Afghanistan: USA sind noch unentschieden über das Ende der Kampfeinsätze

Washington relativiert Aussagen von Leon Panetta über eine Reduzierung der Kampfeinsätze in Afghanistan: Der Verteidigungsminister hatte zuvor überraschend angekündigt, die US-Truppen könnten sich bereits vor Ende 2013 zurückziehen. Noch gebe es keine Entscheidung, heißt es jetzt.

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US-Verteidigungsminister Panetta in Brüssel: Doch noch keine Entscheidung zu Afghanistan

Washington - Die Regierung in Washington rudert zurück: Über die Rolle der US-Soldaten in Afghanistan sei bislang noch kein Entschluss gefallen, heißt es. Verteidigungsminister Leon Panetta hatte wenige Stunden vor einem Treffen mit seinen Nato-Kollegen überraschend erklärt, die US-Truppen würden nach dem Rückzug aus dem Kampfeinsatz nur noch eine unterstützende Rolle bei der Ausbildung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte spielen.

Die Äußerungen von Panetta, nach denen sich die amerikanischen Truppen bereits vor Ende 2013 aus dem Kampfeinsatz zurückzögen, seien kein Kursschwenk, sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag. Der Zeitplan für einen Truppenabzug stehe im Einklang mit den Nato-Plänen. Der Minister habe lediglich eine Einschätzung abgegeben, was im Zusammengang mit diesen Plänen passieren könne, sagte der Sprecher.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sagte am Donnerstag in Brüssel nach Beratungen der Nato-Verteidigungsminister, es werde noch bis Ende 2014 Kampfeinsätze geben. Zu diesem Zeitpunkt solle wie beschlossen die Verantwortung für die Sicherheit vollständig an Armee und Polizei Afghanistans übergeben werden. Die Nato wird aber schon 2013 Kampftruppen aus Afghanistan abziehen.

"Bis wir diesen Punkt der Übergabe erreicht haben, wird sich die Rolle unserer Soldaten schrittweise von Kampfeinsätzen zu Unterstützungsaufgaben wandeln, abhängig von der Sicherheitslage", sagte Rasmussen. "Wir stimmen alle im Grundsatz überein: Gemeinsam in einen Einsatz hinein, gemeinsam wieder hinaus."

Zuletzt hatte auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erklärt, dass die französischen Soldaten bis Ende 2013 abziehen sollen. Wie Sarkozy kämpft US-Präsident Barack Obama in diesem Jahr um seine Wiederwahl. Ein rascheres Ende des kostspieligen Kampfeinsatzes könnte beiden Auftrieb in der Wählergunst verschaffen.

Auch deutsche Soldaten werden schon vor Ende 2014 schrittweise aus Afghanistan abgezogen. Dies machte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière in Brüssel deutlich. "Es bleibt bei der Strategie, dass wir die Mission bis Ende 2014 durchführen und bis dahin schrittweise abziehen - im Blick auf die Lage, im Blick auf den Übergangsprozess", sagte der Minister. "Und davon werden auch deutsche Soldaten betroffen sein."

Die Staats- und Regierungschefs der Nato hatten im November 2010 in Lissabon beschlossen, dass bis Ende 2014 die Sicherheitsverantwortung von der derzeit 130.000 Soldaten zählenden Afghanistan-Schutztruppe Isaf an Militär und Polizei Afghanistans übergehen sollte. Deutschland ist mit knapp 5000 Soldaten beteiligt.

Ein verfrühtes Ende des Einsatzes ist umstritten: Beobachter sind überzeugt, dass die Taliban wieder nach der Macht greifen könnten. "Wenn die Isaf keinen Einfluss mehr hat, sehen die Taliban ihren Sieg als unabwendbar an", zitierte die britische "Times" aus einem geheimen Nato-Militärbericht. Die Einschätzung bestärkt die Befürchtungen vieler Experten, dass die noch im Aufbau befindlichen afghanischen Truppen mit der Übernahme des Kommandos 2014 überfordert sein könnten.

lgr/Reuters/dpa

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1. Je früher desto besser
meisterraro 03.02.2012
denn wir haben in Afghanistan nichts zu gewinnen. Es ist gleichgültig, ob die Taliban wieder an die Macht kommen würden weil sie für den Westen keine Gefahr mehr darstellen würden. Der islamistische Terrorismus wird bald kein Thema mehr sein weil die Terroristen einsehen werden, dass ihre Ideologie und ihr Tun schlicht falsch sind und von Gott nicht belohnt werden. Damit wird ihnen das Wasser abgegraben und sie werden keine Kämpfer mehr rekrutieren können. Es wird Frieden geben.
2. ist koch klar das die USA
ronald1952 03.02.2012
Zitat von sysopWashington relativiert Aussagen von Leon Panetta über eine Reduzierung der Kampfeinsätze in Afghanistan: Der Verteidigungsminister hatte zuvor überraschend angekündigt, die US-Truppen könnten sich bereits vor Ende 2013 zurückziehen. Noch gebe es keine Entscheidung, heißt es jetzt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,813050,00.html
dort nicht weggeht,oder?Jede Kugel, die dortr abgeschoßen wird,jede Garnat,Bomb,Marschflugköper oder sonstwas bringt der USA doch jede Menge Geld,oder?Und Geld können die USA dringend gebrauchen. Ausserdem ist einer der größten Lobbyisten der USA, die Waffenindustrie. schönen Tag noch,
3. Träumer
intenso1 03.02.2012
Zitat von meisterrarodenn wir haben in Afghanistan nichts zu gewinnen. Es ist gleichgültig, ob die Taliban wieder an die Macht kommen würden weil sie für den Westen keine Gefahr mehr darstellen würden. Der islamistische Terrorismus wird bald kein Thema mehr sein weil die Terroristen einsehen werden, dass ihre Ideologie und ihr Tun schlicht falsch sind und von Gott nicht belohnt werden. Damit wird ihnen das Wasser abgegraben und sie werden keine Kämpfer mehr rekrutieren können. Es wird Frieden geben.
Das wir in Afghanistan nichts zu gewinnen haben, dem kann ich voll zustimmen. Der islamische Terrorismus wird , unabhängig ob "wir" nun abziehen oder nicht eine ständige Gefahr sein. Es gibt genügend VERBLENDER und VERBLENDETE und genügend, die diesen immer wider Futter geben werden. Die einzige Möglichkeit wäre, es gebe mehr Gerechtigkeit auf der Welt. Dieses wird es leider aber nicht geben, genauso wenig wie es leider Frieden überall geben wird.
4. Nicht
intenso1 03.02.2012
Zitat von ronald1952dort nicht weggeht,oder?Jede Kugel, die dortr abgeschoßen wird,jede Garnat,Bomb,Marschflugköper oder sonstwas bringt der USA doch jede Menge Geld,oder?Und Geld können die USA dringend gebrauchen. Ausserdem ist einer der größten Lobbyisten der USA, die Waffenindustrie. schönen Tag noch,
Nicht der USA, sonder der Waffenindustrie der USA kommt dieses zu gute. Der Steuerzahler zahlt dafür in den USA genauso wie der Steuerzahler in Deutschland und in den anderen Ländern.
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