Kampf gegen Taliban US-Generalinspekteur hält Afghanistan-Strategie für wirkungslos

"Wir werden angreifen", verkündete US-Präsident Trump, als er seine Pläne für den Afghanistan-Krieg vorstellte. Doch trotz Aufstockung der Truppen verpufft die aggressivere Strategie offenbar.

US-Einheiten in Afghanistan
AFP

US-Einheiten in Afghanistan


Eigentlich gilt für US-Präsident Donald Trump die Devise "Amerika zuerst". Umso überraschender war dessen Ankündigung im vergangenen Herbst, den Afghanistan-Einsatz ausweiten zu wollen. Doch die neue Strategie bleibt offenbar ohne Wirkung.

Zu diesem Schluss kommt Glenn Fine, der Generalsinspekteur des US-Einsatzes. In seinem vierteljährlichen Bericht an den Senat heißt es, die Taliban kontrollierten mittlerweile 14,5 Prozent der Bezirke und zwölf Prozent der Bevölkerung. "Verfügbare Daten zeigen nur wenige Zeichen von Fortschritt", warnte Fine.

Gleichzeitig sei die Zahl der afghanischen Soldaten und Polizisten zwischen Januar und Ende März wegen Desertierungen, Todesfällen und Verletzungen weiter geschrumpft - auf mittlerweile elf Prozent unter der offiziellen Stärke von 352.000 Mann, also rund 313.000.

Mehr Luftangriffe, mehr Kampfeinsätze

Die Pläne von Trump hatten nach Jahren der Truppenabzüge die Aufstockung von etwa 8400 auf derzeit 14.000 Soldaten zur Folge. Viele sollen zur Ausbildung der afghanischen Armee und Polizei eingesetzt werden. Aber es gibt auch sehr viel mehr Luftangriffe sowie mehr Kampfeinsätze der Spezialkräfte. Auch einige Nato-Staaten schicken mehr Soldaten.

US-Medien berichteten in der Nacht auf Mittwoch, dass als nächster Oberkommandierender der US- und damit auch der Nato-Streitkräfte in Afghanistan der Oberbefehlshaber des Spezialkräfte-Oberkommandos JSOC, General Scott Miller, 57, vorgesehen sei.

Seit Anfang des Jahres sind zahlreiche Bombenangriffe in Afghanistan verübt worden. Die Taliban begannen Ende April mit ihrer Frühjahrsoffensive. Seit dem Ende des offiziellen Nato-Kampfeinsatzes Ende 2014 sind sie wieder stärker geworden. Nach einem umfassenden Friedensangebot von Präsident Ashraf Ghani im Februar hatten sie ihre Angriffe intensiviert.

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mho/dpa



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