Schwere Gefechte Taliban töten Dutzende Soldaten in Afghanistan

Die radikalislamischen Taliban haben etliche Orte in Nordafghanistan angegriffen - und einen Bezirk an der Grenze zu Turkmenistan erobert. Dabei wurden fast 60 Sicherheitskräfte getötet, viele verletzt.

Afghanische Sicherheitskräfte
WATAN YAR/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Afghanische Sicherheitskräfte


Vor wenigen Wochen sind die Taliban Ghazni kurzzeitig einmarschiert. Die Großstadt liegt nur etwa hundert Kilometer von Kabul entfernt. Ein Frieden mit der radikalislamischen Gruppe in Afghanistan ist nicht in Sicht.

In der Nacht zu Montag haben Talibankämpfer nun mehrere Militäreinrichtungen in Nordafghanistan überrannt und einen weiteren Bezirk erobert. Dabei wurden bei mindestens fünf Angriffen Dutzende Sicherheitskräfte getötet und verwundet.

Eine Militärbasis, eine Polizeiwache sowie mehrere Kontrollposten im Gebiet Balghali im Zentrum der Provinzhauptstadt Sar-i-Pul seien aus drei Richtungen von den Aufständischen angegriffen worden, sagte der Provinzrat Asif Sadiki. Allein dabei seien mindestens 17 Sicherheitskräfte getötet und weitere zehn verwundet worden.

"Die Menschen haben große Angst"

Balghali befinde sich nun unter Kontrolle der Taliban. Laut Sadiki sind dort etwa 300 Sicherheitskräfte der Armee und Polizei stationiert. Aktuell bestehe kein Kontakt zu ihnen. Vereinzelte Soldaten hätten in einen anderen Stützpunkt in der Stadt flüchten können. Luftstreitkräfte hätten bereits mit Angriffen begonnen, sagte Sadiki.

Der Provinzrat Asadullah Danisch befürchtete, ohne Verstärkung könnte die ganze Stadt Sar-i-Pul an die Taliban fallen. "Die Menschen haben große Angst", sagte er. Zwei weitere Angehörige der Sicherheitskräfte seien in der Provinz Sar-i-Pul bei einem Angriff auf einen Kontrollposten im Bezirk Sajad getötet worden, der gleich im Süden an die gleichnamige Provinzhauptstadt angrenzt, sagte Danisch.

In der nördlichen Provinz Kunduz im Bezirk Dascht-e Artschi griffen die Taliban eine gemeinsame Basis von Militär und Polizei an. Dabei seien mindestens 16 Sicherheitskräfte getötet und weitere 18 verwundet worden, sagte der Provinzrat Safiullah Amiri.

Grenzbezirk zu Turkmenistan erobert

In der Provinz Dschausdschan eroberten die Aufständischen nach zweitägigen Gefechten mit Sicherheitskräften einen Bezirk an der Grenze zu Turkmenistan. Das Bezirkszentrum von Khamiab sei unter Talibankontrolle, sagte der Chef der Geheimdienstabteilung der Polizei der Provinz, Abdul Hafis Choschi.

Acht Sicherheitskräfte seien bei den Kämpfen getötet worden, weitere drei seien verletzt worden. Alle Sicherheitskräfte hätten sich in Richtung Provinzhauptstadt Scheberghan zurückgezogen.

In der nördlichen Provinz Samangan wurden bei einem Überfall auf einen Kontrollposten im Bezirk Dara-e Suf-e Pain 14 Polizisten getötet und weitere sechs verletzt, wie der Provinzrat Alim Sadat mitteilte.

In den vergangenen Monaten haben die Taliban ihre Angriffe massiv verstärkt. Dabei töten sie immer wieder Dutzende Sicherheitskräfte. Laut Militärangaben kontrollieren die Aufständischen knapp 14 Prozent der Bezirke des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft. Andere Quellen sehen allerdings eine höhere Dominanz der Aufständischen.

dop/dpa



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