Truppenabzug US-Geheimdienste warnen vor Chaos in Afghanistan

In einem vertraulichen Bericht sagen die amerikanischen Geheimdienste eine deutliche Verschlechterung der Lage in Afghanistan voraus. Das berichtet die "Washington Post". Sollte das Sicherheitsabkommen mit der Regierung in Kabul scheitern, werde das Land im Chaos versinken.

US-Soldat in Afghanistan (Archivbild): "Situation könnte sich sehr schnell verschlimmern"
AFP

US-Soldat in Afghanistan (Archivbild): "Situation könnte sich sehr schnell verschlimmern"


Washington - Die US-Geheimdienste erwarten nach dem Abzug westlicher Truppen aus Afghanistan eine erhebliche Verschlechterung der Sicherheitslage. Das berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf Äußerungen von Regierungsbeamten, die Kenntnis des jüngsten geheimen Sicherheitsdossiers der Dienste hätten.

Demnach gehen Experten in dem sogenannten National Intelligence Estimate davon aus, dass "die Situation sich sehr schnell verschlimmern" würde, wenn nicht Truppen weiter im Land blieben und die finanzielle Unterstützung eingestellt werde. Sollten sich die USA und Afghanistan nicht auf einen Sicherheitspakt einigen können, werde Afghanistan schnell im Chaos versinken.

Die Regierungen in Kabul und Washington haben sich bislang nicht auf das Sicherheitsabkommen verständigen können, das als Voraussetzung für einen Verbleib von einigen tausend US-Soldaten sowie für die Gewährung weiterer Hilfsgelder in Milliardenhöhe gilt. Ohne die Vereinbarung wollen die USA und die Nato ihre gegenwärtig 84.000 Soldaten komplett aus dem Land abziehen.

Das National Intelligence Estimate, über das die "Washington Post" berichtet, fasst die Erkenntnisse aller 16 amerikanischen Geheimdienste zusammen. Der Bericht wird regelmäßig den Entscheidungsträgern in Washington zugeleitet, meist geschieht das vor wichtigen Grundsatzentscheidungen.

In der aktuellen Studie schreiben die Geheimdienstler, selbst wenn die Truppen im Land blieben, wären viele Fortschritte, die in den letzten Jahren erzielt worden seien, bis 2017 wieder dahin. Die Regierung von Präsident Barack Obama hatte die Truppen am Hindukusch 2009 verstärkt, um den Aufstand der Taliban niederzuringen und die Sicherheitslage zu verbessern.

Der Zeitung zufolge bezeichneten einige der Insider die Schlussfolgerungen des Berichts jedoch als zu pessimistisch. Zwar würde sich die Macht- und Gebietsverteilung nach 2014 unweigerlich ändern, ein Erstarken der Taliban sei jedoch nicht zwingend. Zudem werde die Stärke der afghanischen Sicherheitskräfte unterschätzt.

fab/Reuters

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