt eine Frau und einen schulpflichtigen Sohn.

flo/dpa/AP/Reuters



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