Afghanistan: Taliban-Attacken zwingen US-Armee zu Gegenoffensive
400 Taliban-Angriffe allein in einer Woche: Die Gewalt in Afghanistan hat einen neuen Höhepunkt erreicht, die Lage ist so gefährlich wie nie seit dem Krieg von 2001. US-General David Petraeus kündigt jetzt einen verschärften Kampf gegen die Islamisten an: "Vor uns liegen harte Monate."
Washington - Petraeus malte auf einer Veranstaltung in Washington ein düsteres Bild von der Lage in Afghanistan: "Ohne Frage, die Situation hat sich verschlechtert", sagte der Oberbefehlshabe der US-Truppen im Nahen und Mittleren Osten bei einer Konferenz des Sicherheitsinstituts "Center for a New American Security" in Washington: "Dies müssen wir ändern."
US-Soldat beim Einsatz in Afghanistan: "Die Situation hat sich verschlechtert", warnt General Petraeus.
Zwei Drittel aller Angriffe der Taliban würden sich derzeit auf zehn Prozent der Bezirke des Landes konzentrieren, berichtete Petraeus. Das seien die Gebiete, in die jetzt mehr als 20.000 zusätzliche US-Soldaten gebracht würden, um die Aufständischen zu verfolgen und den Afghanen mehr Sicherheit zu bringen.
Die Gesamtzahl der US-Truppen in Afghanistan wird laut Petraeus durch die von Obama beschlossene Verstärkung bis zum Herbst dieses Jahres auf 68.000 Mann steigen. Ende 2008 seien noch 31.000 US-Soldaten in Afghanistan gewesen. Zu den neuen Truppen zählten Kampfverbände der Marines und der Armee. Außerdem würde die Zahl der für Einsätze im Süden Afghanistans zur Verfügung stehenden Hubschrauber verdoppelt, sagte der General.
Erst am Mittwoch hatte der US-Senat grünes Licht für die Berufung von General Stanley McChrystal zum neuen Oberkommandierenden der US- und Nato-Truppen in Afghanistan gegeben. Der Experte für Spezialoperationen soll als Nachfolger des abgesetzten Kommandeurs David McKiernan den Kampf gegen die wieder erstarkten Taliban voranbringen. Neben der verstärkten Truppenpräsenz gilt auch der milde Winter als Grund für den Anstieg der Gewalt: Taliban-Kämpfer und andere Aufständische konnten dadurch ungehindert von Pakistan aus nach Afghanistan eindringen.
Auch ein Bericht der Nato-Schutztruppe Isaf sieht die Gewalt in Afghanistan auf einem neuen Höhepunkt. In den ersten fünf Monaten des Jahres sei die Zahl der Angriffe durch Aufständische gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 59 Prozent gestiegen, heißt es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters in dem Report. Besonders stark nahm die Gewalt demnach im Süden des Landes zu: Dort stieg die Zahl der Extremistenangriffe im Zeitraum von Januar bis Mai im Vergleich zum Vorjahr um 78 Prozent. Dem Isaf-Bericht zufolge stieg die Zahl der Einsätze von afghanischen und Nato-Truppen in den ersten fünf Monaten des Jahres um rund ein Drittel.
als/dpa/Reuters
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