Afghanistan: US-Spezialkräfte stoppen Anti-Taliban-Training

Es ist der Alptraum für Militär- und Polizeiausbilder in Afghanistan: Ein neuer Rekrut richtet seine Waffe gegen die Soldaten, die ihm das Kämpfen beibringen wollen, und tötet seine Ausbilder. Weil die Attacken stetig zunehmen, haben Nato- und US-Truppen die Ausbildung vorerst gestoppt.

Wegen Insider-Attacken: Nato stoppt Afghanen-Ausbildung
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Getty Images

Kabul - Sie sollten Afghanen zum Kämpfen ausbilden und wurden dabei selbst getötet: 45 Nato-Soldaten sind 2012 bereits Opfer sogenannter Insider-Angriffe geworden, bei denen angehende afghanische Soldaten oder Polizisten ihre Waffe gegen ihre Ausbilder richteten. 15 Soldaten der westlichen Koalitionstruppen starben allein im August bei solchen Attacken.

  • 10. August: Ein hochrangiger, afghanischer Polizist tötet drei Marines, die er zu sich eingeladen hatte, um die Sicherheit in der Provinz Helmand zu besprechen.
  • 17. August: Während einer Trainingseinheit erschießt ein Offizier der afghanischen Lokalpolizei in der Provinz Farah seine Ausbilder.
  • 27. August: Zwei Nato-Soldaten, die in der Provinz Laghman gemeinsam mit afghanischen Kollegen auf Patrouille waren, werden von ihnen ermordet.
  • 30. August: Drei australische Soldaten werden in der südlichen Provinz Uruzgan von einem Afghanen in grüner Uniform der Nationalarmee erschossen.

Daraus ziehen die Nato und das Oberkommando der US-amerikanischen Spezialkräfte nun Konsequenzen: Ab sofort und für mindestens einen Monat stoppen sie die Ausbildung von Teilen der afghanischen Sicherheitskräfte. Die Zeit wollen die Ausbilder nutzen, um die Sicherheitsüberprüfung neuer Rekruten zu verbessern, berichtet die "New York Times". Damit soll verhindert werden, dass Gegner der Nato-Truppen die afghanischen Einheiten infiltrieren und Rekruten aufgenommen werden, die eine Gefahr für die Ausbilder darstellen.

Gestoppt wird zunächst die Ausbildung der afghanischen Spezialkräfte und der neuen Afghanischen Lokalpolizei. Die Ausbildung der afghanischen Nationalarmee und der nationalen Polizeikräfte gehe aber weiter, sagte Steven Neta, Major der kanadischen Luftwaffe und Sprecher für das Nato-Ausbildungsprogramm in Afghanistan.

Ein Sprecher der US-Spezialkräfte, die die Lokalpolizei für ihre harte Aufgabe in entlegenen Provinzen ausbildet, sagte der "NYT", die Ausbildung wurde ausgesetzt, "während wir die Sicherheitsüberprüfungen wiederholen". Andere Mitglieder der Spezialkräfte sagten, die Sicherheitsüberprüfungen seien an sich in Ordnung, man habe aber nach einem einmaligen Check versäumt, die Rekruten auch während und nach der Ausbildung im Blick zu behalten, berichtet die "Washington Post".

"Wir leben dort mit den Afghanen"

Nato-Offizielle hatten hingegen eingeräumt, dass die Überprüfung neuer Rekruten nie richtig funktioniert habe, weil man befürchtete, intensive Checks könnten die Rekrutierung behindern. Ein hochrangiges Mitglied der Spezialkräfte, das in entlegenen Dörfern Afghanen für die neue Lokalpolizei und die Abwehr von Taliban-Angriffen ausbildet, erklärte der "Washington Post" das Dilemma der Soldaten so: "Wir leben dort mit den Afghanen. Wir können es uns nicht leisten, bei den Sicherheitsüberprüfungen Risiken einzugehen." Das Programm zum Aufbau einer Lokalpolizei richtet sich derzeit an 16.000 Afghanen, sein Umfang soll sich aber auf bis zu 30.000 Auszubildende verdoppeln.

