Afghanistan Truppen fahnden nach entflohenen Häftlingen

Afghanische und ausländische Soldaten haben eine großangelegte Fahndung gestartet. Nach dem aufsehenerregenden Überfall von Taliban-Kämpfern auf ein Gefängnis in Kandahar suchen sie nach Hunderten geflohenen Häftlingen. Unter den Flüchtigen sind hochrangige Extremisten.


Hamburg/Kandahar - Die Regierung spricht von einer großangelegten Fahndungsaktion - afghanische und ausländische Soldaten suchten intensiv nach den Flüchtigen. Am Freitagabend hatten mehrere Selbstmordattentäter und andere Taliban-Kämpfer ein Gefängnis in Kandahar im Süden des Landes unter anderem mit Mörsergranaten angegriffen und Hunderte Häftlinge befreit. Unter den Flüchtigen sind auch zahlreiche Terrorverdächtige.

Gefängnis in Kandahar: Die Taliban planten die Befreiung ihrer Kämpfer seit Monaten
REUTERS

Gefängnis in Kandahar: Die Taliban planten die Befreiung ihrer Kämpfer seit Monaten

Bislang sei noch niemand aufgespürt worden, sagte Vizejustizminister Mohammed Kasim Haschimsai der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. Noch sei unklar, wie viele Insassen tatsächlich entkommen seien. Den Angaben zufolge prüft die Regierung derzeit auch, ob Behördenmitarbeiter zur Massenflucht beigetragen haben könnten.

Ein Taliban-Sprecher erklärte inzwischen, die befreiten Anhänger der Gruppe seien in Sicherheit. Am Samstag blieb es in Kandahar relativ ruhig. Das schwerbeschädigte Gefängnisgebäude wurde von Polizisten und Soldaten zwar abgeriegelt - im Rest der Stadt und auf den großen Ausfahrtstraßen wurden aber keine zusätzlichen Kontrollpunkte eingerichtet. Die Region gilt als Hochburg der Taliban.

Nach Darstellung der radikal-islamischen Taliban waren rund 80 ihrer Kämpfer an der "Kommandoaktion" beteiligt. Diese hätten mit einem mit 1800 Kilogramm Sprengstoff beladenen Lastwagen das Gefängnistor gesprengt. Nach offiziellen Angaben kamen bei der Befreiungsaktion neun Polizisten, sieben Häftlinge und ein Zivilist ums Leben. Taliban-Sprecher Kari Jussuf Ahmadi sagte, Kämpfer auf Motorrädern und zwei Selbstmordattentäter hätten das Sarpossa-Gefängnis in Kandahar koordiniert angegriffen. Ziel sei es gewesen, "unsere Taliban-Freunde zu befreien". Die Aktion war seinen Angaben zufolge seit zwei Monaten geplant.

Einer der Entflohenen, Abd al-Nafai, sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AP, vor dem Gefängnis hätten Minibusse gewartet und die Häftlinge weggebracht. Der Vizejustizminister Haschimsai erklärte, in dem Gefängnis seien fast 1000 Häftlinge untergebracht gewesen.

"Alle Insassen sind geflohen. Da ist keiner mehr übrig", hatte am Freitag Wali Karzai gesagt, der Präsident des Provinzrats von Kandahar und Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai.

flo/dpa/AP/Reuters



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