Nato-Abzug 2014: 10.000 US-Soldaten könnten in Afghanistan bleiben
2014 wollen die USA ihre Truppen aus Afghanistan abziehen. Laut "New York Times" könnten jedoch 10.000 US-Soldaten im Land bleiben - ein Zehntel davon zur Terrorbekämpfung. Die Zahlenspiele bestimmen auch die Zukunft einer zukünftigen Bundeswehr-Operation.
Washington - Was wird aus Afghanistan, wenn die internationalen Truppen der Nato das Land Ende 2014 größtenteils verlassen haben? Wer sorgt für Sicherheit? Und vor allem: Wie viele ausländische Soldaten müssen dauerhaft am Hindukusch stationiert bleiben? Diese Fragen beschäftigen die Planer des US-Verteidigungsministeriums seit langem. Nun zeichnet sich so etwas wie eine Grobplanung ab. Wie die "New York Times" und das "Wall Street Journal" am Montag übereinstimmend berichten, könnten rund 10.000 US-Soldaten auch nach dem angepeilten Nato-Abzug Ende 2014 weiter am Hindukusch bleiben.
Eine endgültige Entscheidung über die US-Truppenstärke steht laut den Berichten noch aus. Gleichwohl ergibt sich aus den ganz offenbar gezielt lancierten Zahlen ein Grundrahmen. So wird einerseits klar, dass auch nach dem Nato-Abzug noch immer Tausende ausländische Soldaten zur Unterstützung der afghanischen Armee im Land gebracht werden.
Ebenso geben die US-Zahlen einen ersten Anhaltspunkt, wie viele Soldaten die anderen Nato-Nationen, die sich wie Deutschland zur weiteren Hilfe für Afghanistan verpflichtet haben, für eine solche Truppe stellen müssten.
Experten gehen davon aus, dass für die weitere Ausbildung und das Training der Afghanen nach 2014 rund 25.000 Soldaten gebraucht würden. Stellen die USA also tatsächlich nur 10.000 Mann ab, müssten die Nato-Partner und einige andere Nationen mehr als die gleiche Menge an Uniformierten stellen.
Immer klarer wird so, dass auch die Bundeswehr, bisher nach den USA und den Briten stets drittgrößter Truppensteller, auch nach 2014 mit einer Truppe von 1000 bis 1500 Mann am Hindukusch bleiben wird und auch die anderen Nationen durchaus größere Kontingente abstellen müssten.
Wann kommt Allens Empfehlung?
Fix sind die Zahlen aus Washington noch nicht. Maßgeblich wird die Empfehlung von General John Allen, dem scheidenden Befehlshaber der US-Truppen in der Unruheregion. "Das Weiße Haus hat General Allen noch nicht um seine Einschätzung für die nötige Truppenstärke in Afghanistan gebeten", zitiert die "New York Times" den Sprecher des Pentagon, George Little.
Der General war zuletzt in den Skandal um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus verwickelt gewesen. Derzeit sind rund 67.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert, sie werden von weiteren 37.000 Nato-Soldaten unterstützt, 4400 davon kommen aus Deutschland.
Die lancierten Zahlen sind offenkundig als Vorbereitung auf die weiteren Beratungen innerhalb der Nato über das Konzept einer Afghanistan-Mission nach dem Abzug gedacht. Bereits vor Wochen hatten die Nato-Nationen eine Nachfolgemission mit dem noch etwas sperrigen Namen "International Training Advice and Assistance Mission" (Itaam) beschlossen. Diese Truppe soll sicherstellen, dass die mühsam aufgebaute afghanische Armee nach dem Abzug der Nato-Truppen nicht sofort wieder zerfällt und ihre Operationsfähigkeit weiter verbessert.
Bisher aber wollte keines der Nato-Länder Zahlen über die Größe einer solchen Mission nennen. Dies soll erst bei einem Gipfel im kommenden Jahr geschehen.
Minister: "Positiv entwickelnde Sicherheitslage"
Die Bundesregierung selbst will am kommenden Mittwoch ein neues Mandat für die Afghanistan-Mission beschließen, dieses muss dann noch vom Bundestag genehmigt werden. Im Kern sieht das Mandat vor, das Bundeswehrkontingent im Laufe des Jahres 2013 erneut zu reduzieren. Anfang 2014 dann sollen nur noch 3300 Deutsche am Hindukusch stationiert sein.
In einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden im Bundestag vom heutigen Montag schreiben Verteidigungsminister Thomas de Maizière und sein Kollege Guido Westerwelle, dass sie für das deutsche Kommandogebiet in Nordafghanistan für die kommenden Monate "eine sich weiter positiv entwickelnde Sicherheitslage" erwarten. Gleichwohl erfolge die geplante Reduzierung weiterhin unter Vorbehalt, wie sich die Lage tatsächlich entwickle.
Laut dem Brief hätte man das deutsche Kontingent schon in den kommenden Monaten stärker reduzieren können. Die Bundeswehr brauche aber einen personellen Spielraum, da der Abzug viele Logistiker und Spezialisten nötig machten.
Über die Nachfolgemission der Bundeswehr schreiben die beiden Minister in ihrem Brief, dass diese "keinen Kampfauftrag" haben werde und mit einem "deutlich geringeren Personalansatz" auskommen werde. Ziel des neuen Auftrags sei demnach "ausschließlich" die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte. Auch diese Mission, so das Schreiben, müsse vom Bundestag mit einem Mandat legitimiert werden.
jok/mgb
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