Afghanistan Taliban kündigen Rache an

Die Taliban wollen die Zahl ihrer Selbstmordanschläge in den nächsten Tagen erhöhen. Damit wollen sie für den Tod zahlreicher Zivilisten in den vergangenen Tagen Vergeltung üben. Die Skandalfotos von Bundeswehrsoldaten stärken die Taliban weiter, fürchtet eine Menschenrechtskommission.


Kabul - Taliban-Kommandeur Mullah Dadullah kündigte heute blutige Rache an: Man werde "den Mördern der afghanischen Frauen und Kinder" keine Ruhe gönnen, die Niederlage der ausländischen Soldaten sei unausweichlich." Wir wollen die ausländischen Truppen und ihre Sklaven wissen lassen, dass ihre Niederlage in Afghanistan unausweichlich ist", sagte Dadullah. Die radikal-islamischen Taliban kämpften "bis zum Tod und werden Selbstmordangriffe in den kommenden Tagen verstärken". Er wies Vorwürfe der Nato zurück, Zivilisten als menschliche Schutzschilde gegen Angriffe der internationalen Schutztruppe Isaf zu missbrauchen.

Taliban-Kämpfer in Kandahar: Mehr Selbstmordattentate angekündigt
REUTERS

Taliban-Kämpfer in Kandahar: Mehr Selbstmordattentate angekündigt

Heute früh waren erneut Zivilisten Opfer eines Blutbades geworden. Bei einer Bombenexplosion in einem Bus starben in der Provinz Urusgan mindestens 14 Zivilisten. Es ist bisher unklar, ob es sich um ein Selbstmordattentat oder einem Sprengsatz am Straßenrand handelte.

Die Nato-geführte Internationale Afghanistan-Truppe (Isaf) hat heute eingeräumt, bei ihren Luftangriffen auf mutmaßliche Taliban-Kämpfer am Dienstag zwölf afghanische Zivilisten getötet zu haben. Soldaten hätten nach den Angriffen in der südafghanischen Provinz Kandahar zwölf Leichen von Zivilisten identifiziert, sagte ein Isaf-Sprecher in Kabul. Die Zahl der zivilen Opfer könnte seinen Worten zufolge jedoch noch höher liegen. Ein Vertreter des Innenministeriums in Kabul sprach von mindestens 25 getöteten Dorfbewohnern.

Die Nato, das afghanische Verteidigungsministerium und eine Gruppen von Stammesältesten aus der Region untersuchen inzwischen die Todesfälle. Präsident Hamid Karsai sprach den Angehörigen heute sein Beileid aus. Solche Vorfälle könnten nur verhindert werden, wenn mehr afghanische Soldaten an den Einsätzen beteiligt würden, sagte er. Diese könnten eher Aufständische von normalen Bürgern unterscheiden.

Experten warnten, dass zivile Opfer bei Nato-Angriffen - wie auch die Bundeswehr-Bilder - die Taliban stärken könnten. "Solche Taten können als Katalysator für die Taliban dienen, um ihr Profil zu stärken und weitere Anhänger zu gewinnen", sagte Nadir Nadiry von der unabhängigen Organisation Menschenrechtskommission.

Insgesamt sind die Gefechte in Afghanistan in diesem Jahr die schlimmsten seit dem US-geführten Sturz der Taliban 2001. Seit dem Anfang dieses Jahres sind mindestens 3000 Menschen getötet worden, die meisten davon Aufständische. Unter den Toten sind jedoch auch hunderte Zivilisten und etwa 150 ausländische Soldaten. Die Taliban sind insbesondere im Süden des Landes aktiv. Die Bundeswehr ist im vergleichsweise ruhigen Norden und der Hauptstadt Kabul stationiert.

ler/Reuters/AFP

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