Afghanistan Taliban drohen mit Anschlägen während Wahlen

Die Parlamentswahl in Afghanistan soll in knapp zwei Wochen stattfinden - mit dreijähriger Verspätung. Die Taliban nennen die Abstimmung "eine amerikanische Verschwörung" und wollen sie torpedieren.

Wahlplakate in Afghanistan
JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Wahlplakate in Afghanistan


Die radikalislamischen Taliban wollen den Ablauf der anstehenden Parlamentswahlen in Afghanistan nach eigenen Angaben mit Angriffen auf die Sicherheitskräfte stören. Jeder, der die Durchführung der für den 20. Oktober angesetzten Abstimmung durch "Sicherheitsdienste" unterstütze, solle "zum Ziel werden", drohte ein Taliban-Sprecher in einer auf Englisch verfassten Mitteilung.

"Kein Stein soll auf dem anderen bleiben", um die Abstimmung zu verhindern und zum "Scheitern" zu bringen, hieß es weiter. Die Wahlen seien überdies eine "hinterhältige amerikanische Verschwörung".

Die afghanischen Parlamentswahl am 20. Oktober ist seit drei Jahren überfällig. Die Abstimmung sollte ursprünglich schon 2015 stattfinden, wurde aber wegen Sicherheitsbedenken und logistischer Probleme immer wieder verschoben. Insgesamt sind geschätzt 14 Millionen Menschen wahlberechtigt. Ein im Juni ausgerufener Waffenstillstand zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban hatte nur kurze Zeit gehalten - bereits ab Juli nahm die Gewalt in Afghanistan wieder deutlich zu.

Zahl ziviler Terroropfer ist gestiegen

Die unabhängige Wahlkommission hat schon vor den Warnungen durch Mudschahid angekündigt, am Wahltag mindestens 54.000 Truppen zur Sicherung der landesweit 5100 Wahllokale einsetzen zu wollen. In den vergangenen zwei Monaten wurden mindestens acht Parlamentskandidaten getötet.

In der vergangenen Woche wurden mindestens 18 Menschen bei einem Selbstmordanschlag der Terrormiliz "Islamischer Staat" auf einer Wahlkampfveranstaltung in der östlichen Provinz Nangarhar getötet. Knapp 50 Personen wurden verletzt. Laut einem Uno-Bericht ist die Zahl ziviler Opfer bei Terroranschlägen zuletzt gestiegen.

US-Sondergesandter zu Gesprächen in Afghanistan

Derzeit befindet sich der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, zu Gesprächen über den ins Stocken geratenen Friedensprozess mit den Aufständischen vor Ort. Am Sonntagabend traf er sich zu Gesprächen unter anderen mit Afghanistans Präsident Aschraf Ghani. Das teilte das Präsidialbüro mit.

Kabuls Regierungschef Abdullah Abdullah begrüßte den Besuch des aus Afghanistan stammenden Khalilzad in einer Fernsehansprache. Eine größere Aufmerksamkeit für den Friedensprozess erhöhe auch dessen "Erfolgsaussichten", sagte Abdullah.

Der US-Sondergesandte befindet sich auf einer zehntägigen Reise durch die Region und wird auch in Pakistan, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Katar erwartet.

aev/AFP/dpa

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