Schwere Explosion in Kabul Afghanische Extremisten setzten offenbar ein Kind als Attentäter ein

Die schwere Explosion in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurde womöglich durch ein Kind ausgelöst: Der mutmaßliche Selbstmordattentäter sei höchstens 15 Jahre alt gewesen, sagen Behörden.

Polizisten transportieren Verletzte vom Anschlagsort ab
REUTERS

Polizisten transportieren Verletzte vom Anschlagsort ab


Extremisten haben in Afghanistan wohl ein Kind als Selbstmordattentäter eingesetzt: Bei der Explosion im schwergesicherten Diplomatenviertel in der Hauptstadt Kabul wurden am Dienstag mindestens fünf Passanten in den Tod gerissen, 20 weitere wurden laut einem Sprecher des Gesundheitsministeriums verletzt.

Die Behörden schätzten das Alter des mutmaßlichen Täters auf zehn bis 15 Jahre - wobei die Angaben noch minimal variieren: Ein Sprecher des Innenministeriums nannte ein Alter von 13 bis 15 Jahre, der Sprecher der Polizei erklärte, der Junge sei wohl zwischen 10 und 14 Jahre alt gewesen. Auf Videobildern sei zu sehen, wie der Junge eine Plastiktüte die Straße hinunter trug. Möglicherweise sei er aber unwissentlich in die Sache hineingeraten. Es sei zumindest möglich, dass jemand ihm die Bombe gegeben habe, ohne dass er davon wusste. Laut dem Sprecher sind alle Opfer Afghanen oder Zivilisten.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich.

Die Explosion ereignete sich wenige Meter vom Büro für auswärtige Angelegenheiten des Verteidigungsministeriums entfernt. Dessen Sprecher sagte, der Attentäter habe den ersten Kontrollpunkt zur sogenannten Grünen Zone in Kabul überwunden. Am zweiten Kontrollpunkt in dem Sperrbereich sei er gestoppt worden, woraufhin der Sprengsatz explodiert sei. Welches Ziel der Attentäter treffen wollte, sei nicht klar.

Grüne Zone sollte eigentlich sicherer werden

Die Explosion ereignete sich gegen 16.00 Uhr Ortszeit, wenn für gewöhnlich viele Angestellte ihre Büros in Kabul verlassen. Augenzeugen berichteten, wie blutende Menschen am Boden lagen und Rettungswagen zahlreiche Opfer wegbrachten.

Das Attentat ist für den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani ein Rückschlag. Er hatte nach dem Anschlag vom 31. Mai auf die deutsche Botschaft in Kabul mit mehr als 150 Toten und rund 400 Verletzten versprochen, die Sicherheitsmaßnahmen in der Grünen Zone zu verstärken. Ghani ordnete umgehend eine Untersuchung darüber an, wie es dem Attentäter gelingen konnte, so weit vorzudringen.

In dem Gebiet befinden sich zahlreiche diplomatische Vertretungen und die Büros internationaler Organisationen, auch diejenigen des Nato-Einsatzes Resolute Support und das der UN-Unterstützungsmission Unama. Der US-Geschäftsträger Hugo Llorens sprach auf Twitter von einer "feigen Attacke".

Anschlagsserie mit mehr als 200 Toten

Islamistische Attentäter hatten Afghanistan in den vergangenen Tagen mit einer Serie schwerer Anschläge auf Moscheen und Militäreinrichtungen überzogen. Hinter ihnen steckten sowohl die radikalislamischen Taliban als auch der IS.

Am 21. Oktober sprengte sich ein Selbstmordattentäter in Kabul in die Luft und riss 15 Rekruten mit in den Tod. Nur 24 Stunden zuvor verübte ein weiterer Selbstmordattentäter einen Anschlag mit 71 Toten auf eine schiitische Moschee. Bei der Serie von landesweit sieben Anschlägen starben seit dem 17. Oktober mehr als 200 Menschen.

Die Truppen der Nato-Verbündeten hatten Ende 2014 ihren Kampfeinsatz im Land beendet und danach die Ausbildungsmission Resolute Support gestartet. Derzeit haben die USA etwa 8400 Soldaten in Afghanistan stationiert. Rund 7000 beteiligen sich an der Ausbildungsmission. Sie wird auch von der Bundeswehr mit derzeit rund 930 Soldaten unterstützt.

gru/AFP

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