Afghanistan: Stilles Leiden in der Hölle von Shebarghan

Während sich Menschenrechtler über die Unterbringung von Kriegsgefangenen auf Kuba ereifern, spielt sich im Norden Afghanistans ein viel schlimmeres Drama ab: In einem Gefängnis sind 3300 Taliban unter barbarischen Bedingungen zusammengepfercht. Die Amerikaner wollen mit ihnen nichts mehr zu tun haben.

Boston - Es war eine der schlimmsten Schlachten des zurückliegenden Afghanistan-Feldzugs: Der Kampf um die Stadt Kundus im Norden Afghanistans. Erst nach wochenlanger Belagerung und einem Dauerbombardement gelang es den Verbündeten der USA, die Taliban Ende November zur Aufgabe zu zwingen.

Qualvolle Haft: Gefängnis von Shebarghan
Reuters

Qualvolle Haft: Gefängnis von Shebarghan

Doch für die überlebenden Krieger sollte die Hölle erst beginnen. Hunderte von ihnen wurden in das berüchtigte Gefängnis von Shebarghan verlegt. Dort sind seitdem etwa 3300 Krieger unter schlimmsten Bedingungen zusammengepfercht. Bis zu 110 Gefangene, so berichtet jetzt die Bostoner Menschenrechtsorganisation Physicians for Human Rights, seien in Zellen gesperrt, die eigentlich nur für 15 Menschen ausgelegt sind.

Je etwa 1000 Männer teilen sich acht bis zehn Toiletten. Waschmöglichkeiten gibt es nur draußen, in eisiger Kälte und auf schlammigem Boden. Es gibt kein fließendes Wasser, nur wenig Nahrung und kaum Medikamente. Dutzende sind bereits Krankheiten wie Ruhr und Unterernährung zum Opfer gefallen. Der Kommandeur des Gefängnisses, General Jarobak, auf die Frage, wie viele bereits gestorben seien: "Viele, viele, viele."

Bis Mitte Januar halfen die Amerikaner dem berüchtigten Warlord General Abdul Raschid Dostam, derzeit stellvertretender Verteidigungsminister der Übergangsregierung, das Gefängnis zu betreiben. US-Militärs und Geheimdienstler interviewten dutzende von Gefangenen, einige flogen sie anschließend in das US-Lager Guantanamo Bay auf Kuba. Doch seitdem, so klagt die Menschenrechtsgruppe, hätten sich die Amerikaner von dem Ort des Schreckens abgewandt und die Internierten ihrem Schicksal überlassen. Offenbar hoffen sie darauf, dass humanitäre Gruppen die Lage in dem Höllenknast lindern.

Physicians for Human Rights argumentiert, dass die Amerikaner nach der Genfer Konvention nach wie vor für das Schicksal der Eingekerkerten verantwortlich sind: "Diese Verpflichtung besteht unabhängig davon, ob die Amerikaner die Internierten gefangen haben, wer derzeit die Aufsicht hat oder ob die Festgehaltenen formal Kriegsgefangene der USA sind."

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