Afghanistan US-Armee ändert Strategie im Kampf gegen Drogenhandel

Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Richard Holbrooke, geht bei der Bekämpfung des Drogenhandels neue Wege: Statt Opium-Felder zu vernichten, soll die US-Armee den Schmuggel stärker bekämpfen. Zudem sollen afghanische Bauern beim Anbau anderer Produkte gefördert werden.


Triest - Neue Strategie am Hindukusch: Die USA wollen ihren Feldzug zur Vernichtung des Opiumanbaus in Afghanistan einstellen. Das sagte der amerikanische Sondergesandte für Afghanistan, Richard Holbrooke, in Triest beim Treffen der G-8-Außenminister.

Drogen-Verbrennung in Afghanistan: Einnahmen der Taliban "nicht um einen Dollar" geschmälert
AFP

Drogen-Verbrennung in Afghanistan: Einnahmen der Taliban "nicht um einen Dollar" geschmälert

Stattdessen sollen die Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenhandels intensiviert und den Bauern beim Anbau anderer Produkte finanziell stärker unter die Arme gegriffen werden. Holbrooke bezeichnete das bisherige Vernichtungsprogramm der USA als eine Geldverschwendung, die zudem nur afghanische Bauern in die Hände der Taliban treibe.

Der Aufwand habe die Einnahmen der Taliban aus dem Rauschgifthandel nicht "um einen Dollar" geschmälert. "Die Bauern sind nicht unsere Feinde. Sie bauen nur etwas an, um damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen", sagte er.

Afghanistan ist der größte Opiumlieferant der Welt. Die G-8-Außenminister begrüßten bei ihrem Treffen in der norditalienischen Stadt Triest den Politikwechsel der USA. Dies scheine die Strategie zu sein, die zum Sieg führe, sagte der gastgebende italienische Außenminister Franco Frattini. Alle Minister hätten diesen Ansatz unterstützt.

In ihrer Abschlusserklärung sprachen sich die Minister dafür aus, schnell nach alternativen Angeboten für afghanische Bauern zu suchen. Zudem müssten die geheimdienstlichen Bemühungen vor Ort intensiviert werden, um die Drogenschmuggler daran zu hindern, das Opium außer Landes zu schaffen.

hut/AP



Forum - Kampf gegen Drogenhändler - was ist die richtige Strategie?
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Seite 1
sagichned 29.01.2009
1.
Zitat von sysopDeutsche Politiker zeigen sich erschüttert über Nato-Oberbefehlshaber Craddock, der afghanische Drogenhändler auch ohne Beweise für Terror-Verwicklungen töten lassen will. Welches ist die richtige Strategie im Kampf gegen Drogen in Afghanistan?
Deutschland hat kein Mandat um Kampf gegen Drogen in Afghanistan zu führen, deshalb braucht man auch nicht über irgendeine Strategie zu philosofieren!
Hallo Pinoccio, 29.01.2009
2.
Zitat von sysopDeutsche Politiker zeigen sich erschüttert über Nato-Oberbefehlshaber Craddock, der afghanische Drogenhändler auch ohne Beweise für Terror-Verwicklungen töten lassen will. Welches ist die richtige Strategie im Kampf gegen Drogen in Afghanistan?
Der Drogenanbau scheint ja Tradition zu haben in Afghanistan. Vor einiger Zeit las ich auch, dass viele Bauern auf Drogenanbau umgestiegen sind, weil ihre Güter u.a. auch wegen der Entwicklungshilfe kaum verkäuflich sind, so dass sie quasi gezwungen sind, anders Geld zu verdienen. Grundsätzlich bin ich gegen Todesstrafe. Auch ein verdächtiger Afghane - muss erst der Tat überführt werden, bevor man urteilen und verurteilen kann.
almabu, 29.01.2009
3. Die gewählte Fragestellung ist eine Verharmlosung!
Zitat von sysopDeutsche Politiker zeigen sich erschüttert über Nato-Oberbefehlshaber Craddock, der afghanische Drogenhändler auch ohne Beweise für Terror-Verwicklungen töten lassen will. Welches ist die richtige Strategie im Kampf gegen Drogen in Afghanistan?
Wie aus den SPON-Artikeln hervor geht, sollen eben nicht nur Drogenhändler, sondern viel weiter gefasst, jegliche Einrichtung die möglicherweise mit Drogen in Verbindung gebracht werden kann, als legitime Kriegsziele betrachtet und behandelt werden, wobei der Tod von bis zu zehn Zivilisten hinzunehmen sei. Das ist schon erheblich mehr als Frogenhändler, oder? Zitat SPON: Durch die neue Argumentation aber würden alle Beteiligten am Drogengeschäft zu legitimen militärischen Zielen. Der Craddock-Befehl könnte also Zehntausende Afghanen betreffen.
Thomas Müntzer, 29.01.2009
4.
Zitat von sysopDeutsche Politiker zeigen sich erschüttert über Nato-Oberbefehlshaber Craddock, der afghanische Drogenhändler auch ohne Beweise für Terror-Verwicklungen töten lassen will. Welches ist die richtige Strategie im Kampf gegen Drogen in Afghanistan?
Weltweit die ganzen Prohibitionen aufgeben, dann ist es wieder, was Opium immer war, ein normales landwirtschaftlichesa Erzeugnis. Der praktisch weltweit mögliche haustürnahe Anbau würde allerdings das afghanische derzeitige Beinahemonopol aufheben. Ich würde als erstes diesen General auffordern, per Patientenverfügung für immer auf dieses Medikament zu verzichten. Nicht dass der plötzlich mit Schmerzen angejammert kommt, und Morpium haben will. Wird er eben klassisch nach Westernart mit Alkoholnarkose operiert. Millitärische Erziehung scheint doch nicht unproblematisch fürs Denken zu sein. Wird man wohl Feindsüchtig von. Ohne dann auf Hintergründe und Zusammenhänge eingehen zu können.
Coldplay17, 29.01.2009
5.
Man sollte allerdings auch sehen, dass eine harte Droge wie Heroin (zumal wenn sie illegal und in schwankendem Reinheitsgrad vertickt wird) in zahllosen Fällen Tod, mindestens aber Verelendung mit sich bringt. Dies nehmen die Drogenbarone (ob politisch motiviert oder einfach nur kriminell) bewußt in Kauf. Craddocks Planungen gehen sicherlich zu weit, aber etwas verstehen kann ich ihn trotzdem.
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