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Afghanistan: Talibansprecher schlägt Obamas Gesprächsangebot schroff aus

US-Präsident Obama erwägt Gespräche mit gemäßigten Taliban. Gegenüber SPIEGEL ONLINE nennt ein Sprecher der militanten Islamisten die Offerte jetzt allerdings "sinnlos" -und fordert den Abzug aller westlichen Truppen, bevor es Gespräche geben könne.

Kabul - Barack Obama hat einen neuen Ton angeschlagen, auch in Sachen Afghanistan. Der neue US-Präsident erwog zuletzt sogar öffentlich, Gespräche mit gemäßigten Taliban in Afghanistan zu führen. Doch die weisen die Offerte schroff zurück. Sabihullah Mudschahed, der seit mehr als zwei Jahren als Sprecher der Radikalislamisten fungiert und regelmäßig über ihre Aktivitäten berichtet, bezeichnete die Offerte aus den USA im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE als "sinnlos".

US-Soldaten in Afghanistan: Taliban lehnen Gespräche ab
AFP

US-Soldaten in Afghanistan: Taliban lehnen Gespräche ab

"Obama hat gesagt, er wolle sich an gemäßigte Taliban wenden", sagte der Sprecher, "doch solche Taliban gibt es nicht in Afghanistan". Mudschahed, der stets die Propaganda der Taliban mit Kampfaufrufen und stark übertriebenen Berichten über die militärischen Aktionen der Guerilla-Armee antreibt, betonte, es gebe "nur eine Taliban-Bewegung" und diese sei nicht zu Verhandlungen bereit.

Erst Rückzug, dann Gespräche

"Unsere Kämpfer und Kommandanten gehorchen den Befehlen von Mullah Omar und werden nicht verhandeln", so der Sprecher. Gespräche mit der afghanischen Regierung oder gar den Amerikanern könne es nur geben, wenn diese zuerst die Bedingungen der Taliban erfüllten. "Die internationalen Truppen müssen vollständig abziehen, erst dann kann es Gespräche geben", forderte Sabihullah Mudschahed. Zudem erteilte er Vorstellungen, die Kämpfer von Mullah Omar könnten nach einem Deal ihre Waffen niederlegen, eine klare Absage. "Wir werden unsere Waffen nie abgeben", betonte Mudschahed.

Obama hatte in einem Interview mit der "New York Times" davon gesprochen, dass die USA den Krieg in Afghanistan nicht gewinnen könnten. Um einen Weg der Versöhnung einzuschlagen, erwäge der US-Präsident Gespräche zwischen den amerikanischen Streitkräften und gemäßigten Vertretern der radikal-islamischen Taliban.

Er verwies dabei auf das Beispiel Irak. Dort habe sich die Situation gebessert, als die US-Streitkräfte unter dem damaligen Oberkommandierenden General David Petraeus mit sunnitischen Aufständischen verhandelt haben: "Wenn Sie mit General Petraeus sprechen würden, denke ich, dass er argumentieren würde, dass Teil des Erfolgs im Irak das Zugehen auf Menschen war, die wir als islamische Fundamentalisten bezeichnen würden", sagte Obama.

Unterdessen starb im Süden Afghanistans ein kanadischer Soldat der Internationalen Schutztruppe Isaf bei einem Bombenanschlag. Wie das kanadische Verteidigungsministerium am Montag mitteilte, wurden vier weitere Soldaten bei der Explosion des am Straßenrand versteckten Sprengsatzes in der Provinz Kandahar verletzt. Die Nato-geführte Isaf bestätigte den Vorfall, der sich am Sonntag ereignete. Kandahar und die Nachbarprovinz Helmand gelten als Hochburg der radikal-islamischen Aufständischen. Die meisten der etwa 2500 kanadischen Soldaten sind in dieser Region stationiert. Bisher sind mehr als 100 Kanadier beim Einsatz in Afghanistan ums Leben gekommen.

Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
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Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.

Shoib Najafizada, mit Material von dpa

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