Afghanistan Studie prangert Verwicklung der Regierung in Drogengeschäfte an

Der Kampf gegen die Drogenindustrie in Afghanistan verläuft schleppend. Das liegt laut einer neuen Studie daran, dass einflussreiche Politiker selbst in die schmutzigen Geschäfte verstrickt sind. Die Regierung Karzai hat demnach kaum Interesse an einem entschlossenen Kampf gegen die Kriminellen.

Opium-Bauer in Afghanistan: Profite für die "politische Oberwelt"
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Opium-Bauer in Afghanistan: Profite für die "politische Oberwelt"


Berlin - Schwere Vorwürfe gegen die afghanische Regierung: Die politische Führung des Landes um den Präsidenten Hamid Karzai "hat nicht den politischen Willen", gegen die florierende Drogenindustrie in ihrem Land vorzugehen, weil einflussreiche Politiker selbst in die schmutzigen Geschäfte verstrickt sind - das ist das Ergebnis einer Studie der Berliner Wissenschaftlerin Citha D. Maaß von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Das Papier trägt den Titel "Afghanistans Drogenkarriere".

Mit einem Anteil von derzeit 93 Prozent am illegalen Weltmarkt für Opiate (Opium, Morphin, Heroin) hat das asiatische Land eine Monopolstellung erlangt. Seit kurzem ist Afghanistan auch wieder zu einem global führenden Produzenten von Cannabis (Haschisch) geworden.

Die internationale Gemeinschaft hatte die Regierung in Kabul zuletzt auf der Afghanistan-Konferenz in London gemahnt, entschlossener gegen Drogen und Korruption im eigenen Land anzugehen. Nach Ansicht der renommierten Afghanistan-Expertin geht das aber nicht weit genug. Demnach fehlt auch den Vereinigten Staaten, der Uno und der gesamten internationalen Gemeinschaft die Bereitschaft, "die afghanische Regierung und die politischen Partner in den Provinzen zu entschlossenem Vorgehen zu drängen". Auch die Gründe für die angebliche Zurückhaltung nennt die Forscherin: Die westliche Seite wolle auf nationaler Ebene eine weitere Schwächung der Regierung Karzai vermeiden und befürchte auf Provinzebene "berechtigterweise Vergeltungsschläge gegen internationale Soldaten und zivile Entwicklungsexperten".

Afghanistans Aufstieg zum weltweit größten Lieferanten für Opiate und Cannabis vor allem den aufständischen Taliban zuzuschreiben, hält die Wissenschaftlerin für eine "einseitige Schuldzuweisung". Dass im Süden des Landes Drogen angebaut werden, resultiere aus den ohnehin unsicheren Verhältnissen in der Region - und sei nicht die Ursache für die Zustände. Davon profitierten die Regierung Karzai und die "politische Oberwelt" ebenso wie die Aufständischen im Untergrund. Die Gegend ermögliche Mitgliedern des politischen Establishments, vorwiegend frühere Kriegsherren, sich ungestört in einer ordnungspolitischen Grauzone zu bewegen, so Maaß. Sie agierten als regionale "Sicherheitsunternehmer" und seien so in der Lage, "Profite aus der Drogen- und Schattenwirtschaft im legalen Wirtschaftssektor reinzuwaschen".

Die Afghanistan-Expertin macht in ihrer Studie auch Vorschläge, wie dieses System durchbrochen werden könnte. Wer in Drogengeschäfte verwickelt sei - solche Politiker bezeichnet Maaß als "politischen Patrone" -, solle zumindest aus dem Amt entfernt werden, wenn eine strafrechtliche Verfolgung aus politischen Gründen schon nicht möglich sei. Nur eine langfristige Strategie könne die Drogenproduktion nachhaltig reduzieren. Dafür seien "20 bis 30 Jahre" nötig.

Man hätte sich diese Studie von Citha D. Maaß in der Mappe jedes Delegierten bei der Londoner Afghanistan-Konferenz gewünscht.

ihl

Forum - Soll der Westen in Afghanistan mit den Taliban zusammenarbeiten?
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akolyth2 23.01.2010
1. Zusammenarbeit
Dies ist vollkommen undenkbar. Eine Erhöhung der Militärpräsenz und eine Ausweitung der militärischen Maßnahmen in Zahl, Intensität und Härte sind die einzigen angezeigten Mittel.
Panslawist 23.01.2010
2.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Gestern Russlands Mahnung zur Bekämpfung der Finanzierung des Terrorismus und heute die Frage nach einer Zusammenarbeit mit den Taliban. Der geneigte Forist mag sich an meine Voraussage bezüglich des kommenden Konflikts zwischen der Nato auf der einen und Russland und China auf der anderen Seite erinnern. Ein möglicher Konflikt zwischen Pakistan und Indien wird der beginn für den grossen Kriegt sein.
Peter Uhlemann 23.01.2010
3.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Eindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" zu vernichten wird nicht gelingen, nicht heute, nicht morgen, nicht in 100 Jahren.
natterngesicht 23.01.2010
4.
Zitat von sysopÜber die richtige Strategie des Westens in Afghanistan wird intensiv diskutiert. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man künftig mit dem Widerstand im Lande umgeht. Soll im Rahmen einer Gesamtstrategie auch mit den Taliban zusammengearbeitet werden?
Ja was denn sonst? Schließlich gibt es genug gemäßigte Taliban. Der Westen kann nichts von oben bestimmen, die einheimischen Politiker und Eliten sind zuständig. Und dazu gehören nun mal die Taliban (übersetzt heißt Taliban: Theologe, jemand der sich in Glaubensdingen anstrengt bzw bemüht. Quasi ein Theologiestudent. "Freedom & democracy" ist nur eine andere Theologie. Der Islam hat natürlich bessere Karten bei den Einheimischen.)
natterngesicht 23.01.2010
5.
Zitat von Peter UhlemannEindeutig ja. Um diesen unseligen Krieg endlich zu beenden und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle leben können, müssen alle Kräfte in Afghanistan eingebunden werden, auch die "Taliban". Die "Taliban" zu vernichten wird nicht gelingen, nicht heute, nicht morgen, nicht in 100 Jahren.
Wer die Taliban vernichten will, der will die meisten Afghanen vernichten. Warum sollte das jemand wollen, außer vielleicht Bush, der wußte, wer oder was böse ist.
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