Kabul - Der Clip dauert kaum länger als dreieinhalb Minuten - doch er könnte die Kommandeure der US-Streitkräfte in Erklärungsnot bringen. Zu sehen ist, wie die Besatzung eines Kampfhubschraubers Menschen aus der Luft beschießt. Vor einem Treffer hebt der Pilot über den Bordfunk zum Refrain des Folksongs "American Pie" an. Dann detoniert die Rakete am Boden.
Das Videoportal LiveLeaks stellte den Clip auf seiner Seite zur Verfügung. Es ist nicht endgültig zu klären, ob die Audioaufnahme tatsächlich original oder nachträglich hinzugefügt worden ist. Bisher gibt es keine offizielle Stellungnahme des US-Verteidigungsministeriums. Vom Kommando der Schutztruppe Isaf hieß es lediglich, man sei sich des Videos bewusst.
Laut der Clip-Beschreibung soll die Aufnahme im September 2009 in der Provinz Wardak, südwestlich der Hauptstadt Kabul, entstanden sein. Es soll sich um Mitglieder der 101st-Airborne-Division handeln.
Auf dem Video sind mehrere Menschen zu sehen, die sich auf einer Straße aufhalten. Auch hier hilft die Clip-Beschreibung nur bedingt weiter. Demnach soll es sich um Bauern handeln, "die auf der Straße Mohnsamen aussähen". Dies könnte als sarkastischer Verweis auf mögliche Sprengsätze gemeint sein. Immer wieder verstecken Gegner der Alliierten selbstgebastelte Bomben am Straßenrand. Regelmäßig kommt es zu schweren Explosionen.
Zunächst sprechen sich Hubschrauberbesatzung noch über das weitere Vorgehen ab, dann (bei der 1.39-Minuten-Marke) intoniert eine Stimme die berühmte Zeile "Bye-bye, Miss American Pie". Sekunden später steigt ein Feuerball über der Straße auf. Offenbar hat die Crew eine Hellfire-Rakete abgeschossen. "Guter Treffer", tönt es unmittelbar nach dem Einschlag aus dem Off.
Mehrere Menschen haben den ersten Beschuss offenbar überlebt, auf den wackeligen Bildern ist zu sehen, wie sie Schutz suchen. Kurz darauf geraten sie wieder unter Feuer. Nach 3.39 Minuten blendet das Video aus.
Anfang des Jahres war ein Video aufgetaucht, auf dem Mitglieder einer Infanterie-Einheit angeblich auf die Leichen getöteter afghanischer Zivilisten urinieren. Im März starben beim Amoklauf eines US-Soldaten 16 Menschen in dem Ort Najib Yan.
Derartige Vorfälle belasten das Verhältnis zwischen den ausländischen Streitkräften und der afghanischen Zivilbevölkerung immer wieder schwer.
jok
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