Kabul - Bei einem Selbstmordanschlag sind am Mittwoch im Osten Afghanistans drei Nato-Soldaten getötet worden. Sie seien Opfer eines Angriffs von Aufständischen geworden, teilte die internationale Afghanistan-Truppe Isaf mit. Nach Angaben der Polizei in der Provinz Kunar griffen zwei Selbstmordattentäter mit Sprengwesten in der Provinzhauptstadt Asad Abad eine Gruppe von US-Soldaten an. Dabei seien drei der US-Soldaten und ein Afghane getötet worden.
Die Gruppe sei zu Fuß auf dem Weg zum Gebäude des Provinz-Gouverneurs gewesen, als die Attentäter etwa 300 Meter von dem Gebäude entfernt ihre Sprengsätze gezündet hätten, sagte der Polizeichef der Provinz Kunar, Aiwas Mohammed Nasiri, SPIEGEL ONLINE. Ein Isaf-Sprecher bestätigte den Tod der Soldaten, zudem seien mehrere verletzt worden. Über die genaue Zahl und den Zustand der Verletzten machte der Sprecher keine Angaben. Nasiri zufolge kam bei dem Anschlag auch ein afghanischer Zivilist ums Leben, drei weitere seien verletzt worden. Die Taliban übernahmen die Verantwortung für das Attentat.
Bereits am Dienstag waren drei Isaf-Soldaten getötet worden. Zwei davon waren bei zwei Anschlägen im Ost- und Südafghanistan ums Leben gekommen. Der dritte Soldat war im Osten des Landes von Attentätern erschossen worden, die Uniformen der afghanischen Nationalarmee trugen.
Die rund 130.000 Isaf-Soldaten sollen bis Ende 2014 weitgehend abgezogen werden, doch Aufständische machen Teile des Landes weiter unsicher. Mit 220 Toten zwischen Januar und Juni 2012 ist die Zahl der getöteten Isaf-Soldaten nach Angaben der Website icasualties.org niedriger als im Vorjahreszeitraum, als 282 ausländische Soldaten getötet wurden. Von den rund 352.000 afghanischen Sicherheitskräften wurden zwischen April und Juli 853 getötet, während im selben Zeitraum 165 Isaf-Soldaten starben.
1145 getötete Zivilisten im ersten Halbjahr 2012
Die Zahl der zivilen Opfer im Afghanistan-Krieg ging erstmals seit fünf Jahren zurück. In den ersten sechs Monaten 2012 registrierte die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) 1145 getötete und 1954 verwundete Zivilisten. Das waren 15 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Unter den 3099 Toten und Verletzten seien 925 Frauen und Kinder gewesen, teilte Unama in Kabul mit.
Für 80 Prozent der Opfer machten die Vereinten Nationen Aufständische wie die Taliban verantwortlich, für 10 Prozent die einheimischen und ausländischen Sicherheitskräfte. Die verbleibenden 10 Prozent konnten keiner Konfliktpartei zugeordnet werden.
Stark zugenommen haben den Uno-Angaben zufolge gezielte Tötungen von Zivilisten durch Aufständische: Bei 237 solchen Attentaten seien in den ersten sechs Monaten des Jahres 255 Tote und 101 Verletzte zu beklagen gewesen, ein Plus von 53 Prozent. Ziel seien unter anderem Zivilisten, die von den Aufständischen verdächtigt würden, Regierung oder Militär zu unterstützen, hieß es im Unama-Halbjahresbericht zum "Schutz von Zivilisten im bewaffneten Konflikt". Die veränderte Taktik - weg von Gefechten, hin zu gezielten Tötungen von Zivilisten - werteten die Uno als mögliches Anzeichen dafür, dass die Aufständischen geschwächt sein könnten.
phw/naz/AFP/dpa
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