Afghanistan Tote bei Protesten vor Bundeswehrlager

In Afghanistan haben rund 2000 Menschen vor einem Lager der Bundeswehr demonstriert. Der Protest in der Stadt Talokan eskalierte, elf Demonstranten wurden afghanischen Angaben zufolge getötet, 50 weitere verletzt.

Bundeswehrpatrouille in Talokan: Rund 40 Soldaten sind in der Stadt stationiert
REUTERS

Bundeswehrpatrouille in Talokan: Rund 40 Soldaten sind in der Stadt stationiert


Talokan - Schwerer Zwischenfall im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Afghanistan: Bei Protesten gegen den Einsatz westlicher Streitkräfte im Norden des Landes sind mindestens elf Menschen getötet worden. Mehr als 50 Verletzte seien in ein Krankenhaus von Talokan, der Hauptstadt der Provinz Tachar, gebracht worden, sagte der Leiter der örtlichen Gesundheitsbehörden am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam sagte, eine gewalttätige Demonstration habe sich gegen das Lager der Bundeswehr in Talokan gerichtet. Nähere Angaben machte er zunächst nicht.

Bei den Protesten vor dem Camp sind nach afghanischen Angaben auch zwei deutsche Soldaten verletzt worden. Der Gouverneur der Provinz Tachar, Abdul Jabar Taqwa, sagte der Nachrichtenagentur dpa, Aufrührer hätten Handgranaten in das Lager geworfen.

Die Demonstranten riefen Schmährufe gegen die USA und Afghanistans Präsident Hamid Karzai. "Tod Karzai! Tod den USA!" hieß es. Die Proteste wurden dann gewalttätig, als einige Demonstranten begannen. Läden zu plündern und Steine auf den Posten der Bundeswehr zu werfen.

Hintergrund der Proteste war ein Einsatz der Nato in der Nacht, bei dem nach afghanischen Angaben Zivilisten getötet worden waren. Der Polizeichef Tachars, Schah Dschehan Nuri, sagte: "Sie waren alle Zivilisten." Er verurteilte die Operation, die nach seinen Worten nicht mit afghanischen Sicherheitskräften abgesprochen war. Das Militärbündnis sprach hingegen von vier getöteten Aufständischen. Die Bundeswehr war nach Angaben eines Sprechers nicht an dem nächtlichen Einsatz beteiligt.

Der Gouverneur sagte weiter, bei dem Vorfall in Talokan seien auch drei afghanische Wachleute verletzt worden. Ein Demonstrant namens Abdul Khalik, der Verletzte ins Krankenhaus brachte, sagte am Mittwoch, zunächst habe die Polizei auf Demonstranten geschossen. Dann seien deutsche Soldaten aus dem Camp gekommen. Khalik machte keine Angaben dazu, ob auch die Bundeswehr das Feuer eröffnete. Er sagte, manche der rund 2000 Demonstranten seien bewaffnet gewesen. Andere Quellen sprachen von etwa 1000 Protestierenden.

Die Bundeswehr unterhält in Talokan nur ein kleines Camp - ein sogenanntes Provinz-Beratungsteam (Provincial Advisory Team/PAT) - mit rund 40 Soldaten. Der Gouverneur sagte, Stammesälteste hätten inzwischen interveniert. Die Situation komme langsam wieder unter Kontrolle.

Bei einer gewaltsamen Demonstration in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif waren zu Beginn des vergangenen Monats vier nepalesische und drei europäische Uno-Mitarbeiter von einem Mob getötet worden. Auch vier Demonstranten waren ums Leben gekommen.

hen/dpa/AFP

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insgesamt 26 Beiträge
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JohnDoe24 18.05.2011
1. Die deutschen Qualitaetsmedien
wueden ja wohl auch nicht darueber berichten wie unsere ach so tapferen Heimatverteidiger am Hindukusch ein paar arme Fellachen niederschiessen. Fuer mich ein weiterer Beweis das Deutschland sich dort nie haette engagieren sollen!
hwolf@gmx.net 18.05.2011
2. Raus!
Zitat von sysopIn Afghanistan haben*rund 2000 Menschen*vor einem Lager der Bundeswehr demonstriert. Der Protest in der Stadt Talokan eskalierte, elf Demonstranten wurden afghanischen Angaben zufolge getötet, 50 weitere verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763275,00.html
Wieder ein Grund mehr, da rauszugehen, und zwar schnellstens. Wir sind da nicht willkommen, und gegen die Bevölkerung können wir nichts erreichen.
eulenspiegel 47 18.05.2011
3. ***
Zitat von sysopIn Afghanistan haben*rund 2000 Menschen*vor einem Lager der Bundeswehr demonstriert. Der Protest in der Stadt Talokan eskalierte, elf Demonstranten wurden afghanischen Angaben zufolge getötet, 50 weitere verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763275,00.html
So sieht heute die Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch aus. Wie will man da unseren Großeltern vorwerfen noch 1945 an den Endsieg geglaubt zu haben.
sponsch 18.05.2011
4. Oje
Mal gespannt, wer sich jetzt wieder hier vor einem Tribunal verantworten muss. Ich hoffe nur, das spricht sich dort unten rum, dass man kein deutsches Lager angreift.
LeisureSuitLenny 18.05.2011
5. Freude
Zitat von sysopIn Afghanistan haben*rund 2000 Menschen*vor einem Lager der Bundeswehr demonstriert. Der Protest in der Stadt Talokan eskalierte, elf Demonstranten wurden afghanischen Angaben zufolge getötet, 50 weitere verletzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,763275,00.html
Ich dachte die Afghanen freuen sich unheimlich über unsere Präsenz. Jedenfalls kann man das immer mal wieder von handverlesenen Vorzeige-Afghanen im TV hören.
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