Karzais Anti-Amerika-Äußerungen: US-General alarmiert Truppen in Afghanistan

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US-Soldaten im Westen von Kabul: "Katalysator für manche, unsere Truppen anzugreifen" Zur Großansicht
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US-Soldaten im Westen von Kabul: "Katalysator für manche, unsere Truppen anzugreifen"

US-General Dunford hat die Schutzmaßnahmen für seine Soldaten in Afghanistan erhöht. In einer E-Mail warnt er vor Attacken auf die Nato-Schutztruppe. Grund sind die antiamerikanischen Äußerungen von Präsident Karzai - der Kommandeur nennt sie "aufhetzend".

Kabul/New York/Bagdad - Das ohnehin schwierige amerikanisch-afghanische Verhältnis ist auf einem neuen Tiefpunkt angekommen: Nach kritischen Aussagen des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai über die US-Truppen am Hindukusch hat General Joseph F. Dunford, der US-amerikanische Kommandeur in Afghanistan, angeordnet, die Sicherheitsmaßnahmen für seine Soldaten zu verstärken. Es bestehe ein höheres Anschlagsrisiko durch feindliche afghanische Kräfte und Militante.

Laut einem Bericht der "New York Times" warnte der Chef aller amerikanischen und internationalen Einheiten seine Kommandeure im ganzen Land diese Woche schriftlich, dass die Bemerkungen Karzais die eigenen Truppen massiv gefährden könnten. Die Nato hat die Existenz des Schreibens mittlerweile bestätigt.

In mehreren Reden hatte Karzai angedeutet, dass die USA und die Taliban in Afghanistan gemeinsame Sache machten. Laut seiner Theorie sei das Ziel der Kooperation, eine weitere Präsenz der ausländischen Kampfeinheiten in Afghanistan zu ermöglichen. Karzais Äußerungen hatten bei den Amerikanern für Empörung gesorgt.

Laut der aktuellen Warnung fürchtet US-General Dunford, dass es nach dem Eklat vor einigen Tagen zu sogenannten Insider-Attacken auf die ausländischen Soldaten kommen könnte. Er nennt vor allem die von den Nato-Truppen und Afghanen betriebenen Trainingsprojekte als mögliches Anschlagsziel.

Dunford ordnete deshalb verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an. Karzais Bemerkungen könnten "ein Katalysator für manche sein, unsere Truppen anzugreifen", heißt es in der Warnung. Karzais Kommentare nannte der Kommandeur in seiner Warnung eine "aufhetzende Rede", die die Zusammenarbeit mit den Afghanen massiv beschädigt habe.

Dürre Erklärung Karzais

Karzai hat die Aussagen mittlerweile relativiert. "Meine Äußerungen kürzlich waren dazu gedacht, die Beziehungen zu reformieren, aber nicht zu zerstören", hieß es in einer Mitteilung seines Palasts. Kabul wolle eine "gute Zusammenarbeit mit den USA", aber es müsse eine Beziehung von zwei unabhängigen Nationen sein, hieß es weiter.

Viel helfen dürften die dürren Sätze von Karzai nicht, zumal er die zentralen Punkte seiner vorherigen Äußerungen nicht zurückgenommen hat. Innerhalb der Staatengemeinschaft ist man sich bewusst, dass der afghanische Präsident hauptsächlich aus strategischen Gründen immer wieder gegen die USA hetzt. Damit, so eine weitverbreitete Erklärung, wolle der Staatschef innenpolitisch punkten.

Misstrauen innerhalb des US-Militärs

Mit der letzten Episode aber hat Karzai den Bogen offenbar überspannt. Die Warnung Dunfords, eigentlich nur für den internen Gebrauch gedacht, zeigt deutlich, wie tief das Misstrauen innerhalb des US-Militärs gegenüber Karzai mittlerweile ist. "Wir sind an einem wunden Punkt unserer Beziehung angekommen", schreibt Dunford in der E-Mail. Damit drückte der Kommandeur deutlicher denn je die Frustration aus, die unter fast allen Nationen herrscht, die sich in Afghanistan engagieren.

Die sogenannten Insider-Attacken gelten aktuell als eine der größten Gefahren für die ausländischen Kräfte und vor allem für die US-Soldaten, die am engsten mit den Afghanen kooperieren. In den vergangenen Jahren haben afghanische Soldaten oder in die Armee eingeschleuste Kämpfer der Taliban Dutzende Isaf-Soldaten getötet. Erst vor einigen Tagen kamen bei solch einer Attacke in Afghanistan zwei Special-Forces-Soldaten der US-Armee ums Leben.

Der Zwist, den Karzai begonnen hat, wird auch die Planungen für die Reduzierung der internationalen Einheiten beeinflussen. Bisher wollen die USA auch nach dem angepeilten Abzug der Nato-Kampfeinheiten bis zu 10.000 Soldaten am Hindukusch belassen. Diese sollen durch Training und Beratung die afghanische Armee weiter unterstützen.

Hetzt Präsident Karzai weiter gegen die US-Truppen, könnte den Strategen im Weißen Haus jedoch irgendwann die Geduld mit dem störrischen Staatschef ausgehen.

heb

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insgesamt 42 Beiträge
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1.
Zorpheus 14.03.2013
Gab es nicht mal einen Artikel darüber, dass sich die afghanischen Taliban über die Wegegelder finanzieren, die für die NATO-Transporte durch Pakistan gezahlt werden? So gesehen hätte Karzai ja damit Recht, dass die USA die Taliban finanzieren.
2. Schutzmaßnahmen für Soldaten???
debattierer 14.03.2013
Ist es nicht so, dass die Soldaten sich selbst beschützen? Da wurde eine sehr unglückliche Formulierung genommen.
3. Karzai warf den USA Krieg wegen Rohstoffen vor
robert.haube 14.03.2013
Karzai sagte, die USA seien nicht wegen eines Kampfes gegen den Terror in Afghanistan, sondern wegen den immensen unerschlossenen mineralischen Reichtümern des Landes. Dass dies den US-Truppen den ideologischen Nebelvorhang wegzieht, genau das ist das Gefährliche.
4. Tscha
Kohle&Reibach 14.03.2013
Zitat von sysopAPUS-General Dunford hat die Schutzmaßnahmen für seine Soldaten in Afghanistan erhöht. In einer E-Mail warnte vor Selbstmordattacken. Grund sind die anti-amerikanischen Äußerungen von Präsident Karzai - der Kommandeur nennt sie "aufhetzend". http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-us-general-alarmiert-truppen-nach-karzai-aeusserungen-a-889005.html
da haben die Oberamis wohl nicht die richtige Marionette eingesetzt. Der will gar nicht befreit werden von Taliban und Bodenschätzen. ;-)
5. Deutschland
Axel H 14.03.2013
wäre gut beraten von dort zu verschwinden.
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