Überfallene Busse in Afghanistan Taliban lassen Großteil der Geiseln wieder frei

Taliban-Kämpfer haben drei Busse entführt und mehr als hundert Menschen als Geiseln genommen. Die meisten von ihnen sind nun wieder frei - fast zwei Dutzend befinden sich aber weiter in den Händen der Extremisten.

Autobahn in Afghanistan (Symbolbild)
JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Autobahn in Afghanistan (Symbolbild)


Nach der Entführung von 165 Busreisenden in Nordafghanistan durch die radikalislamischen Taliban sind die meisten von ihnen wieder frei. 144 Menschen seien am späten Montagnachmittag (Ortszeit) in Chanabad in der Provinz Kunduz angekommen, sagte der Polizeichef von Chanabad, Abdul Sahir. Die Taliban hätten sie freigelassen.

Taliban-Kämpfer hatten am Morgen auf einer Überlandstraße drei Busse angehalten und in von ihnen kontrolliertes Gebiet gebracht. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe Informationen gehabt, dass sich in den Bussen Sicherheitskräfte befänden.

21 Reisende sind laut Polizei weiterhin in den Händen der Taliban. Ein Dutzend davon seien wohl Sicherheitskräfte, die anderen hätten sich nicht ausweisen können. Es gab widersprüchliche Angaben darüber, wie die Geiseln freikamen und wie viele es waren: Laut Innenministerium hat ein Suchtrupp der afghanischen Streitkräfte 149 Geiseln befreit.

Taliban haben Waffenruhe noch nicht zugestimmt

Taliban-Kämpfer errichten immer wieder Kontrollposten auf Überlandstraßen und durchsuchen Autos und Busse nach Mitarbeitern der Regierung und Sicherheitskräften. Gefangengenommene Regierungsvertreter oder Soldaten und Polizisten wurden oft getötet. Analysten zufolge fordern Taliban-Kämpfer sie neuerdings öfter dazu auf, zu kapitulieren oder sich ihnen anzuschließen. So wollen die Taliban ihr Image in der Bevölkerung verbessern und Teile der Bevölkerung für sich gewinnen. Allerdings gibt es weiterhin Berichte von Folter und Tötungen nach Gefangennahmen.

Erst am Sonntag hatte Präsident Aschraf Ghani den Taliban erneut ein Waffenstillstandsangebot gemacht und den Aufständischen eine dreimonatige Waffenruhe angeboten. Die Regierung werde diese von diesem Montag an einhalten, wenn sich auch die Aufständischen daran hielten, hieß es. Eine Antwort der Extremisten steht noch aus.

Taliban-Sprecher Mudschahid dementierte Medienberichte, denen zufolge die Taliban-Führung die Aufständischen angewiesen hatte, den Kampf gegen die afghanische Regierung fortzuführen. Vielmehr gebe es noch keine offiziell zu verkündende Entscheidung.

Die Taliban kontrollieren laut Militärangaben knapp 14 Prozent des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft. Die Aufständischen haben ihre Angriffe in den vergangenen Wochen noch einmal intensiviert. Vergangene Woche überfielen sie die östliche Provinzhauptstadt Gazni und nahmen für mehrere Tage Teile der Stadt ein.

kry/dpa



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