Während des Zuckerfestes Tote trotz Waffenruhe in Afghanistan

Seit Dienstag gilt in Afghanistan eine Feuerpause - dennoch starben Dutzende Menschen bei Anschlägen am Wochenende. Die Taliban wollen den Waffenstillstand nicht verlängern.

Taliban feiern Feuerpause
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Taliban feiern Feuerpause


Die Taliban wollen die historische Waffenruhe in Afghanistan nicht verlängern. Ein Sprecher der radikalislamischen Gruppe erteilte am Sonntag der von der Regierung angebotenen Verlängerung eine Absage. Die Hoffnungen auf eine längere Feuerpause nach Ablauf der Vereinbarung am Sonntagabend dürften sich damit zerschlagen.

Die Waffenruhe galt seit Dienstag. Präsident Aschraf Ghani hatte am Samstag in einer Fernsehansprache eine Verlängerung der Waffenruhe der Regierungstruppen in Aussicht gestellt und von den Taliban einen ähnlichen Schritt gefordert. Mehr als 1000 Menschen kamen in der Hauptstadt der Provinz Nangarhar im Osten des Landes zusammen, um die Feuerpause zu feiern.

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Dennoch wurden die Feiern von Anschlägen überschattet. Bei einem Selbstmordattentat in Nangarhar wurden am Sonntag mindestens 18 Menschen getötet. Das berichtete ein Sprecher der Provinz. Mindestens 49 Menschen seien verletzt worden.

Wer hinter der Tat steckte, blieb zunächst unklar. Am Vortag hatte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ebenfalls in Nangarhar mit einem Anschlag auf ein ähnliches Treffen 36 Menschen getötet und 65 verletzt. Darunter waren Talibankämpfer, Sicherheitskräfte und Zivilisten.

Doch Taliban-Sprecher Sabihulla Mudschahid kündigte eine Fortsetzung der "Einsätze" nach Sonntagabend an: "Wir haben nicht die Absicht, die Feuerpause zu verlängern", sagte er.

Die Taliban hatten ihre Kämpfer aufgefordert, während der ersten drei Tage des Zuckerfestes zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan die Angriffe auf afghanische Sicherheitskräfte einzustellen. Es war das erste Mal in dem seit 2001 andauernden Konflikt in Afghanistan, dass die Taliban eine Feuerpause ausriefen.

"Alle haben den Krieg satt"

Nach dem Beginn der Feuerpause und dem Beginn des Zuckerfestes am Freitag war es überall in Afghanistan zu ungewöhnlichen Szenen gekommen. Afghanische Sicherheitskräfte und Zivilisten umarmten Taliban-Kämpfer aus Freude über die Waffenruhe, beglückwünschten einander zum Zuckerfest und posierten gemeinsam für Fotos.

"Alle haben den Krieg satt, und wenn unsere Anführer es anordnen, werden wir die Waffenruhe für immer einhalten", sagte ein Taliban-Befehlshaber der Nachrichtenagentur AFP. Andere Befehlshaber der Radikalislamisten drückten dagegen ihren Unmut darüber aus, dass Taliban-Kämpfer von der Regierung kontrollierte Gebiete besuchten und mit Sicherheitskräften feierten.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sprach von "Aufsehen erregenden Bildern vom Fest des Fastenbrechens: Taliban und Regierungssoldaten beten gemeinsam, umarmen sich unter dem Applaus der Bevölkerung." Afghanistan fasse nach Jahrzehnten der Gewalt wieder Hoffnung.

Die von Präsident Ghani angebotene Verlängerung der Waffenruhe nannte Maas einen "mutigen Schritt", der "die Anerkennung und Unterstützung der ganzen internationalen Gemeinschaft" verdiene. Maas rief die Konfliktparteien auf, "die Waffenruhe einzuhalten und fortzusetzen und vor allem, nunmehr in unmittelbare Friedensgespräche einzutreten".

Ein westlicher Diplomat in Kabul sagte AFP, eine längere Waffenruhe der Taliban würde Gesprächsbereitschaft signalisieren. Daran seien die Kämpfer "nicht interessiert". "Sie wollen einen vollständigen Sieg", sagte der Diplomat, der anonym bleiben wollte.

kry/dpa/AFP



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