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Afghanistan: Viele Opfer bei Anschlägen in Kabul

Afghanische Soldaten am Tatort: Selbstmordattentate in Kabul Zur Großansicht
AP/dpa

Afghanische Soldaten am Tatort: Selbstmordattentate in Kabul

Innerhalb weniger Stunden ist bei zwei Anschlägen in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens ein Mensch getötet worden. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE galt eines der Attentate dem Konvoi eines deutschen Generals.

Die afghanische Hauptstadt Kabul ist binnen weniger Stunden von zwei Anschlägen erschüttert worden. Bei einer gewaltigen Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Kleinlasters in der Nähe des Flughafens wurden nach Polizeiangaben mindestens ein Mensch getötet, etwa 30 sollen laut Medienberichten verletzt sein.

Nicht weit davon entfernt hatte sich wenige Stunden zuvor ein Selbstmordattentäter in seinem Auto in die Luft gesprengt - nach Informationen von SPIEGEL ONLINE in unmittelbarer Nähe des Konvois des deutschen Brigadegenerals Michael Podzus. Dabei wurde einer der gepanzerten Jeeps vom Typ "Enok" so stark beschädigt, dass er nicht mehr einsatzbereit war.

Zwei Soldaten, die den Einsternegeneral als Personenschützer begleiteten, mussten wegen eines Schleudertraumas medizinisch behandelt werden. Die Bundeswehr veröffentlichte am Abend eine Pressemitteilung über den Vorfall, erwähnte jedoch den hochrangigen General in dem Konvoi nicht.

General Podzus, der nicht verletzt wurde, arbeitet in Kabul in einer Einheit der Trainingsmission "Resolute Support", die die Ausbildung der afghanischen Polizei verbessern soll, er war gerade mit einem zivilen Flug aus dem Weihnachtsurlaub in Deutschland zurückgekehrt und wollte vom Flughafen Kabul aus zum Militärlager in der afghanischen Hauptstadt.

Fahrten immer gefährlicher

Die Fahrten vom Flughafen in die abgeriegelte Zone, wo das Nato-Hauptquartier und viele Botschaften liegen, sind in der letzten Monaten zum massiven Sicherheitsrisiko geworden. Immer wieder sprengen sich Attentäter am zentralen Kreisverkehr, an dem der Eingang zum Flughafen liegt, in die Luft oder attackieren die schwer gesicherten Gates zum militärischen Teil des Hamid Karzai Airports mit ihren Sprengladungen. Hochrangige Gäste wie deutsche Minister oder die Chefs der Trainingsmission "Resolute Support" werden deswegen nur noch mit dem Helikopter über die Stadt geflogen.

Bei dem zweiten Anschlag am Abend war die Detonation des Minibusses in der ganzen Stadt zu hören. Offenbar richtete sich der Angriff eines weiteren Selbstmordattentäters gegen eines der am besten gesicherten Hotels der Stadt. Das "Camp Baron", ein zur Festung ausgebauter Komplex hinter hohen Mauern, bietet seinen Gästen für mehrere Hundert Dollar die Nacht ein bisschen Sicherheit in einer Stadt, die immer gefährlicher wird.

Dem Angriff am Montag konnte die Festung offenbar standhalten. Nach ersten Angaben zündete der Attentäter seine Sprengladung am Eingang des Geländes. Die Mauern und dicken Stahltore allerdings gaben nicht nach, in dem Camp kamen die Gäste mit einem Schrecken davon.

Die Sicherheitslage verschlechtert sich in Kabul zunehmend. Vor wenigen Tagen griffen Terroristen ein bei Ausländern beliebtes Restaurant an, zwei Wochen zuvor hatte die Taliban die spanische Botschaft gestürmt.

geb/kev/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Raus da!
alfredjosef 04.01.2016
Ich sehe überhaupt keinen Sinn mehr dahinter, Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan zu senden. Unsere Jungs und Mädels sind nicht erwünscht bei einem guten Teil der Bevölkerung, und Mittäterschaft in einem fernen Bürgerkrieg ist nicht Auftrag der Truppe. Bring the boys home! aj
2. Man könnte die unschöne
harleyfahn 04.01.2016
Abfolge von Detonationen, Selbstentleibungen und weiteren Unhöflchkeiten der Herren Taliban nach reiflicher Überlegung doch auch so interpretieren, dass die Anwesenheit unserer hoch effektiven Friedensarmee von einem nicht unerheblichen Teil der putzigen, folkloristisch geprägten Einheimischen nicht recht goutiert wird. Vielleicht sollte man diese ihre Reibereien und z.T. etwas rabiat geführten religiösen Diskurse einfach unter sich ausmachen lassen.
3.
ludwigwilhelmvonbaden 04.01.2016
Ich empfinde es als sprachlich ungeschickt einen Brigadegeneral als "hochrangigen General" zu bezeichnen. Es handelt sich nämlich um den niedrigsten Generalsrang in der Bundeswehr. Zweifellos ist der betroffene Soldat ein hochrangiger Offizier, ein hochrangiger General muss er aber erst noch werden.
4. 15 Jahre NATO Einsatz, Fazit:
BensO 04.01.2016
Kompletter Fail. Milliarden Euro futsch, mehr noch: unzählige Tote auf beiden Seiten. Nur sind unsere Soldaten nicht fürs Vaterland gestorben. Sinnlos. Wollten einem Land unsere Werte aufzwingen, welches die nicht haben wollen. Die Korruption ist dort das normalste und wird sehr stark gefördert vom Westen. Wir kaufen jeden dort, am ende wendet sich selbst der gegen uns. Frohes Neues damit!
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Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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