Der Stopp eines Teils der Ausbildung solle "nicht so verstanden werden, dass wir uns von unseren afghanischen Partnern zurückziehen, das tun wir nicht", sagte ein Sprecher der amerikanischen Militärkommandantur in Kabul der "New York Times". Derzeit bilden westliche Einheiten 25.000 Soldaten und 4000 Polizisten aus. Bislang verfügt Afghanistan über 350.000 Polizisten und Soldaten.

Am Samstagmorgen hatte sich im Osten Afghanistans ein schwerer Doppelanschlag ereignet. Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich vor einem Nato-Stützpunkt in die Luft. Einer der Angreifer zündete vor dem Tor des Stützpunkts in Sajedabad eine Bombe, die er bei sich trug, und machte so den Weg für einen mit Sprengstoff beladenen Laster frei, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Die heftige Explosion tötete mindestens zwölf Menschen, darunter vier Polizisten, und verletzte mehr als fünfzig weitere. Ein Basar vor dem Stützpunkt wurde völlig zerstört, Isaf-Soldaten wurden nicht getötet.

cht

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insgesamt 47 Beiträge
Atheist_Crusader 02.09.2012
So läuft das nunmal bei einem Guerillakrieg. Die Guerillas haben den längeren Atem, weil sie das Land mehr wollen als der Andere. Also lassen sie ihn sich ständig fragen "Na, willst Du es immer noch?". Irgendwann haben [...]
So läuft das nunmal bei einem Guerillakrieg. Die Guerillas haben den längeren Atem, weil sie das Land mehr wollen als der Andere. Also lassen sie ihn sich ständig fragen "Na, willst Du es immer noch?". Irgendwann haben sie alle so viel geblutet dass sie sagen "Ach, behalt dein Scheißland doch. Ich gehe." Lässt auch Schlüsse darauf zu, wie lange sich Karzai nach dem Abzug der letzten NATO-Truppen halten wird.
Interessanter Artikel... Es ist seit Menschengedenken so daß in einem Bürgerkrieg die Loyalitäten sehr ungewiss sind; wechseln können und die 'Wechsler' dabei gerne auch ihre Waffen und natürlich ihre gute Ausbildung mitnehmen. [...]
Zitat von sysopEs ist der Alptraum für Militär- und Polizeiausbilder in Afghanistan: Ein neuer Rekrut richtet seine Waffe gegen die Soldaten, die ihm das Kämpfen beibringen wollen, und tötet seine Ausbilder an. Weil die Attacken stetig zunehmen, haben Nato- und US-Truppen die Ausbildung vorerst gestoppt. Afghanistan: US-Armee stoppt Ausbildung afghanischer Polizisten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853413,00.html)
Interessanter Artikel... Es ist seit Menschengedenken so daß in einem Bürgerkrieg die Loyalitäten sehr ungewiss sind; wechseln können und die 'Wechsler' dabei gerne auch ihre Waffen und natürlich ihre gute Ausbildung mitnehmen. Das Thema ist besonders schwierig weil schlimmer als die Taliban selbst die Anschläge durch angebliche Loyalisten jeden Fortschritt und jedes Vertrauen dauerhaft und nachhaltig untergraben. Das führt am Ende zu einer Situation bei der man Freund und Feind nicht mehr unterscheiden kann. Denke die westlichen Truppen werden sich nach und nach zurückziehen; die Italienischen Truppen haben bereits damit begonnen vorgeschobene kleine Stützpunkte aufzugeben. "Inizia oggi il ritiro delle truppe italiane dall'Afghanistan con il ripiegamento dei 200 bersaglieri schierati in Gulistan a presidio della base "Ice" e dell'avamposto "Snow"... di Gianandrea Gaiani - Il Sole 24 Ore - leggi su Inizia dal Gulistan il ritiro italiano dall'Afghanistan - Il Sole 24 ORE (http://24o.it/LTnLu) So wie es bisher gemacht wurde ist es eine verlorene Schlacht. Es ist besser die afghanischen Nachbarstaaten in eine Lösung einzubeziehen und sie an den Kosten der Afghanistanmission teilnehmen zu lassen. Sie alle; speziell auch Rußland und China aber auch die kleinen Staaten Mittelasiens, haben allesamt ein Interesse die Eiterbeule des afghanischen Krieges und Bürgerkrieges nicht auf Nachbarländer ausstrahlen zu lassen; und werden entsprechend auf Afghanistan und seine Interna einwirken. Angesichts der technischen Möglichkeiten speziell der USA wird man verstärkt auf den Drohnenkrieg zurückgreifen; diese Art der Kriegsführung wird bereits jetzt im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet angewandt. Aus Sicht der USA mit 'Erfolg'. Das ist aber keine Lösung; die muß die Politik vor Ort schaffen... Schian Gruaß...
