Kabul - Sie sollten Afghanen zum Kämpfen ausbilden und wurden dabei selbst getötet: 45 Nato-Soldaten sind 2012 bereits Opfer sogenannter Insider-Angriffe geworden, bei denen angehende afghanische Soldaten oder Polizisten ihre Waffe gegen ihre Ausbilder richteten. 15 Soldaten der westlichen Koalitionstruppen starben allein im August bei solchen Attacken.
Daraus ziehen die Nato und das Oberkommando der US-amerikanischen Spezialkräfte nun Konsequenzen: Ab sofort und für mindestens einen Monat stoppen sie die Ausbildung von Teilen der afghanischen Sicherheitskräfte. Die Zeit wollen die Ausbilder nutzen, um die Sicherheitsüberprüfung neuer Rekruten zu verbessern, berichtet die "New York Times". Damit soll verhindert werden, dass Gegner der Nato-Truppen die afghanischen Einheiten infiltrieren und Rekruten aufgenommen werden, die eine Gefahr für die Ausbilder darstellen.
Gestoppt wird zunächst die Ausbildung der afghanischen Spezialkräfte und der neuen Afghanischen Lokalpolizei. Die Ausbildung der afghanischen Nationalarmee und der nationalen Polizeikräfte gehe aber weiter, sagte Steven Neta, Major der kanadischen Luftwaffe und Sprecher für das Nato-Ausbildungsprogramm in Afghanistan.
Ein Sprecher der US-Spezialkräfte, die die Lokalpolizei für ihre harte Aufgabe in entlegenen Provinzen ausbildet, sagte der "NYT", die Ausbildung wurde ausgesetzt, "während wir die Sicherheitsüberprüfungen wiederholen". Andere Mitglieder der Spezialkräfte sagten, die Sicherheitsüberprüfungen seien an sich in Ordnung, man habe aber nach einem einmaligen Check versäumt, die Rekruten auch während und nach der Ausbildung im Blick zu behalten, berichtet die "Washington Post".
"Wir leben dort mit den Afghanen"
Nato-Offizielle hatten hingegen eingeräumt, dass die Überprüfung neuer Rekruten nie richtig funktioniert habe, weil man befürchtete, intensive Checks könnten die Rekrutierung behindern. Ein hochrangiges Mitglied der Spezialkräfte, das in entlegenen Dörfern Afghanen für die neue Lokalpolizei und die Abwehr von Taliban-Angriffen ausbildet, erklärte der "Washington Post" das Dilemma der Soldaten so: "Wir leben dort mit den Afghanen. Wir können es uns nicht leisten, bei den Sicherheitsüberprüfungen Risiken einzugehen." Das Programm zum Aufbau einer Lokalpolizei richtet sich derzeit an 16.000 Afghanen, sein Umfang soll sich aber auf bis zu 30.000 Auszubildende verdoppeln.
Der Stopp eines Teils der Ausbildung solle "nicht so verstanden werden, dass wir uns von unseren afghanischen Partnern zurückziehen, das tun wir nicht", sagte ein Sprecher der amerikanischen Militärkommandantur in Kabul der "New York Times". Derzeit bilden westliche Einheiten 25.000 Soldaten und 4000 Polizisten aus. Bislang verfügt Afghanistan über 350.000 Polizisten und Soldaten.
Am Samstagmorgen hatte sich im Osten Afghanistans ein schwerer Doppelanschlag ereignet. Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich vor einem Nato-Stützpunkt in die Luft. Einer der Angreifer zündete vor dem Tor des Stützpunkts in Sajedabad eine Bombe, die er bei sich trug, und machte so den Weg für einen mit Sprengstoff beladenen Laster frei, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Die heftige Explosion tötete mindestens zwölf Menschen, darunter vier Polizisten, und verletzte mehr als fünfzig weitere. Ein Basar vor dem Stützpunkt wurde völlig zerstört, Isaf-Soldaten wurden nicht getötet.
cht
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