Afghanistan Taliban bieten Regierung Gefangenenaustausch an

Die radikalislamischen Taliban sind offenbar bereit, Gefangene auszutauschen. Vermittler in Kabul bestehen allerdings erst auf Friedensgesprächen - die Aufständischen lehnen das ab.


Wenn es ernst gemeint ist, hat das Angebot Seltenheitswert: Die radikalislamischen Taliban haben der afghanischen Regierung einen Gefangenenaustausch vorgeschlagen. Die Offerte machte Sprecher Kari Ahmadi in einer auf einer Taliban-Webseite veröffentlichten Botschaft.

Laut Ahmadi hätten die Taliban mit "internationalen, neutralen Stellen" in der Sache verhandelt. Ob damit Entwicklungshilfeorganisationen, Regierungen oder die Uno gemeint sind, wurde zunächst nicht klar.

Bislang machen die Aufständischen die Freilassung von Gefangenen zur Vorbedingung für Friedensgespräche. Vertreter des Hohen Friedensrats verlangen eine umgekehrte Reihenfolge: Ratsmitglied Mawlawi Shafiullah Shafi sagte, ein Austausch könne diskutiert werden, sobald Friedensgespräche begonnen hätten. Der Hohe Friedensrat ist ein von der Regierung unabhängiges Gremium, das Gespräche mit den Taliban in Gang bringen soll.

Die Taliban hatten die jüngste Friedensinitiative der Regierungen von Afghanistan, Pakistan, China und der USA erst vor Kurzem abgelehnt. Es ist unklar, wie viele Taliban sich in afghanischer Gefangenschaft befinden und wie viele Afghanen - vor allem Mitglieder der Streitkräfte - in der Hand der Taliban sind.

Nach Angaben des Sprechers des Verteidigungsministeriums, Mohammad Radmanisch, werden allein in der Provinz Faryab 13 Soldaten festgehalten. Neben Regierungssoldaten entführen die Taliban regelmäßig Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen. Zudem sind immer noch sieben Afghanen in Haft im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba. Die meisten gelten als Taliban.

Die Taliban sind seit dem Abzug internationaler Truppen aus Afghanistan auf dem Vormarsch: Ende Februar hatten sich Regierungstruppen aus weiten Teilen der Unruheprovinz Helmand zurückgezogen.

cht/dpa



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