MrStoneStupid 02.09.2012
... sind die USA (und GB, ...), die dort nur aus eigenem Machtkalkül sind (und man denke auch an die gestpegene Drogenproduktion unter der NATO-Besatzung). Die werden von vielen Afghanen als Besatzer und Feinde gesehen ... wie [...]
... sind die USA (und GB, ...), die dort nur aus eigenem Machtkalkül sind (und man denke auch an die gestpegene Drogenproduktion unter der NATO-Besatzung). Die werden von vielen Afghanen als Besatzer und Feinde gesehen ... wie bitte sollen die USA da als Ausbilder taugen? Viel besser wären iranische Moslems als Ausbilder, die wären von vorneherein als Freunde und Glaubensbrüder angesehen, es gäbe viel weniger Probleme und vor allem würden sich auch gute Afghanen ausbilden lassen, die jetzt nichts mit den Ungläubigen zu tun haben wollen. (imho)
Hm,Mir scheint der Wahnsinn treibt hier seltene Höhenflüge.Polizisten und Hilfskräfte werder einfach nach einem lapitaren Check verpflichtet.Ist den Amerikanern noch nicht aufgefallen das in diesem Land eine ganz andere Mentalität [...]
Hm,Mir scheint der Wahnsinn treibt hier seltene Höhenflüge.Polizisten und Hilfskräfte werder einfach nach einem lapitaren Check verpflichtet.Ist den Amerikanern noch nicht aufgefallen das in diesem Land eine ganz andere Mentalität herscht die mit westlichen Werten nichts zu tun hat.Fordert die Religion nicht sogar die Lüge gegenüber Andersgläubigen.Es ist einfach nur fahrläßig und dumm .So etwas nennt man Hierzulande-wo man ohne polizeiliches Führungszeugnis noch nicht mal ein Gewerbe nachgehen kann-den Bock zum Gärtner machen.
Trivalent 02.09.2012
Diese, nicht unter den Teppich zu kehrenden Tatsachen sprechen die Wahrheit aus, die unsere Politiker nicht begreifen (wollen). Die von Anfang an falsche Einschätzung des tatsächlichen Ist-Zustandes. Die bis zum heutigen Tag [...]
Zitat von sysopEs ist der Alptraum für Militär- und Polizeiausbilder in Afghanistan: Ein neuer Rekrut richtet seine Waffe gegen die Soldaten, die ihm das Kämpfen beibringen wollen, und tötet seine Ausbilder an. Weil die Attacken stetig zunehmen, haben Nato- und US-Truppen die Ausbildung vorerst gestoppt. Afghanistan: US-Armee stoppt Ausbildung afghanischer Polizisten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853413,00.html)
Diese, nicht unter den Teppich zu kehrenden Tatsachen sprechen die Wahrheit aus, die unsere Politiker nicht begreifen (wollen). Die von Anfang an falsche Einschätzung des tatsächlichen Ist-Zustandes. Die bis zum heutigen Tag von den Befürwortern beschönigte Gesamtlage. Und der verzweifelte Versuch der Selben, aus dem Schlamassel ohne all zu großen Gesichtsverlust durch hinhaltenden Widerstand, die Verantwortung auf die afghanische Bevölkerung zu schieben. Aber all das wurde, auch gerade hier im Forum, schon unzählige Male kommentiert. Alleine die Pro USA-Regierungspolitik-Gläubigen haben es bis Heute nicht begriffen, weil Sie die realen Tatsachen gar nicht begreifen wollen. Wie hieß es schon bei den ollen, antiken Griechen? Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.
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  • Sonntag, 02.09.2012 – 10:09 Uhr
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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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