Afghanistan Taliban töten 19 Polizisten - und kündigen Waffenruhe an

Die Taliban haben in Afghanistan erneut Polizisten angegriffen und getötet. Die Nachrichtenagentur AFP spricht von mindestens 19 Opfern. Kurz darauf kündigten die Islamisten einen dreitägigen Waffenstilstand an.

Sicherheitskräfte in Kabul (Archivbild)
AP

Sicherheitskräfte in Kabul (Archivbild)


Bei einem Angriff der radikalislamischen Taliban im Norden Afghanistans sind am Samstag nach Angaben der Behörden mindestens 19 Polizisten getötet worden. Die Taliban hätten am frühen Morgen einen Stützpunkt in der Provinz Kundus angegriffen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Sprecher des Gouverneurs.

Etwa zeitgleich griffen die Taliban einen Stützpunkt des afghanischen Militärs in der Provinz Herat im Westen des Landes. Dabei seien 17 Soldaten getötet worden, sagte ein Sprecher der Provinzregierung am Samstag. Auch mehrere Taliban-Kämpfer seien bei dem Angriff ums Leben gekommen.

Kurz darauf kündigten die Taliban eine dreitägige Waffenruhe an, die zum islamischen Fest des Fastenbrechens am Ende des Fastenmonats Ramadan gelten soll. Vom 16. bis 18. Juni würden die Kämpfer ihre Angriffe auf afghanische Truppen einstellen, teilte die Führung der Taliban am Samstag mit. Die Waffenruhe gelte jedoch nicht für internationale Truppen, hieß es. Zudem würde jedem Angriff des afghanischen Militärs mit Gewalt begegnet.

Das Fastenbrechen ist das wichtigste Fest für Muslime, bei dem sich die Familien zum Mahl versammeln. In Afghanistan besuchen die Menschen auch die Gräber ihrer getöteten Angehörigen. In der Vergangenheit hatten Taliban häufig während des Festes Menschenmengen angegriffen.

Auch die Regierung in Kabul hat eine befristete Waffenruhe mit den Taliban vom 12. bis zum 20. Juni angekündigt. In diesem Zeitraum würden die Sicherheitskräfte alle Angriffe auf die Islamisten einstellen, hatte Präsident Aschraf Ghani bereits am Donnerstag auf Twitter mitgeteilt.

Dass auch die Extremisten nun zum Ende des Ramadans eine Feuerpause verkündeten, kommentierte die Regierung in Kabul zunächst nicht. Doch der afghanische Botschafter im Nachbarland Pakistan äußerte die Hoffnung, die Waffenruhe könne anhalten.

Skeptisch gab sich dagegen ein europäischer Diplomat. In wenigen Tagen werde die Einigkeit der Taliban auf die Probe gestellt, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn die verschiedenen Gruppen sich nicht an die Feuerpause halten, dann werden die Angriffe weitergehen."

stk/AFP/dpa/Reuters



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